In Venezuela gehen die Menschen auf die Straße, um für Maduro und gegen den US-Imperialismus zu demonstrieren. Im Hintergrund wirkt eine Mischung oder eher ein Nebeneinander von echtem Widerstandsgeist, Missverständnissen und Ablenkung.
Caracas. In Venezuela sind in den vergangenen Tagen zigtausende Unterstützerinnen und Unterstützer von Nicolas Maduro für die Freilassung des entmachteten und in die USA entführten venezolanischen Präsidenten auf die Straße gegangen.
Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores waren Anfang Jänner bei einem US-Militäreinsatz in Venezuela gekidnappt und in die USA gebracht worden. Sowohl der Angriff als auch die Entführung widersprechen freilich allen Normen des Völkerrechts und der UN-Charta. Von derlei Detailfragen hat sich der US-Imperialismus allerdings noch nie irritieren lassen, und zwar keineswegs erst seit Donald Trump im Amt ist.
Maduro sitzt nun in einer Gefängniszelle in New York , wo ihm wegen „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden soll – ein geradezu absurder Vorwurf, wie eben die gesamte “Rechtfertigung” der US-Intervention auf Lügen und Verzerrungen beruht.
Die US-Regierung gibt ja offen zu, dass es um die Kontrolle der venezolanischen Erdölvorkommen geht, die die umfangreichsten der Welt sind. Ganz offensichtlich sind wir, was den US-Imperialismus betrifft, nicht nur bei Piraterie, sondern eben auch klassischer Kanonenbootpolitik und Plünderungen angelangt.
Allerdings hat es den Anschein, dass sich die verbliebene sozialdemokratische PSUV-Regierung Venezuelas nun mit Trump und den USA arrangieren will. Maduros Stellvertreterin Delcy Rodriguez amtiert als Übergangspräsidentin, unter ihr hat eine Annäherung zwischen Washington und Caracas stattgefunden – das Öl wird dem Räuber wohl ausgehändigt werden. Trotzdem fordert die Regierung weiterhin die Rückkehr des Staatschefs.
Insofern werden ein gewisser Schein und ein Mindestmaß souveräner Selbstachtung gewahrt. Dass nun auch erfolgreich zu Kundgebungen für die Freilassung Maduros mobilisiert wird, unterstreicht einerseits ein gewisses antiimperialistisches Bewusstsein der Bevölkerung, wenngleich sich dieses auf die USA reduzieren mag.
Andererseits hat das von Hugo Chavez initiierte bolivarische Projekt immer noch Anhänger, zumal es reale Fortschritte im Bildungs‑, Gesundheits- und Wohnbereich gab. Freilich konnten die wirklich großen Versprechungen nicht eingelöst werden, denn dafür hätte es einen tatsächlichen revolutionären Umbruch in Richtung Sozialismus gebraucht, wie ihn die Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) als früherer Bündnispartner der PSUV verfolgt hat – mit dem Ergebnis, dass sodann das Maduro-Regime die PCV verfolgt hat, nämlich mit Repressionen und Illegalisierungsversuchen.
Aber wie dem auch sei – heute gilt es, sich gegen US-Aggressionen und Okkupationen zu stellen, für die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung des venezolanischen Volkes einzutreten. Das beutet auch, die einheimische (zum Teil selbstexilierte) oppositionelle Oligarchie mitsamt ihrer “Friedensnobelpreisträgerin” abzuwehren ebenso wie Versuche des bisherigen Regimes, eine Kollaborationsvereinbarung mit den USA zu schließen. Auch dafür gehen viele Venezolanerinnen und Venezolaner auf die Straße.
Quelle: ORF


















































































