Neue Berichte aus dem Libanon bringen den Einsatz von Glyphosat und Weißem Phosphor durch die israelische Armee mit Produkten und Vorstoffen in Verbindung, die auf den Bayer-Konzern zurückgeführt werden. Menschenrechtsorganisationen fordern Aufklärung über mögliche industrielle Mitverantwortung.
Beirut. Die Menschenrechtsorganisation Medico International und die deutsche „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ (CBG) verweisen auf Hinweise, wonach Glyphosat und Weißer Phosphor, die von israelischen Streitkräften im Libanon eingesetzt wurden, mit Produktionsketten des deutschen Chemie- und Pharmakonzerns Bayer in Verbindung stehen könnten.
Anfang Februar berichteten internationale Medien über den mutmaßlichen Einsatz des Herbizids Glyphosat im Südlibanon sowie in besetzten syrischen Gebieten. Nach Angaben des libanesischen Landwirtschaftsministeriums wurden in einigen untersuchten Proben Glyphosat-Konzentrationen festgestellt, die etwa 20- bis 30-mal über den üblichen Werten lagen. Der libanesische Präsident Joseph Aoun sprach in diesem Zusammenhang von „Umwelt- und Gesundheitsverbrechen“.
Die Vorwürfe erhalten zusätzliche Aufmerksamkeit, weil Bayer im Jahr 2018 den US-Agrarkonzern Monsanto übernahm, der als Hersteller von Glyphosat bekannt ist. Die Berichte führten dazu, dass das Thema auch im Deutschen Bundestag aufgegriffen wurde.
Bericht dokumentiert Einsatz von Weißem Phosphor
Am Donnerstag veröffentlichte Medico International gemeinsam mit der libanesischen Organisation Public Works den Bericht „Cartographies of Destruction: Israel’s War Against Lebanon“. Darin werden zahlreiche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht dokumentiert, darunter auch der wiederholte Einsatz von Weißem Phosphor durch Israel im Libanon.
Nach Angaben von Jan Pehrke von der Coordination gegen Bayer-Gefahren gibt es Hinweise darauf, dass der in den Konflikten des Nahen Ostens verwendete Phosphor aus der Bayer-Produktionsanlage in Soda Springs im US-Bundesstaat Idaho stammen könnte. Dort werden Vorprodukte hergestellt, die sowohl für die Glyphosat-Produktion als auch für die Herstellung von Weißem Phosphor relevant sind.
Der Einsatz von Weißem Phosphor durch Israel in Gaza und im Libanon ist seit Jahren Gegenstand internationaler Kritik und wurde bereits mehrfach von Menschenrechtsorganisationen thematisiert. Die Berichte über einen möglichen Einsatz von Glyphosat in militärischen Operationen sind dagegen vergleichsweise neu.
Bayer weist direkte Lieferungen zurück
Auf der Hauptversammlung des Unternehmens im April 2026 erklärte der Bayer-Vorstand, Glyphosat weder direkt an das israelische Militär noch an die US-Streitkräfte geliefert zu haben. Eine entsprechende Stellungnahme zum Thema Weißer Phosphor wurde nach Angaben der beteiligten Organisationen nicht abgegeben.
Riad Othman, Nahost-Referent von Medico International, erklärte zudem, dass Glyphosat nach seinen Informationen bereits 2014 vom israelischen Militär im Gazastreifen getestet worden sei.
Parallel dazu stufte die US-Regierung unter Präsident Donald Trump elementaren Phosphor als Rohstoff von Bedeutung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten ein. Elementarer Phosphor wird sowohl bei der Herstellung von Weißem Phosphor als auch bei der Produktion von Glyphosat verwendet.
Quelle: MiddleEastMonitor



















































































