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Home Feuilleton

Zum hundertjährigen Jubiläum der „Tiroler Heimat“ (1921 / 2021)

29. Oktober 2021
in Feuilleton, Wissenschaft
Zum hundertjährigen Jubiläum der „Tiroler Heimat“ (1921 / 2021)

Gastkommentar: Gerhard Oberkofler, geb. 1941, Dr. phil., Universitätsprofessor i.R. für Geschichte an der Universität Innsbruck.

„Textnachrichten“ vom Dezember 1969 bis September 1970 spiegeln ein „System Kurz“ in der Tiroler Geschichtswissenschaft wider.

1921 hat Hermann Wopfner (1876–1963) das von ihm „Tiroler Heimat“ benannte Jahrbuch zur Geschichte Tirols begründet und herausgegeben. 1947 hat dessen Schriftleitung und Herausgeberschaft Franz Huter (1899–1997) übernommen (bis 1986). Beide waren hoch angesehene Universitätsprofessoren an der Innsbrucker Universität und haben zu ihrer Zeit über Tirol hinaus als Koryphäen der österreichischen Geschichtsforschung gegolten. 1966 wurde der Autor dieses Artikels Assistent von Franz Huter. In den ersten Jahren waren seine Agenda das Ordnen von Archivalien des von Franz Huter betreuten Universitätsarchivs und als Schreibkraft, Korrektor und Beiträger der „Tiroler Heimat“ sowie als Editor der Innsbrucker Universitätsmatrikel tätig zu sein, auch Studienzeitbestätigungen aufgrund von Erhebungen in den Nationalien auszustellen und Anfragen zu beantworten gehörten dazu. Franz Huter, dem als Emeritus keine Schreibkraft mehr zur Verfügung stand, hat die handschriftlichen Konzepte seiner eigenen historischen Forschungen und seiner gelegentlichen Vorträge dem Autor in die mechanische Schreibmaschine mit Zeilenhebel diktiert oder eben zum Abschreiben vorgelegt. Die Anfertigung von sauberen Durchschlägen mittels Kohlepapiers war selbstverständlich, es gab noch keine Kopierapparate. Diese Aufgabenstellung war nicht zu hinterfragen. Das alles hat der Autor in guter Erinnerung. Weniger trifft das auf seine erste Konfrontation mit den ebenso hierarchischen wie opportunistischen Strukturen der bürgerlichen Geschichtswissenschaft zu. Der Wissenschaftssoziologe Edgar Zilsel hat 1929 über die gesellschaftlichen Bedingungen der Geisteswissenschaftler unter bürgerlichen Verhältnissen einmal bemerkt: „Man schreibt unter großen Schwierigkeiten Bücher, man steht allein unter zahlreichen Konkurrenten, oder Kollegen strecken hilfreiche Hände entgegen, die waschen oder gewaschen werden wollen“.

Der erste Beitrag des Autors für die „Tiroler Heimat“ handelt über „Ludwig von Pastor (1854–1918) und die Innsbrucker Geschichtswissenschaft“ und wurde 1969 (Band 33, S. 53–66) abgedruckt. Es folgen in den nächsten Jahren anhaltend weitere Beiträge, die von Franz Huter gelesen und genehmigt, oft auch angeregt worden sind. Der vom derzeitigen Innsbrucker Universitätssystem „exmatrikulierte“ Autor – es wurde ihm vom amtierenden Rector magnificus Tilman Märk überfallsartig und fristlos der universitäre Account gesperrt – war am Beginn seines wissenschaftlichen Weges mit der „Tiroler Heimat“ eng verbunden. Deren Hundertjahrjubiläum ist dem Autor Anstoß, sich an seinen ersten Beitrag zu erinnern, der im Kontext seines im selben Jahr publizierten, von Franz Huter lektorierten und herausgegebenen Buches über „Die geschichtlichen Fächer an der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck 1850–1945“ (Innsbruck 1969) steht. Offenkundig ist, dass diese am Anfang seines Weges stehende Publikation viele „Chats“ stimuliert hat, die in ihrer Brutalität und mit ihrem gezielten Niedermachen dem politischen „System Sebastian Kurz“ durchaus vergleichbar sind. 

