Seit 2024 häufen sich Beschwerden ehemaliger Beschäftigter der Bäckerei Essl bei der Arbeiterkammer Salzburg. Im Raum stehen verspätete, zu niedrige oder ganz ausbleibende Lohnzahlungen. Mehrere Gerichtsverfahren und ein laufendes Insolvenzverfahren werfen ein kritisches Licht auf den Arbeitgeber.
Salzburg. Die Salzburger Traditionsbäckerei Essl, die mehrere Filialen in der Landeshauptstadt betreibt, steht seit Monaten massiv in der Kritik. Wie die Plattform ZackZack und die Salzburger Nachrichten berichten, haben sich seit dem Jahr 2024 mehr als 30 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Arbeiterkammer Salzburg gewandt. Der Leiter der AK-Rechtsschutzabteilung, Heimo Typplt, spricht von einer Größenordnung, die klar aus dem Rahmen fällt.
In den Beschwerden geht es um Löhne, die nicht fristgerecht, nicht in voller Höhe oder überhaupt nicht ausbezahlt worden seien. Typplt schildert, dass Betroffene ihre Arbeit geleistet hätten, ohne korrekt entlohnt zu werden. In vielen Fällen hätten sie daraufhin das Dienstverhältnis vorzeitig beendet oder seien gekündigt worden – häufig erst, nachdem sie sich an die Arbeiterkammer gewandt hatten. Nur in wenigen Fällen sei es gelungen, auf Intervention der AK den ausstehenden Lohn oder zumindest einen Teil davon außergerichtlich hereinzubringen.
In der Mehrzahl der Fälle sah sich die Arbeiterkammer gezwungen, Klagen beim Arbeits- und Sozialgericht einzubringen. Diese führten zu bedingten Zahlungsbefehlen. Zwar habe es danach vereinzelt überraschende außergerichtliche Einigungen gegeben, so Typplt, doch selbst nach gerichtlichen Zahlungsaufträgen seien die eingeforderten Beträge oftmals nur teilweise beglichen worden. Laut Salzburger Nachrichten waren mit Stand Ende Jänner 2026 erneut vier Verfahren gegen die Essl GmbH anhängig.
Operativ geführt wird das Unternehmen von Stefanie Essl. Die frühere ÖVP-Gemeinderätin hält 91 Prozent der Gesellschaftsanteile und war bis zuletzt Bezirksobfrau des Wirtschaftsbundes Salzburg-Stadt. Im Firmenbuch scheint zwar ihr Vater als Geschäftsführer auf, die operative Verantwortung liegt jedoch bei ihr. Essl betreibt derzeit fünf Filialen in der Stadt Salzburg. Gegenüber ZackZack und den Salzburger Nachrichten wies Essl die Vorwürfe zurück.
Am Mittwoch erklärte Essl in einer Medieninformation, ihre ehrenamtliche Funktion im Wirtschaftsbund der Stadt Salzburg mit sofortiger Wirkung ruhend zu stellen. Ihre volle Aufmerksamkeit gelte nun der Abwicklung des laufenden Insolvenzverfahrens. Bis zu einer Klärung übernehme ihr Stellvertreter Florian Ritter die Funktion des geschäftsführenden Bezirksobmanns.
Über die Essl GmbH wurde bereits im September 2024 ein Insolvenzverfahren eröffnet. Laut AK reichen die ersten Beschwerden von Beschäftigten jedoch zeitlich weiter zurück. Die Verbindlichkeiten beliefen sich zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung auf rund 482.000 Euro. Der von der Geschäftsführung vorgelegte Sanierungsplan wurde von den Gläubigern angenommen und sieht eine Quote von 20 Prozent vor. Die Zahlungsfrist läuft bis Dezember 2026. Der Betrieb wurde trotz Insolvenz fortgeführt; zuletzt beschäftigte das Unternehmen laut Firmenbuch rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Die Vielzahl an Beschwerden, die wiederholten Gerichtsverfahren und die nur teilweise Begleichung gerichtlich festgestellter Forderungen zeichnen ein problematisches Bild. Auch wenn die Unternehmensführung die Vorwürfe bestreitet, bleibt der Eindruck, dass arbeitsrechtliche Standards über Jahre hinweg zumindest nicht verlässlich eingehalten wurden – mit spürbaren Folgen für die Betroffenen.
Quelle: ORF



















































































