Linz. Die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) hat am 31.03.2026 vier Personen mit nationalsozialistischer Vergangenheit nachträglich akademische Ehrungen aberkannt. Dieser Schritt ist richtig und längst überfällig. Universitäten tragen Verantwortung für ihre Geschichte – auch dann, wenn sie selbst zur Zeit des NS-Faschismus noch nicht bestanden haben. Die Aberkennung solcher Ehrungen ist daher nicht mehr als richtig.
Doch bei aller Zustimmung wirft diese Entscheidung eine zentrale Frage auf: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass diese Ehrungen noch Jahrzehnte nach 1945 – bis Ende 1980er Jahre – verliehen wurden?
Die betroffenen Personen waren keineswegs nur sogenannte Mitläufer. Ihre frühe und aktive Einbindung in NS-Organisationen ist gut dokumentiert. Dennoch erhielten sie in der Zweiten Republik höchste akademische Auszeichnungen an der JKU. Das verweist auf ein strukturelles Problem: Kontinuitäten in der Macht und Herrschaft werden vielfach unterschätzt. In vielen gesellschaftlichen Bereichen – auch an Universitäten – konnten belastete Eliten ihre Karrieren fortsetzen und wurden später auch noch geehrt.
Die nun erfolgte Aberkennung ist daher nicht nur ein Akt der Aufarbeitung, sondern zugleich ein indirektes Eingeständnis, dass diese Kontinuitäten über Jahrzehnte hinweg ignoriert wurden. Gerade die Tatsache, dass einzelne Ehrungen noch in den 1980er-Jahren verliehen wurden, legt nahe, dass es sich nicht um vermeintliche Versäumnisse der unmittelbaren Nachkriegszeit handelt, sondern um länger wirkende personelle und ideologische Kontinuitäten.
Umso auffälliger ist es, dass die Universität im selben Zusammenhang eine Distanzierung von einem Ehrendoktorat für den ehemaligen DDR-Minister Gerhard Beil betont. Diese Gleichsetzung eines NS-belasteten Personenkreises mit einem Vertreter eines sozialistischen Staates folgt einem Deutungsmuster, das stark an die sogenannte Totalitarismustheorie erinnert.
Diese Theorie stellt NS-Faschismus und Kommunismus als strukturell vergleichbare Systeme dar. Auch in der bürgerlichen Geschichtswissenschaft ist dieser Ansatz heute jedoch umstritten. Zahlreiche Historikerinnen und Historiker haben darauf hingewiesen, dass eine solche Gleichsetzung zentrale Unterschiede verwischt und Opferzahlen verharmlost.
Trotz dieser Kritik wird die Totalitarismusthese bis heute immer wieder aufgegriffen. Ihre Funktion liegt dabei in ihrer ideologischen Wirkung: Sie dient dazu, antikommunistische Narrative zu stützen und historische Verantwortung zu relativieren. Wenn die Distanzierung von einem DDR-Politiker im selben Atemzug erfolgt wie die Aberkennung von Ehrungen für überzeugte Nationalsozialisten, entsteht genau diese problematische Gleichsetzung. Es ist anzunehmen, dass Beil der Ehrentitel auch aberkannt worden wäre, wenn dieser nicht bereits in den 1992 auf den Titel verzichtet hätte. Diesen erhielt er als Würdigung aufgrund der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und Österreich.
















































