Zentral in den hier wiedergegebenen Briefstellen sind die beiden Persönlichkeiten Nikolaus Grass (1913–1999) und Franz Huter. Der Autor hat 1999 und 2009 wissenschaftshistorische Biographien von beiden Gelehrten veröffentlicht, wozu ihm deren Nachlässe zur Verfügung gestanden sind.[1] Der Nachlass von Nikolaus Grass (Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum) beinhaltet seine reichhaltige Korrespondenz und zeichnet sich dadurch besonders aus, dass Grass nicht nur seine maschinegeschriebenen, sondern auch die meisten seiner handschriftlichen Briefe mit Durchschlägen geschrieben und aufbewahrt hat. Martin Scheutz und Andrea Sommerlechner, Mitglieder des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, schreiben 2013: „Der vielschichtige katholische und stark antisemitische Tiroler Rechtshistoriker und Historiker Nikolaus Grass war vielfältig und im Ausbau seines wissenschaftlichen Netzwerkes – wozu als wichtiges Vernetzungsmittel auch Rezensionen gehörten – wenig zimperlich.“[2]Der schweizerische Rechtshistoriker Louis Carlen, der 1969 bis 1971 in Innsbruck an der Seite von Grass tätig war und dann als Ordinarius für Rechtsgeschichte, Kirchenrecht und Staatskirchenrecht an der Universität Freiburg/ Schweiz gewirkt hat, schreibt dem Autor nach Kenntnisnahme seiner Biographie über Nikolaus Grass am 13. Februar 2009: „Sie haben mit diesem Buch der tirolischen und österreichischen Wissenschaftsgeschichte und natürlich auch der von Ihnen grundlegend erforschten Geschichte der Uni Innsbruck einen wesentlich Beitrag und eine grosse Arbeit geleistet“. Zu Ende des Jahres 2020 wurde in Rom ein 440 Seiten starker Tagungsband „Ludwig von Pastor (1854–1928). Universitätsprofessor, Historiker der Päpste, Direktor des Österreichischen Historischen Instituts in Rom und Diplomat“ von Andreas Sohn und Jacques Verger im Regensburger Verlag Schnell & Steiner herausgegeben. Die Schirmherrschaft über diese Pastor-Tagung (2018) in Rom hatten die Kardinäle Christoph Schönborn und Rainer Maria Woelki, Ministerpräsident Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen) und Marcel Philipp, Oberbürgermeister von Aachen, übernommen. Papst Franziskus war von der ihm während seiner Ausbildungszeit zur Pflichtlektüre gegebenen Papstgeschichte von Pastor beindruckt.[3] Für den Autor ist dieser Tagungsband 2021 eine Wiederbegegnung mit seinen wissenschaftlichen Anfängen. Er wird dort mit seiner idealistischen Interpretation der wissenschaftlich opportunistischen Persönlichkeit von Pastor aus dem Jahre 1969 im Beitrag des in Potsdam lehrenden deutschen Historikers Thomas Brechenmacher („Bemerkungen zu Stilisierung, Sozialisation und Selbstverständnis eines Papsthistoriker“) mit Anerkennung zitiert.[4]

Nikolaus Grass und Franz Huter sind heute Studierenden der Geschichtswissenschaft kaum mehr bekannt. Unter den in den Briefen genannten Namen sind Berühmtheiten ihrer Zeit und lassen sich bei Interesse im internet leicht identifizieren.

„Textnachrichten“ vom Dezember 1969 bis September 1970 

02 12 1969 Nikolaus Grass an Johannes Spörl: […] Kürzlich ist im Selbstverlag der Innsbrucker Universität das Buch von Oberkofler, „Die geschichtlichen Fächer an der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck 1850–1945“ erschienen. Darin findet sich S. 89 die Überschrift: „Der Einbruch Ludwig von Pastors und anderer oktroyierter Ernennungen“. S. 92 kann man lesen: „Als Lehrer mußte Pastor in Innsbruck scheitern“. Zu diesen und anderen ähnlichen, höchst befremdenden Stellungnahmen soll doch das Historische Jahrbuch Kritik üben. Wir können vielleicht bei der Konferenz in München noch vor Weihnachten darüber sprechen. Doch möchte ich auf alle Fälle bereits jetzt Sie auf diese Publikation aufmerksam gemacht haben. Es muß darauf unbedingt eine scharf ablehnende Rezension erfolgen. […]

1969 Ende Wilhelm Baum an Gerhard Oberkofler: […] wir werden Sie vernichten. […]. [Zirkel der CV Austria Innsbruck]

23 02 1970 Nikolaus Grass an Leo Santifaller: […] Daß ein junger Innsbrucker Historiker: Dr. Oberkofler dem berühmten Pastor vorwirft, dieser habe die histor. Methode nicht beherrscht, ist doch stark! So zu lesen im Buch von Gerhard Oberkofler, Die geschichtlichen Fächer an der phil. Fak. der Universität Innsbruck 1850 – 1945, Innsbruck 1969. […]

13 03 1970 Leo Santifaller an Nikolaus Grass: […] Kürzlich erhielt ich auch das Buch von Oberkofler über die geschichtlichen Fächer an der Universität Innsbruck. Ich las die Arbeit mit großem Interesse – vieles war mir gänzlich neu. […]

31 03 1970 Nikolaus Grass an Johannes Spörl: […] Sehr froh bin ich, wenn Braubach das Buch von Oberkofler „Geschichtsunterricht in Innsbruck“ kritisch im HJb. recensiert. Wenn Sie es gestatten, werde ich dem auch mir persönlich bekannten Prof. Braubach einige mehr lokalgeschichtliche Hinweise zukommen lassen. Auch unser Althistoriker Professor Hampl (früher, bis ca 1947 in Mainz) ist über Oberkoflers Buch empört; Hampl ist Protestant und Sozialist. […]

10 04 1970 Nikolaus Grass an Max Braubach: […] Wie ich von Professor Spörl höre, haben Sie die große Güte, das neu erschienene Buch über „Die geschichtlichen Fächer an der Universität Innsbruck 1850–1945“ für das Historische Jahrbuch zu rezensieren. Als ehemaliger Dozent der Geschichte und nunmehr langjähriger Professor der Deutschen Rechtsgeschichte an der Innsbrucker Universität würde ich es dankbar begrüßen, wenn Sie dieses Buch einer möglichst kritischen Anzeige zuführen würden. […]

