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Ukraine blockiert Wasser für die Krim

Auf der Krim kämpfen die Menschen jeden Sommer mit Wassermangel. Die ukrainische Regierung hat diese Problematik verschärft, indem sie den Menschen auf der Halbinsel einfach den Wasserzufluss abschnitt. 

Simferopol/Kiew. Auf der Halbinsel Krim herrscht im Sommer 2021 akute Wasserknappheit. Eine solche Situation ist historisch nicht ungewöhnlich, weswegen in der Sowjetunion in den 1960er Jahren der Nord-Krim-Kanal gebaut und in den 70er Jahren weiter ausgebaut wurde – er versorgte die Bevölkerung und die Landwirtschaft der Krim mit Wasser aus dem Fluss Dnepr, bis zu 85 Prozent der nötigen Menge wurden über diesen Weg bereitgestellt. Seit 2014 hat dies die ukrainische Regierung jedoch unterbunden, zunächst nur provisorisch mit mobilen Sperren, schließlich errichtete man einen Staudamm aus Beton, der den Kanal gänzlich trockenlegte. Das notwendige Wasser kann seither nichtmehr in Richtung Krim fließen.

Der Hintergrund dieser doch ein wenig menschenfeindlichen Maßnahme Kiews hat mit dem Status der Krim zu tun. Nach dem US- und EU-geförderten, nationalistisch-faschistoiden Maidan-Putsch in der Ukraine entschied sich die mehrheitlich russische Krim-Bevölkerung 2014 in einem Referendum, sich von der Ukraine für unabhängig zu erklären und schließlich der Russischen Föderation beizutreten. Seither ist die Halbinsel faktisch Teil des russischen Staatsgebietes, was man in Kiew natürlich nicht anerkennen, sondern sich das Gebiet wieder einverleiben will.

Unmenschliches Vorgehen der ukrainischen Regierung

Dass man hierbei zur Methode der Kappung der Wasserversorgung greift, erscheint mehr als fragwürdig. Die Ukraine mag sich noch so sehr in einem veritablen politischen und teilmilitärischen Konflikt mit Russland sehen, doch die Zivilbevölkerung der Krim gezielt durch Unterversorgung mit Wasser, Dürre und Ernteausfälle leiden zu lassen, ist unmenschlich und sogar abwegig, wenn die Ukraine diese Bevölkerung als ihre eigene beanspruchen möchte. Die durstigen Menschen auf der Krim werden angesichts solch eines Staatsterrorismus – man muss es wohl so nennen – wohl kaum davon überzeugt werden, wieder in den Schoß Kiews zurückzukehren.

Auch im Lichte internationaler Beziehungen fällt die Blockade der Wasserversorgung für die Bevölkerung der Krim eher in den Bereich eines verbrecherischen, erpresserischen und schlimmstenfalls tödlichen Vorgehens. Natürlich ist ein Wasserraub dieser Art nicht zulässig, es ist geradezu schändlich, anderen Menschen das Trinkwasser abzugraben. Man kann nur hoffen, dass andere Staaten nicht auf ähnliche Ideen kommen, durchaus auch im Interesse der Ukraine. Denn der Dnepr z.B. ist kein rein ukrainischer Fluss: Er entspringt in Russland und fließt durch Weißrussland, bevor er die Ukraine erreicht.

In Moskau hat man freilich schon seit 2014 damit gerechnet, dass man in Kiew auf allerlei rabiate Blockadeideen kommen würde. Daher wurde die Fertigstellung der Brücke von Kertsch forciert, die eine direkte Verbindung von der Krim zum russischen Festland ermöglicht – und tatsächlich sind auch in diesem Sommer auf der Strecke regelmäßig Wassertankwagen unterwegs, um die Versorgung der Halbinsel zu garantieren. Daneben investiert Russland in die Anlegung neuer, tiefer Brunnen, für die Zukunft sind auch Meerwasserentsalzungsanlagen geplant. Die Ukraine wäre in humanistischer und politischer Hinsicht jedoch gut beraten, die Versorgungsblockade zu beenden, egal wie sich der staatliche Status der Krim entwickelt.

Quelle: ORF

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