Eine aktuelle Befragung der Arbeiterkammer Vorarlberg zeigt eine hohe Belastung der Beschäftigten in den Landeskrankenhäusern. Neben Zeitdruck und Personalmangel spielen auch private Pflege- und Betreuungspflichten eine wichtige Rolle.
Bregenz. Die Beschäftigten der Vorarlberger Landeskrankenhäuser stehen unter enormem Druck. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Arbeiterkammer (AK) Vorarlberg hervor, die gemeinsam mit der Krankenhausbetriebsgesellschaft durchgeführt wurde. Erstmals wurden dabei auch private Pflege- und Betreuungspflichten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhoben. Die Ergebnisse zeigen eine starke Mehrfachbelastung vieler Beschäftigter und weisen auf ein dauerhaft hohes Burnout-Risiko hin.
Im Februar 2026 wurden 4.067 Fragebögen an die Beschäftigten der Landeskrankenhäuser versandt. 41,2 Prozent der Angeschriebenen beteiligten sich an der Befragung, viele davon mit ausführlichen persönlichen Anmerkungen.
Mehr als ein Viertel der Befragten übernimmt neben dem Beruf auch Pflege- oder Betreuungsaufgaben im privaten Umfeld. Insgesamt gaben 27,1 Prozent an, Angehörige zu pflegen oder zu betreuen. Von diesen arbeiten 38,1 Prozent in Teilzeit, während 17,4 Prozent die zusätzlichen Verpflichtungen neben einer Vollzeitbeschäftigung bewältigen. Besonders hoch ist der Anteil pflegender oder betreuender Angehöriger laut Arbeitswissenschaftler Heinrich Geissler unter den Fachärztinnen und Fachärzten.
Fast die Hälfte der Befragten wünscht sich deshalb eine andere Dienstplangestaltung. Als Hauptgrund werden Betreuungs- und Pflegepflichten außerhalb des Arbeitsplatzes genannt.
Überwiegender Teil sieht keine Verbesserungen
Die Einschätzung der Arbeitsbedingungen fällt überwiegend kritisch aus. Nur 13 Prozent der Befragten sehen Verbesserungen, während mehr als die Hälfte angibt, dass sich die Situation wenig oder gar nicht verbessert habe. 68,3 Prozent berichten, zu viele Aufgaben gleichzeitig erledigen zu müssen, 61 Prozent leiden unter starkem Zeitdruck.
Besonders alarmierend sind die Hinweise auf psychische Belastungen. Rund 14 Prozent der Befragten gaben an, sich mindestens einmal pro Woche emotional leer zu fühlen. Nach Einschätzung der Studienautoren arbeiten diese Beschäftigten mit einem erhöhten Burnout-Risiko. 37,2 Prozent fühlen sich mindestens einmal wöchentlich bis täglich nach Dienstende „verbraucht“. Betroffen sind laut Geissler häufig Fachärztinnen und Fachärzte, insbesondere wenn sie mehr als 20 Überstunden pro Monat leisten.
Wenig Anerkennung und hohes Absprungrisiko
Auch die Bindung an den Beruf und den Arbeitgeber steht unter Druck. Fast jeder fünfte Beschäftigte denkt darüber nach, den Beruf aufzugeben. Mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich für ihre Leistungen und Anstrengungen nicht ausreichend anerkannt.
Gleichzeitig stehen die Landeskrankenhäuser vor einem wachsenden Personalbedarf. In den kommenden fünf Jahren werden nach den Berechnungen der Studienverantwortlichen rund 200 zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt. Bis zum Jahr 2036 steigt dieser Bedarf auf 600 Beschäftigte. Dabei handelt es sich laut den Autoren um eine optimistische Schätzung, da mögliche Fluktuationen und vorzeitige Pensionierungen nicht berücksichtigt wurden.
Ein gewisses Potenzial sehen die Verantwortlichen bei den Teilzeitbeschäftigten. 6,6 Prozent der Befragten erklärten, ihre Arbeitszeit gerne erhöhen zu wollen. Dennoch zeigt die Umfrage auch langfristige Herausforderungen: Zwölf Prozent können sich nicht vorstellen, ihren Beruf erneut zu wählen. Unter den Fachärztinnen und Fachärzten möchten lediglich 29,5 Prozent bis zur Pensionierung an ihrem Landeskrankenhaus bleiben. Fast 22 Prozent planen, das Krankenhaus zugunsten einer eigenen Praxis zu verlassen.
Quelle: ORF





















































