27 04 1970 Nikolaus Grass an Max Braubach: […] Ich habe mir kürzlich erlaubt, Ihnen einen xerographierten Abzug von Oberkofler Artikel über Pastor aus der „Tiroler Heimat“ zugehen zu lassen. Oberkofler glaubt, mit seiner Herabsetzung des Papsthistorikers eine so großartige Entdeckung gemacht zu haben, daß er sie auch noch den wenigen Lesern der „Tiroler Heimat“ vorsetzen will, jener Zeitschrift, die einst Professor Hermann Wopfner begründet und jahrzehntelang herausgegeben hat; derselbe Wopfner, der sich in seiner Autobiographie dankbar als Schüler Pastors bekennt. Dieses Urteil Wopfners wiegt noch höher, wenn man weiß, daß der Urtiroler Wopfner den doch ganz anders gearteten Pastor nicht gerade geliebt hatte. In Sachen der Beurteilung des Cusanus neigte ja Wopfner dazu, den Standpunkt des histor. Landrechtes zu vertreten, den auch schon der streng katholische Prof. Josef Hirn eingenommen hatte.

Wegen seiner Einstellung wird ja auch Hirn von Oberkofler herabgesetzt. Dabei ist Herrn Oberkofler die Beschwerdeschrift Hirns gegen die ungerechte Behandlung durch die Innsbruck Fakultät (vor allem durch Busson) ganz entgangen, die schon 1934 Kabinettsrat Dr. Alois Großmann in den „Austrierblättern“ Innsbruck 1934 veröffentlicht hatte. Ich habe mir daher erlaubt, Ihnen von dieser aufschlußreichen Studie einen Abzug zugehen zu lassen. „Alarich“ war der Kneipname des Verfassers: Dr. iur Alois Großmann. Dieser war ein historisch sehr versierter Jurist, er gehörte jahrelang als Prüfer der Deutschen Rechtsgeschichte der Rechtshistorischen Staatsprüfungskommission der Universität Innsbruck an. […]

Ich selbst muß leider völlig im Hintergrund der Kritik an Oberkofler bleiben, da ich als fleißiger Benützer des Innsbrucker Universitätsarchives eben auf Oberkoflers Hilfe gewissermaßen angewiesen bin.

12 05 1970 Nikolaus Grass an Heinrich Fichtenau: […] Da ich Sie gestern abends beim Santifaller – Empfang nicht mehr sah, darf ich auf diesem Wege Ihnen eine sehr berechtigte Kritik zu dem neuen Buch von Dr. Gerhard Oberkofler, Die geschichtl. Fächer an der phil. Fak. der Univ. Innsbruck 1850 – 1945 überreichen.

Ich nehme an, da die MIÖG bereits ein Rez. Expl. erhalten haben und möchte bitten, daß Sie doch für eine adäquate Rezension Sorge tragen. Es ist geradezu unverständlich, wie ein grüner Assistent es wagen kann, anlässlich des 300. Bestandsjubiläums der Innsbrucker Universität einen ihrer berühmtesten Historiker als Lehrer so herabzusetzen.

Große Nazis wie Helbok, Miltner etc. werden hinaufgelobt, während betont katholische Gelehrte wie Pastor oder Josef Hirn ganz einseitig und gehässig herabgesetzt werden.

Der Innsbrucker Kunsthistoriker Prof. Otto R. v. Lutterotti hat bereits an unseren Rektor, den Jesuiten Coreth eine von mehreren Historikern (so von Prof. Hampl, Prof. Pivec, Prof. Rainer usw.) unterfertigte Protestnote gerichtet. […]

16 05 1970 Franz Hampl, Otto Lutterotti, Karl Pivec, Johann Rainer, Eugen Thurnher und Hans Zingerle an den Rektor der Universität Innsbruck Emerich Coreth SJ:

Eure Magnifizenz!

Dürfen die Unterzeichneten darauf hinweisen, dass mit den Ende 1969 erschienenen Forschungen zur Innsbrucker Universitätsgeschichte, im Auftrag des Akademischen Senates hgg. vom Universitätsarchiv, Schriftleitung Franz Huter, Bd. VI: „Die geschichtlichen Fächer an der philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck 1850–1945“ von Gerhard Oberkofler, ein wenig erfreulicher Auftakt zur 300-Jahrfeier unserer Alma Mater erfolgt ist. Der Ton und der ganze Geist, in dem dieses Buch geschrieben wurde, die Unrichtigkeiten und vielfach einseitigen Urteile über hochverdiente und berühmte Forscher wie Pastor u. a., die, besonders auch in der Zeit nach 1938, politisch gefärbten Urteile lassen die Frage berechtigt erscheinen, wie es zur Betrauung eines jungen Mannes mit einer schwierigen und sehr viel Takt erfordernden Aufgabe – wurde doch auch die unmittelbare Gegenwart und noch aktive Kollegen einbezogen – kommen konnte.

Dem Vernehmen nach ist die vom Senat eingesetzte Kommission, bestehend aus Vertretern der vier Fakultäten (Univ. Prof. Maaß, Grass, Sauser, gest. 1968, und Huter) nie zusammengetreten. Warum wurden nicht ordnungsgemäß, so wie bei der Publikation über die medizinische Fakultät, die einzelnen, doch am besten unterrichteten Lehrkanzelinhaber der geschichtlichen Fächer selbst für deren historische Darstellung herangezogen?

