Am heutigen Mittwoch, dem 23. September, öffnet im Athener Park „Antonis Tritsis“ das 52. Odigitis-Festival der Kommunistischen Jugend Griechenlands (KNE) seine Tore. Der Name des Festivals leitet sich von der Zeitschrift Odigits der KNE ab. Über vier Tage verbindet das traditionsreiche Festival politische Diskussionen, internationale Begegnungen, Kultur und die Auseinandersetzung mit der Geschichte der griechischen Arbeiterbewegung. Auch die Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs (PdA) nimmt an den Veranstaltungen teil.
Das Festival steht in diesem Jahr unter dem von Bertolt Brecht inspirierten Motto: „General, der Mensch hat einen Fehler … er kann denken! Mit der KKE voran zum Sozialismus!“ Damit stellt die KNE die Fähigkeit der Menschen zum selbstständigen Denken und zur bewussten Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse in den Mittelpunkt.
Das Odigitis-Festival findet seit mehr als fünf Jahrzehnten statt und hat sich zu einem bedeutenden politischen und kulturellen Treffen der griechischen Jugend entwickelt. Die zentrale Veranstaltung in Athen bildet den Abschluss einer Reihe von Festivals und Veranstaltungen, die seit Beginn des Sommers in verschiedenen Teilen Griechenlands durchgeführt wurden. In Athen werden vom 23. bis 26. September mehr als 400 Künstlerinnen und Künstler auf mehreren Bühnen auftreten. Daneben stehen politische Diskussionen, Ausstellungen, Buchpräsentationen und Veranstaltungen für Schülerinnen und Schüler, Studierende, junge Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Familien auf dem Programm.
Internationales Treffen der kommunistischen Jugend
Eine besondere Bedeutung hat auch in diesem Jahr das internationale Dorf, der internationale Bereich des Festivals. Delegationen von mehr als 30 kommunistischen und fortschrittlichen Jugendorganisationen aus verschiedenen Ländern treffen dort zusammen. Die Jugendfront der Partei der Arbeit Österreichs nimmt ebenfalls am Festival teil.
Vertreten sind unter anderem Jugendorganisationen aus Argentinien, Brasilien, Großbritannien, Kanada, Zypern, Finnland, Frankreich, Deutschland, Irland, Israel, Italien, dem Libanon, Mexiko, den Niederlanden, Norwegen, Palästina, Paraguay, Portugal, Russland, Spanien, Sri Lanka, Schweden, Syrien, der Türkei und Venezuela. Auch der Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) ist vertreten.
Die internationale Zusammensetzung des Festivals zeigt dabei die Bedeutung, die der Austausch zwischen kommunistischen Jugendorganisationen über Ländergrenzen hinweg für die KNE besitzt. Neben der politischen Diskussion gehören auch internationale Kulturveranstaltungen zum Programm. So treten beispielsweise Vertreter der spanischen Kommunistischen Jugendkollektive (CJC) mit Liedern aus dem Spanischen Krieg auf.
Politische Diskussionen über Krieg, Arbeit und gesellschaftliche Perspektiven
Das Festival versteht sich ausdrücklich nicht nur als Kulturveranstaltung. Über die vier Tage finden zahlreiche politische Diskussionen statt. Themen sind unter anderem die Auswirkungen von Teuerung und niedrigen Löhnen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen, Bildung, Gesundheit, Wohnen, Krieg und Militarisierung sowie die Situation der Jugend.
Zu den zentralen Veranstaltungen gehört am Freitag eine Diskussion unter dem Titel „Was kostet uns der Kapitalismus? Von Teuerung, Krieg und Barbarei zum sozialistischen Ausweg“. Ebenfalls international ausgerichtet ist eine Veranstaltung über eine geplante internationale Hafenarbeiterstreikbewegung mit Gewerkschaftern aus Griechenland, Italien, Frankreich und der Türkei.
Weitere Veranstaltungen befassen sich mit dem Kampf gegen Faschismus, der Situation von Frauen, der Rolle von Kunst und Zensur, der politischen Arbeit von Soldaten und Offizieren gegen den Krieg sowie Fragen von Schule und Bildung.
Am Samstag, dem 26. September, findet die zentrale politische Kundgebung statt. Dabei werden der Generalsekretär des Zentralrates der KNE, Thodoris Kotsantis, sowie der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), Dimitris Koutsoumbas, sprechen.
Geschichte der griechischen Arbeiter- und Volksbewegung im Mittelpunkt
Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Geschichte der kommunistischen und antifaschistischen Bewegung Griechenlands. Die zentrale Ausstellung des Festivals ist der Demokratischen Armee Griechenlands (DSE) gewidmet, die im griechischen Bürgerkrieg von 1946 bis 1949 gegen die Rückkehr der Monarchie nach dem Ende des zweiten Weltkriegs kämpfte. Die griechische Reaktion wurde zunächst von Großbritannien und später in großem Umfang von den USA unterstützt.
Die Ausstellung behandelt dabei nicht nur die militärischen Auseinandersetzungen, sondern auch die gesellschaftlichen Strukturen in den Gebieten, in denen sich während des Bürgerkriegs die von der kommunistischen Bewegung getragene politische Ordnung etablierte.
Die demokratischen Ansätze dieser Bewegung hatten bereits während des antifaschistischen Widerstands konkrete Formen angenommen. So konnten Frauen 1944 bei den von der Politischen Kommission der Nationalen Befreiung (PEEA), die von EAM und ELAS ins Leben gerufen worden war, organisierten Wahlen erstmals in der griechischen Geschichte ihre Stimme abgeben. Frauen nahmen darüber hinaus in großer Zahl am politischen und gesellschaftlichen Leben der befreiten Gebiete teil.
Die diesjährige Ausstellung wird durch umfangreiches Material aus dem Historischen Archiv der KKE ergänzt. Darunter befinden sich Briefe, persönliche Gegenstände und Fotografien der 200 Kommunisten, die am 1. Mai 1944 in Kaisariani von den deutschen Besatzungsbehörden erschossen wurden. Erstmals sollen dabei auch zwei bislang unveröffentlichte Fotografien von der Erschießung gezeigt werden.
Damit verbindet das Festival die Erinnerung an die Geschichte der griechischen Arbeiter- und Volksbewegung mit aktuellen politischen Fragen. Die KNE stellt insbesondere die Frage, welche Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen der antifaschistischen und kommunistischen Kämpfe für die Gegenwart gezogen werden können.
Kultur als Teil des Festivals
Neben der politischen Diskussion nimmt die Kultur einen zentralen Platz ein. Mehr als 400 Künstlerinnen und Künstler gestalten das viertägige Programm. Neben Konzerten bekannter griechischer Musikerinnen und Musiker gibt es Theater, Tanz, Ausstellungen und Veranstaltungen zur griechischen Volksmusik.
Dabei werden auch historische und politische Themen kulturell aufgegriffen. Zum 90. Jahrestag des Beginns des Spanischen Krieges findet beispielsweise eine Veranstaltung über den Kampf des spanischen Volkes und die Bedeutung des proletarischen Internationalismus statt. Auch der Widerstand gegen Faschismus und Besatzung sowie die internationale Arbeiterbewegung finden in zahlreichen musikalischen und künstlerischen Beiträgen ihren Ausdruck.





















































































