Österreichs Kassenstellen stagnieren und Wahlarztpraxen werden ausgebaut. ORF berichtet über gute Besetzung und sichergestellte Versorgung, während lange Wartezeiten, schlechte Arbeitsbedingungen und das Voranschreiten der Zweiklassenmedizin ausgeblendet wird.
Der ORF berichtet, dass mehr als 97 Prozent der 10.300 Planstellen für Kassenärztinnen und Kassenärzte besetzt sind. Zusätzlich wird der Mangel an Kassenstellen nach Bundesland und Fachgebiet aufgeschlüsselt. So sind die unbesetzten Facharztstellen in Tirol mit 6,5 Prozent überdurchschnittlich hoch. Besonders hoch ist der Anteil der unbesetzten Stellen auch in den Bereichen der Kieferorthopädie (10 Prozent unbesetzt), Zahnmedizin, Haut- und Geschlechtskrankheiten (je 9 Prozent), sowie Frauenheilkunde (8 Prozent).
Am Rande erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt, wird die Frage, ob eine hohe Erfüllung der Planstellen ausreichende Versorgung bietet. Als Beispiel gibt der ORF die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dort liegt der Besetzungsgrad zwar bei 96 Prozent, insgesamt sind aber nur 53,5 Stellen geplant. Alternative Metriken, wie Wartezeiten, Bevölkerungsumfragen oder Arztumfragen werden jedoch nicht genannt. Lediglich Gesundheitsministerin Schumann wird gefragt. Laut ihr hat Österreich ein dichtes Versorgungsnetzwerk und die Versorgung sei trotz Wartezeiten sichergestellt
Und so werden wir, die im Gesundheitsbereich behandelt werden und wir, die im Gesundheitsbereich arbeiten, wieder zu Zuschauern der Politik degradiert. In einer von krankenversichern.at im September 2025 veröffentlichten Studie, wurden 1.591 Kassenärztinnen und Kassenärzte in Österreich mit dem Ziel kontaktiert, einen Termin auszumachen. In der Auswertung wird der Medien herangezogen, um den Einfluss einzelner besonders langer Wartezeiten auf die Daten zu verringern. Das Ergebnis zeigt: Nur bei Hausärztinnen und Hausärzten bekommt man innerhalb eines Tages einen Termin, bei den anderen 13 untersuchten Fachbereichen betragen die Wartezeiten zwischen 14 und 63 Tagen. Die Studie enthält auch eine Aufschlüsselung nach Region für Wien, Niederösterreich und Oberösterreich. Einen besonders großen regionalen Ausreißer stellt hierbei die psychiatrische Versorgung in Oberösterreich mit einer Wartezeit von 112 Tagen dar.

In einer Stellungnahme, die sich auf die angeführte Studie bezieht, meldete sich kurz nach der Erscheinung der Studie vor einem Jahr auch die Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. Ihr Präsident, Johannes Steinhart, bringt es auf den Punkt: „Die kürzlich präsentierte Studie von krankenversichern.at bestätigt, was wir seit Jahren aufzeigen: Lange Wartezeiten sind kein Ausnahmefall, sondern Ausdruck eines Strukturproblems“. Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen und eine Sicherung des Kassensystems.
Die Kassenplätze stagnieren, während das private Geschäft boomt. Während sich ÖGK, ORF und Ärztekammer uneinig über die Zählweise der Kassenstellen sind, zeigen ihre Daten alle, dass die Kassenplätze seit mindestens 26 Jahren stagnieren oder gar leicht absinken. Gleichzeitig hat sich die Anzahl der Wahlärztinnen und Wahlärzte mehr als verdoppelt. Und so macht die österreichische Regierung erneut klar: Wer krank ist, muss zahlen oder warten.
Quellen: ORF / ÄK / krankenversichern.at / krankenversichern.at / ORF
















































































