Während viele Haushalte weiterhin mit hohen Lebenshaltungskosten kämpfen, erhöht der Verbund seinen Strompreis für Neukundinnen und Neukunden. Dabei schreibt Österreichs größter Stromerzeuger weiterhin Milliardengewinne.
Es ist ein bekanntes Muster der vergangenen Jahre: Steigen die Energiepreise, steigen die Rechnungen der Haushalte. Und bei den Energiekonzernen steigen die Gewinne. Nun kündigt der Verbund erneut eine Preiserhöhung an – zumindest für Neukundinnen und Neukunden.
Der erst im Februar präsentierte „Österreich-Tarif“ wird bereits wieder teurer. Im ersten Vertragsjahr steigt der Arbeitspreis von bisher 9,5 auf 10 Cent netto pro Kilowattstunde. Noch deutlicher fällt die Erhöhung ab dem zweiten Jahr aus: Statt bisher 12,5 Cent sollen künftig 15 Cent netto verrechnet werden. Der monatliche Grundpreis bleibt bei 4,20 Euro netto.
Als Begründung verweist der teilstaatliche Konzern auf schwierige Marktbedingungen und geopolitische Entwicklungen. Doch angesichts der Gewinnentwicklung des Konzerns stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie viel müssen Stromkundinnen und ‑kunden eigentlich noch zahlen, damit ein Konzern, der zu 51 Prozent der Republik Österreich gehört, zufrieden ist? 1,5 Milliarden Euro Gewinn im Jahr 2025.
Die Zahlen des Verbund sprechen für sich. 2025 erzielte der Konzern ein Ergebnis von 1,489 Milliarden Euro. Das waren zwar um 20,6 Prozent weniger als im Rekordjahr 2024, trotzdem lag der Gewinn weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Der Verbund selbst spricht von einem trotz schwieriger Rahmenbedingungen „hohen“ Ergebnis.
Eine Analyse des Momentum Instituts kommt zu einem noch deutlicheren Befund: Der Gewinn des Verbund lag 2025 um 121 Prozent über dem durchschnittlichen Gewinnniveau der Jahre 2018 bis 2021, also der Zeit vor der Energiekrise. Seit Beginn der Energiekrise 2022 errechnen sich demnach insgesamt 4,65 Milliarden Euro an Übergewinnen.
Das zeigt: Auch wenn die Gewinne gegenüber den Rekordjahren etwas zurückgehen, ist von einer Rückkehr zum alten Normalzustand keine Rede. 2023 hatte der Verbund sogar ein Konzernergebnis von rund 2,3 Milliarden Euro erzielt. 2025 waren es noch immer fast 1,5 Milliarden. Gleichzeitig werden Stromkundinnen und ‑kunden mit neuen Preisen konfrontiert.
Die Energiekrise hat gezeigt, wie problematisch der europäische Strommarkt für die Arbeiterklasse sein kann. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem starken Anstieg der Gaspreise explodierten auch die Strompreise. Während der Strom an den Börsen zeitweise ein Vielfaches kostete, erzielten Energiemonopole enorme Gewinne.
Für die Arbeiterklasse bedeutete die Energiekrise hingegen vor allem eines: höhere Rechnungen. Die Strompreise wurden zu einem zusätzlichen Treiber der Inflation. Haushalte mussten mehr für Heizung, Strom und Mobilität bezahlen – und gleichzeitig stiegen die Preise für Lebensmittel und andere Güter des täglichen Lebens.
Gerade deshalb ist es problematisch, wenn ein Energieunternehmen auch Jahre nach Beginn der Krise weiterhin Gewinne erzielt, die deutlich über dem Vorkrisenniveau liegen, und gleichzeitig seine Preise erhöht.
Ein Konzern in öffentlicher Hand
Besonders bemerkenswert ist die Eigentümerstruktur des Verbund. 51 Prozent des Unternehmens gehören der Republik Österreich. Weitere große Beteiligungen liegen bei einem Syndikat aus EVN und Wiener Stadtwerken sowie bei der TIWAG. Damit befinden sich wesentliche Teile des Unternehmens direkt oder indirekt in öffentlicher Hand.
Stromversorgung ist keine gewöhnliche Ware. Niemand kann einfach darauf verzichten, Strom zu beziehen. Haushalte brauchen Energie zum Kochen, Heizen, Waschen und für den Alltag. Wenn ein mehrheitlich staatliches Energieunternehmen Milliarden verdient, sollte daher nicht ausschließlich die Frage im Mittelpunkt stehen, wie hoch die Rendite für Aktionärinnen und Aktionäre ausfällt. Es muss auch darum gehen, wie leistbar Energie für die Bevölkerung bleibt.
Die Profite gehen zurück – aber das Niveau bleibt enorm
Der Verbund wird argumentieren, dass seine Gewinne 2025 deutlich gesunken sind. Das stimmt. Das Konzernergebnis fiel gegenüber 2024 um rund 20,6 Prozent. Auch das EBITDA ging um 21,3 Prozent zurück.
Aber ein Rückgang von einem Rekordniveau bedeutet noch lange keine normale Gewinnsituation.
1,489 Milliarden Euro Konzerngewinn sind weiterhin eine gewaltige Summe. Es reicht nicht, auf sinkende Gewinne zu verweisen.
Strom muss leistbar sein – nicht maximal profitabel
Gewinne für wenige, Kosten für viele?
Die Energiekrise darf nicht zur dauerhaften Umverteilung von unten nach oben werden. Beschäftigte können nicht einfach ihre Löhne an steigende Strompreise anpassen. Pensionistinnen und Pensionisten können ihre Pension nicht beliebig erhöhen. Familien können ihre Haushaltsbudgets nicht unbegrenzt ausweiten. Ein Energiekonzern kann hingegen über seine Tarifgestaltung entscheiden. Gerade bei einem Unternehmen, das mehrheitlich dem Staat gehört, muss deshalb eine andere Logik gelten: Energieversorgung ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf nicht ausschließlich nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung funktionieren.
Verbund ist in der Forbes’ Global 2000 2025 Liste auf Platz 842 und gehört zu den größten österreichischen Monopole, ein bisschen weniger Profit Tür hier nicht weg. Höhere Stromkosten sind jedoch für immer mehr Haushalten nicht mehr leistbar. Es zeigt sich sehr deutlich, dass staatlicher Besitz nicht zu sozialen Ergebnissen führt.
Quelle: Momentum/ORF/Partei der Arbeit






















































