Statt dessen hat H. Oberkofler es – im selben Haus! – nie der Mühe wert gefunden, in Kontakt mit den einzelnen Ordinarien, die über das ganze Vorhaben von keiner Seite unterrichtet wurden, zu treten; er hat dies geradezu ängstlich vermieden, aber dafür sehr wohl laut Anmerkungen mit verschiedenen, auch auswärtigen und der Universität fernstehenden Personen Verbindung aufgenommen, auf die wohl auch eine Reihe von qualitativen Fehlurteilen, die hier im einzelnen anzuführen nicht der Ort ist, zurückgehen. Wir fragen noch einmal, wer hatte das Recht, die einzelnen Lehrkanzelinhaber vollständig auszuschalten und derart zu brüskieren?

Wenn schon immer von objektiver Quellenbenutzung und Quellenverwertung die Rede ist, hätte zur Ergänzung der Darstellung die Heranziehung der noch lebenden Zeugen einer leidvollen Vergangenheit und ihrer Erfahrungen und aussagen unbedingt gehört! Wenn schon die unguten Geister einer überwundenen Diktatur wiederum beschworen werden, sollte nicht alles Licht auf den Vertretern dieses Systems und aller Schatten auf der Gegenseite der Unterdrückten, ihrer Existenz aus politischen, rassischen und weltanschaulichen Gründen Beraubten und Entlassenen liegen.

Dass dieses Buch heute, nach 25 Jahren, im neutralen, demokratischen Österreich in dieser Form geschrieben werden konnte, zeugt von einer durchaus unbewältigten Vergangenheit und von einer Methode der historischen Forschung, die im Gegensatz zu der von Herrn Oberkofler scharf kritisierten, möglichst alle Quellen heranziehenden des großen Pastors sich als keineswegs objektiv erweist.

Da es unmöglich ist, zu dieser Darstellung einer offiziellen Universitätspublikation einfach zu schweigen und damit zuzustimmen, wenden wir uns an Eure Magnifizenz mit diesem Protest und dem Ersuchen, geeignete Massnahmen zu ergreifen, um die Angelegenheit zu bereinigen. Wir denken an eine Auslieferung des Buches erst nach einer Berichtigung und Ergänzung durch die zuständigen Ordinarien. […]

1970 05 19 Nikolaus Grass an Heribert Raab: […] Dies gibt mir Veranlassung, auf die Parallelpublikation von Assistent Dr. Oberkofler hinzuweisen. Darin wird der berühmte Papsthistoriker Ludwig v. Pastor nach Kräften herabgesetzt als pädagogischer Versager. Auch andere betont katholische Gelehrte, vor allem Josef Hirn werden bewusst herabgesetzt, während große Nazis wie der Oberschwätzer Helbok „in den Himmel“ hinaufgelobt werden.

Oberkoflers Buch ist in total neonazistischer Tendenz verfaßt. Ich halte es geradezu für eine Ehrenpflicht Ihrer angesehenen Zeitschrift insbes. gegen die willkürlichen Angriffe auf Pastor einzuschreiten und den noch grünen Autor in die Schranken zu weisen. Qui tacet, consentire videtur! Falls Sie mir ev. den Rezensenten benennen, schicke ich die Fehlerverzeichnisse, die ich als Kenner der österr. Hochschulgeschichte bereits zusammengestellt habe. Ev. kann ich diese auch der Redaktion schicken, damit diese diese „Giftblütenlese“ an einen möglichst scharfen Recensenten weiterleitet. […]

Auf alle Fälle, bitte sorgen Sie für eine gestrenge Recension des geradezu skandalösen Buches von Dr. Oberkofler. Mein Freund, der Innsbrucker Kunsthistoriker Prof. Otto Ritter von Lutterotti hat bereits eine Protestnote an unseren Rektor, den Theologen Coreth S. J. gerichtet, die mehrere Professoren der Geschichte, auch „Liberale“ wie K. Pivec und Hampl unterfertigt haben. Sollten Sie auf Anforderung kein Rez. Expl. erhalten, dann wenden Sie sich an mich, dann bekommen Sie ein solches.

1970 06 05 Wilhelm Baum an Gerhard Oberkofler: […] Nach umfangreichen Quellenstudien bin ich nun auf der ganzen Linie zum Generalangriff gegen Ihr Elaborat angetreten. Auch habe ich Herrn Prof. Max Braubach, unseren ehem. Vorsitzenden im „Hist. Verein für den Niederrhein“ reichlichst mit Material aus dem Vatikan beliefert. Auch habe ich Herrn Prof. Walter Ullmann von Cambridge für eine vernichtende Rezension gewinnen können und mit Material aus dem Vatikan beliefert. Ich würde Ihnen sehr empfehlen, ab sofort jeder Nummer (!!!) sämtlicher österreichischer historischer Zeitschriften zu lesen, denn nun geht es auf der ganzen Linie mit dem totalen Angriff los. Sie werden wissenschaftlich zerfetzt und zur Strecke gebracht und brauchen sich keinerlei Hoffnungen mehr auf eine Habilitation zu machen. Jetzt nützt Ihnen auch eine Protektion von Prof. Huter absolut nichts mehr. Wie Prof. Maaß mir gestern mitteilte, hat er sich ja jetzt ohnehin schon von Ihnen offen distanziert.

