Eine aktuelle Umfrage zeigt: Viele Pädagoginnen und Pädagogen in Österreich finanzieren Unterrichtsmaterialien selbst – teils aus Mangel an Ausstattung.
Linz. Dass Lehrkräfte in Österreich privat Geld für ihren Beruf ausgeben, ist keine Ausnahme, sondern weit verbreitet. Das geht aus einer Online-Erhebung des Österreichischen Schulbuchverlags (öbv) und der Universität Linz hervor, an der rund 2.000 Personen teilgenommen haben. Im Median belaufen sich die jährlichen Ausgaben auf etwa 300 Euro, nur ein Prozent der Befragten gab an, überhaupt kein eigenes Geld in den Unterricht zu investieren.
Für Studienautor Christoph Helm von der Universität Linz sind die Ergebnisse ein deutlicher Hinweis darauf, dass es an vielen Schulen an grundlegender Ausstattung fehlt. Unabhängig von Schultyp, Region oder sozialer Zusammensetzung der Schülerschaft bezahlt die Mehrheit der Lehrkräfte zumindest einen Teil der benötigten Materialien selbst. Besonders ausgeprägt ist dies an Pflichtschulen wie Volks- und Mittelschulen.
Ein Großteil der Ausgaben entfällt auf Materialien, die direkt im Unterricht verwendet werden. Über alle Schulformen hinweg geben 77 Prozent der Befragten an, etwa Arbeitshefte oder Kopiervorlagen aus eigener Tasche zu bezahlen. In Volksschulen liegt dieser Anteil sogar bei 91 Prozent. Auch digitale Ausstattung wird häufig privat angeschafft: 61 Prozent investieren in Geräte, die sie für ihre Arbeit benötigen. Vier von zehn Lehrkräften finanzieren zudem Materialien für Leistungsüberprüfungen oder digitale Lernangebote wie Apps.
Neben Unterrichtsmaterialien fallen auch Kosten für klassische Büroartikel wie Papier, Stifte oder Kleber an. In Fächern wie Naturwissenschaften, Kunst oder Musik kaufen Lehrkräfte regelmäßig zusätzliche Materialien für Experimente oder Projekte. Selbst Arbeitsgeräte wie Drucker oder Laminiergeräte werden teilweise privat angeschafft, weil sie an den Schulen fehlen oder schwer zugänglich sind. Für die Studienautoren ist das ein Hinweis auf ein strukturelles Problem bei der Ressourcenausstattung.
Darüber hinaus investieren viele Lehrkräfte in die Gestaltung des Klassenraums, etwa durch Möbel, Dekoration oder zusätzliche Lernmittel wie Bücher, Spiele oder Lärmschutzkopfhörer. Klassenlehrerinnen und ‑lehrer tragen zudem oft Kosten für kleine Geschenke zu Anlässen wie Geburtstagen oder dem Schulschluss. In einzelnen Fällen wird auch berichtet, dass Lehrkräfte Schülerinnen und Schülern mit finanziellen Schwierigkeiten Materialien oder sogar eine Jause bereitstellen.
Die Höhe der Ausgaben variiert: 39 Prozent der Befragten geben jährlich bis zu 200 Euro aus, weitere 35 Prozent zwischen 201 und 600 Euro. Rund ein Viertel investiert noch mehr, eine kleine Gruppe sogar mehrere tausend Euro pro Jahr.
Der öbv weist darauf hin, dass nicht alle dieser Ausgaben zwingend notwendig seien. Problematisch werde es jedoch, wenn grundlegende Arbeitsmittel, digitale Infrastruktur oder Lehrmaterialien privat finanziert werden müssen. In diesem Fall verlagere sich die Verantwortung zunehmend auf die Lehrkräfte selbst. öbv-Geschäftsführer Philipp Nussböck sieht daher Diskussionsbedarf: Die Qualität des Unterrichts dürfe nicht vom privaten Budget der Lehrpersonen abhängen.
Quelle: ORF
















































