Auf der Asche Ihrer wissenschaftlichen Zukunft wird die Flamme Ludwig von Pastors weiterleuchten. Das Ansehen einer international berühmten Forscherpersönlichkeit kann auch von einer wissenschaftlichen Eintagsfliege nicht dezimiert werden.

Durch Vermittlung von Baron Pastor werde ich in Kürze eine Privataudienz beim Papst erhalten. Ich werde ihm versprechen, alles in meinen Kräften stehende zu tun, um den Neonazismus auszurotten und ihm eine Denkschrift überreichen, in der ich die Notwendigkeit einer allgemeinen Öffnung des Geheimarchivs von 1878–1945 begründe, auf daß ich auch das dortige Material für meine Pastor–Biographie heranziehen kann.

Auf jeden Fall kann ich Ihnen versichern, daß ich nun in der einschlägigen Fachliteratur zum totalen Angriff auf der ganzen Linie übergehe und Ihre wissenschaftliche Unzulänglichkeit beweisen wird. Dagegen kann Ihnen niemand helfen. Ich erachte es als meine Pflicht, der historischen Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen, die Sie ja in einer so unerhörten Weise verfälscht haben. […]

1970 06 07 Nikolaus Grass an Karl Wolfsgruber: […] Sie erhielten kürzlich von Wilh. Baum einen Artikel über das Machwerk von Dr. Gerh. Oberkofler, Die histor. Lehrkanzeln in Innsbruck. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie Baums Aufsatz bald bringen könnten. Es ist ein Skandal, daß Oberkoflers Buch gerade zum Universitätsjubiläum erschienen ist.

Professor v. Lutterotti hat an den Rektor, Prof. P. Coreth eine scharfe Protestnote gerichtet gegen Oberkoflers Buch, das voll von schiefen Urteilen ist. Diese Protestnote unterschrieben die Professoren Thurnher, Pivec, Hampl und Joh. Rainer (Nachfolger Huters). Aus der Tatsache, daß der liberale Protestant Prof. Hampl (Alte Geschichte) mitunterzeichnete, ersehen Sie wie sehr man sich an der Innsbrucker Universität über Oberkoflers Machination ärgert und diese mißbilligt!! […] 

10 06 1970 Nikolaus Grass an Heinrich von Fichtenau: […] Es hat mir leid getan, dass wir uns anlässlich Ihres kurzen Innsbrucker Aufenthaltes nicht länger gesehen haben. Daher konnten wir auch die Frage einer Rezension des Buches von Oberkofler über die Geschichte der Innsbrucker Geschichtslehrkanzeln 1850–1945 nicht erörtern.

Ich glaube nun doch, dass die angesehenste österr. Historische Zeitschrift, Ihre „Mitteilungen“, nun doch gegenüber dieser sehr umstrittenen Neuerscheinung sich nicht verschließen sollten. Denn „qui tacet, consentire videtur“.

Ich verstehe Ihre Ansicht, dass Wiener Historiker nicht so gut die Einzelheiten in der Geschichte dieser Lehrkanzeln überblicken wie ein an der Innsbrucker Universität herangebildeter und schon lange hier tätiger Historiker. Infolgedessen glaube ich doch, dass ich, falls schon niemand anderer Lust hat, kurz auf Oberkoflers Buch in Ihren Mitteilungen zurückkommen soll, sofern Sie dies für wünschenswert halten und gestatten. Bejahendenfalls bitte ich, mich durch ein Kärtchen verständigen zu lassen. Ich besitze bereits das Buch von Oberkofler, benötige daher kein Rezensionsexemplar. Es sind mir aus den Erzählungen meiner Lehrer Wopfner, Stolz und Dengel Dinge noch in bester Erinnerung, die doch nicht ganz der Vergessenheit anheimfallen sollten und die zudem manches schiefe Urteil bei Oberkofler etwas berichtigen könnten. Ich würde schon aus sich empfehlender Rücksicht jedes scharfe Urteil vermeiden, dafür einiges bisher noch ganz unverwertetes Briefmaterial aus der Pastor-Korrespondenz verwenden, über die ein Schüler von mir derzeit in Rom arbeitet. […]

1970 06 10 Nikolaus Grass an Johann Rainer: […] Ich bin sehr froh und dankbar, wenn sie auch Ihrerseits, so besonders durch Beratung von Herrn Baum, beitragen, dass die ganz unsachliche Darstellung Oberkoflers durch eine auf reichem neuem Quellenmaterial aufgebaute Pastor-Biographie berichtigt wird. […] 

1970 06 10 Wilhelm Baum an Nikolaus Grass: […] Wenn es Ihren Interessen nicht zuwiderläuft, erlaube ich mir, Ihnen folgenden Vorschlag zu machen: Wenn Sie eine Rezension über Oberkofler in den MIÖG schreiben, könnten Sie ja alles, was Ludwig von Pastor betrifft, auslassen und Prof. Fichtenau bitten, da dieses Kapitel völlig auf Verfälschungen aufgebaut ist, im gleichen Heft, in dem Ihre Rezension kommt, eine Gegendarstellung gegen „Oberkoflers Pastor“ von mir zu bringen, auf die Sie dann in einer Fußnote verweisen könnten. Heute habe ich wieder massenhaft Material entdeckt, das Oberkofler widerlegt. So z. B. Pastors „Abblitzen“ bei Johann Baptist Weiß!! Beide waren bis zum Tode von Weiß bestens befreundet und führten einen sehr umfangreichen Briefwechsel. Pastor stand bei Weiß in höchstem Ansehen und wurde von ihm immer wieder protektioniert. So war Weiß z. B. mit Erzherzog Karl Ludwig befreundet, mit dem Weiß 1880 nach Sizilien reiste. Weiß brachte Pastor dann in Verbindung mit Erzherzog Franz Ferdinand und über Weiß liefen alle Beziehungen Pastors zum Haus Habsburg. […]

1970 06 14 Franz Huter an Heinrich von Fichtenau: […] Oberkofler steht dem Parteigetriebe vollkommen fern, er gehört m. W. keiner Korporation oder Vereinigung an. Aber er ist einigermaßen allergisch gegenüber Protektion und Sonderregelungen und stellt sich auf die Seite desjenigen, von dem er glaubt, dass ihm Unrecht widerfahren sei. Als Vertreter der heutigen Jugend anerkennt er keine Gloriolen und meint die Fakten, die er aus den Akten erhebt, ohne Rücksichtnahme verwerten zu können.

Er war sicher um Objektivität bemüht. Das schließt aber natürlich nicht aus, dass er da und dort über das Ziel hinausgeschossen oder daneben gegriffen hat.

Angefeindet wird er vor allem wegen der Beurteilung Josef Hirns und Pastors. Ein Geschichtsstudierender namens Wilhelm Baum, Mitglied der CV-Verbindung Austria, hat in den „Tiroler Nachrichten“ auf Grund eines Oberkofler unbekannt gebliebenen Aufsatzes von Großmann (Kabinettsrat bei Miklas) über die Habilitation Hirn, der in den Austrierblättern 1934 erschienen war, Oberkofler angegriffen. Derselbe Baum hat von Pastors noch lebendem, gleichnamigen Sohn (85 Jahre) den Auftrag zu Nachforschungen im Pastor-Nachlass zu Rom erhalten. Es ist das wohl der Schüler, von dem Grass spricht. Die Pastorkorrespondenz war Oberkofler natürlich nicht zugänglich, er hat sich auf die Literatur und auf die Innsbrucker und Wiener Akten gestützt. Aber was immer die Pastorkorrespondenz enthalten mag – sie wir die Ernennung Pastors ohne bezüglichen Vorschlag der Fakultät vielleicht in anderem Lichte zeigen, beseitigen können wird sie sie nicht.

Damit kommen wir zum Antrag Grass, das Buch zu rezensieren. Ich bin selbstverständlich nicht dagegen, dass das Buch bzw. manches scharfe Urteil berichtigt wird. Nur habe ich begründeten Anlass zur Meinung, dass dieser Rezensent in der Sache Partei ist. Außerdem besorge ich, dass die mündliche Überlieferung, die er verwerten will, gewisse Gefahren mit sich bringt; wir wissen ja, wie objektiv „Erzählungen“ oft sein können. Wie es mit dem „kurz auf Oberkoflers Buch zurückkommen“ bestellt sein wird, kann man sich unter diesen Umständen ausmalen.

Vielleicht wäre es daher doch besser, einen Wiener Historiker (etwa Wandruszka) um die Rezension zu bitten, damit diese aus den persönlichen Zusammenhängen heraus bleibt.

Schließlich bedanke ich mich sehr dafür, dass Sie mich konsultieren. […]

1970 06 18 Wilhelm Baum an Nikolaus Grass: […] Nun noch eine wichtige Bemerkung zu Ihnen: Seien Sie bitte bei neuen Oberkofler – Unternehmungen in einem Punkte vorsichtig: Ich habe eine ganze Menge Material gefunden, dass Pastor persönlich und charakterlich, ja, vielleicht auch wissenschaftlich, aber besonders wissenschaftlich schwer belastet. Oberkofler – Rezensionen und dergl. dürfen nur auf die Sache beschränkt werden. Schreiben Sie aber bitte nichts über Pastors Charakter etc., was Sie nicht hundertprozentig wissen. Sicherlich kennt das Material hier keiner, aber es könnte ja einmal jemand sich das Material anschauen. Es ist mir daher ein wichtiges Anliegen, Sie zu warnen, damit Sie sich nicht „in die Nesseln setzen“. Mehr darüber im Juli mündlich, doch nur ein Beispiel: Pastor intrigierte gleichzeitig an den Universitäten Wien, Graz, Breslau, Straßburg, Bonn, Tübingen, Marburg, Gießen, Prag und Heidelberg, um dort eine Lehrkanzel zu bekommen. Von Innsbruck wollte er jedenfalls bis 1901 weg. […]

1970 06 22 Nikolaus Grass an die Redaktion der Zeitschrift „Erasmus“: […] Da ich gerade mir Ihnen in Korrespondenz bin, erlaube ich mir mitzuteilen, daß es nach meiner Ansicht sehr erwünscht wäre, daß das kürzlich erschienene Buch von Dr. Gerh. Oberkofler […] in Ihrer hochangesehenen Zeitschrift rezensiert würde. Es wird darin sowohl die berühmte, einst zahlreiche Lehrkanzeln auch in der Bundesrepublik beherrschende Schule des Westfalen Julius v. Ficker wie auch jene des berühmten Papsthistorikers Ludw. v. Pastor behandelt. Doch wurden die Werturteile mehrfach falsch gesetzt, was bereits zu einem Protest mehrerer Innsbrucker Universitätsprofessoren an das Rektorat unserer Universität geführt hat. Ich bin an diesem Protest vollkommen unbeteiligt, habe jedoch in Innsbruck 1931 mein Geschichtsstudium begonnen, war viele Jahre Institutsbibliothekar am Historischen Institut und habe mich 1946 für Geschichte, 1948 für Rechtsgeschichte habilitiert und bin daher mit der Lehrkanzeltradition sowohl der Geschichte wie der Rechtsgeschichte sehr vertraut. Wenn Sie eine Rezension dieses Buches noch nicht vergeben haben sollte, wäre ich gern bereit, eine kurze Anzeige, sicherlich im irenischen Geist jenes Gelehrten, dessen Namen Ihre Zeitschrift trägt, zu verfassen. […]

23 06 1970 Wilhelm Baum an Nikolaus Grass: […] Leider finden sich für Pastor auch immer mehr negative Sachen. So z. B. bot der UM Pastor am 24. 3. 1899 in einem streng geheimen Schreiben an, wenn er endlich aufhöre, von Ibk fortzuwollen – und damit die Ibker Univ. zu blamieren -, werde ihm das röm. Institut zugesichert, wenn Sickel sterbe oder zurücktrete. Das werde auch dann der Fall sein, wenn die Regierung durch eine andere abgelöst werde. Schließlich fanden wir auch, dass ein gewisser Dr. Lauchert für Pastor „Janssen VII“, die „Beschreibung“ der Reichsstadt Aachen“ und die „Reisebeschreibung“ verfasste und ihm dafür das Manuskript druckreif übersandte.

Gegen Oberkofler ist also in einer Rezension unbedingt der Hauptakzent darauf zu legen, dass Oberkofler die Sachen falsch darstellte, auf keinen Fall aber, dass Oberkofler zu wenig über Pastor brachte. […] PS: Was halten Sie von den Wahlen? (Habe natürlich von Rom aus per Wahlbrief der CDU meine Stimme gegeben). Was mich am meisten freut, ist, dass die rote FDP (in Dtld links von den Sozis) in Nieder-Sachsen und an der Saar aus dem Landtag geflogen ist. Bei uns konnten sie sich nur dadurch halten, dass einige tausend Sozis FDP wählten. Daß die CDU in NRW wieder die stärkste Partei ist, ist ein ungeheurer Erfolg! […]

1970 06 24 Nikolaus Grass an Gottfried Mraz SJ: […] Es ist daher ganz unverständlich, dass Prof. Huter, der Schüler und Lehrkanzelnachfolger Wopfners noch im neuesten Band der von Wopfner begründeten Zeitschrift „Tiroler Heimat“ noch einmal einen Aufsatz Oberkoflers über Pastor hineinnimmt. Es kann da wirklich nur die Aversion eines alten Nazis gegen einen betont kath. Geschichtsforscher mit im Spiele sein. Das zeigt sich am besten bei der Behandlung von Jos. Hirn, dessen Werke über das Jahr 1809 wie über Ferdinand II. und Maximilian den Deutschmeister geradezu zum eisernen Bestand der Tirolischen Geschichtsliteratur zählen. Den Aufsatz über Hirns Habilitierung, den Oberlandesgerichtsrat Dr. Alois Grossmann, unter seinem Kneipnamen Dr. Alerich seiner Zeit in den Austrier Blättern veröffentlichte, hatte Oberkofler völlig übersehen. Anscheinend aber auch das Gutachten des Wiener Historikers Zeißberg, das sicherlich im Verwaltungsarchiv in Wien I, Wallnerstr. sich finden müsste.

Zu Ihrer privaten Orientierung darf ich Ihnen vertraulich mittteilen, dass die Innsbrucker Professoren Lutterotti, Hampl, Pivec, Zingerle, Thurnher und Rainer eine Protestnote über Oberkoflers Buch an den Rektor gerichtet haben, die voraussichtlich zu einer Erörterung im Senate führen wird. Es ist so nur gut, wenn Sie ohne viel Rücksichtnahmen unverblümt Ihr Urteil über die grenzenlosen Einseitigkeiten dieses Buches äußern. Dr. Oberkofler ist ein kleiner Mann und wird noch manches hiefür aufs Dach bekommen und Prof. Huter ist 71 Jahre alt, hier seit Jahren emeritiert und hat nur noch bei der Akademie der Wissenschaften in Wien ein wenig zu melden. Die aktiven Wiener Geschichtsprofessoren können den Huter größtenteils nicht leiden. Es ist also keinerlei Rücksichtnahme notwendig. […]

1970 06 26 Wilhelm Baum an Nikolaus Grass: […] Nazi Huter habe ich eine Karte geschrieben mit den Mitteilungen über Wopfners Habilitation und dem Schluß „Vielleicht findet Herr Oberkofler eine Habilitierung, wenn die NDP an der Macht ist“. […]

1970 08 10 Wilhelm Baum an Leo Santifaller: […] Sie können sich sicher vorstellen, daß ich nach diesen Funden, die Ihnen nur einen kleinen Einblick in die Schweinereien des Barons Ludwig von Pastor geben, alle Lust an einer Weiterarbeit verloren habe. […]

1970 08 18 Nikolaus Grass an Arnulf Benzer: […] Da ich gerade das soeben erschienene Heft der von Dir so ausgezeichnet redigierten Zeitschrift „Montfort“ zu lesen begonnen habe, erlaube ich mir die Anregung zu geben, doch für eine kritische Rezension des vor einigen Monaten im Selbstverlag des Universitätsarchives Innsbruck (Innsbruck, Innrain Nr. 52, Neue Universität) erschienenen Buches von Univ.-Ass. Dr. Gerhard Oberkofler, Die geschichtlichen Fächer an der Universität Innsbruck 1848–1945 Sorge zu tragen. Du wärst für die Abfassung einer diesbezüglichen Rezension ganz besonders geeignet, da Du ja selbst in den 30er Jahren hier in Innsbruck Geschichte studiert hast. Oberkoflers Buch ist deshalb so ärgerlich, da darin der berühmte Papsthistoriker Ludwig v. Pastor als pädagogischer Versager hingestellt wird. Nachdem der Neonazist Oberkofler außerstande ist, diesen berühmten Papsthistoriker wissenschaftlich zu „vernichten“, will er ihn wenigstens pädagogisch abstechen. Dabei rühmt sich unser gemeinsamer Lehrer Hermann Wopfner in seiner Selbstbiographie, erschienen in den Schlern – Schriften, 68. Bd., 1950, S. 157–201, daß er ein Schüler von Ludwig Pastor sei und dass ihn dieser große Papsthistoriker sogar in seine Methode der Forschung eingeführt habe. Wir sind also daher alle auch Enkelschüler von Ludwig Pastor.

Außerdem wird Dein Kartellbruder Univ.-Prof. Dr. Josef Hirn sehr herabgesetzt. Er war eben auch klerikal und das erregt schon von vorneherein die Abneigung des Herrn Oberkofler. Ein Widerspruch gegenüber dieser ganz unwürdigen Herabsetzung von Prof. Hirn wäre von Vorarlberger Seite auch deshalb sehr erwünscht, da Hirn bekanntlich mit seinen großen Werken über Erzherzog Ferdinand und Maximilian den Deutschmeister bekanntlich auch der Geschichtsschreiber der österreichischen Vorlande und damit auch Vorarlbergs in der Frühen Neuzeit war. Hirn hat sich im Ruhestand nach Bregenz zurückgezogen, wo seine Tochter verheiratet war. Er ist auch in Bregenz gestorben.

Solltest Du selbst keine Zeit oder Lust haben, diese Rezension zu verfassen, so könnte ich Dir hierfür einen sehr tüchtigen Dissertanten in Geschichte, cand. phil. Wilh. Baum (Austria, Innsbruck) empfehlen. […] Zu Deiner Orientierung darf ich Dir mitteilen, daß die Professoren Hampl, Lutterotti, Zingerle (Musikwissenschaft), Pivec (mittelalterliche Geschichte), Leisching (Kirchenrecht) und Carlen (Wirtschaftsgeschichte) eine Protestnote gegen das Buch von Oberkofler an den Rektor gerichtet haben. Es wäre also nur sehr gut, wenn man auch von vorarlbergischer Seite Herrn Oberkofler in die Schranken weisen würde. Aus der Tatsache, da dieser den Helbok glorifiziert, kannst Du schon ermessen, welcher Richtung Oberkofler ist. […]

1970 08 21 Arnulf Benzer an Nikolaus Grass: […] Es waren seinerzeit von Innsbruck aus Bestrebungen im Gange, Gerhard Oberkofler an das Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz zu bringen. Glücklicherweise haben wir diese Bestrebungen „abgebogen“. Oberkofler dürfte völlig unter dem Einfluß seines derzeitigen Chefs stehen. Selbstverständlich bin ich gerne bereit, eine Besprechung des Buches von Oberkofler durch Wilhelm Baum zubringen. […]

1970 09 07 Wilhelm Baum an Franz Huter: […] Ganz im Vertrauen – ich bitte Sie hier wirklich um äußerste Diskretion – sehe ich mich aus moralischen Gründen nicht mehr in der Lage, den Papsthistoriker Ludwig von Pastor fernerhin zu verteidigen – auch wenn ich den Ton und die Diktion von Herrn Oberkofler ablehne – und werde darüber auch nichts Größeres schreiben. Ihre Diskretion darüber betrachte ich als ein „gentleman agreement“. Ich möchte wieder konstruktiv an den Lücken der Geschichtsschreibung weiterarbeiten, d. h. da, wo ich aufgehört habe, als mir das Buch Herrn Oberkoflers in die Finger kam […]


[1] Gerhard Oberkofler: Franz Huter. Soldat und Historiker Tirols. StudienVerlag Innsbruck 1999; derselbe: Nikolaus Grass. Einige wissenschaftshistorische Miniaturen aus Briefen und seine Korrespondenz mit dem Prager Juden Guido Kisch. StudienVerlag Innsbruck 2009. 

[2] MIÖG 121 (2013), 1–266, hier S. 

[3] Berühmter Geschichtsschreiber der Päpste – L’Osservatore Romano

[4] Tagungsband (w.o.), S. 125–142.

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Schlagworte: GeschichteHistorikerInnsbruckOberkoflerTirolUniversität

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