Die roten Zahlen der Vorarlberger Krankenhäuser sind das Ergebnis einer Gesundheitspolitik, die sich immer stärker an betriebswirtschaftlichen Kennzahlen statt an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientiert. Während die Landeskrankenhäuser und das Stadtspital Dornbirn vergangenes Jahr bereits ein Minus von 307 Millionen Euro verzeichneten und für 2026 sogar 327 Millionen Euro prognostiziert werden, reagiert die Politik mit Einsparungen, Schließungen und Umstrukturierungen. Für Patientinnen und Patienten sowie für das Gesundheitspersonal bedeutet das vor allem mehr Belastung, längere Wege und weniger Versorgungssicherheit.
Schließungen und Verlagerungen als Dauerzustand
Die geplante Verlagerung der Geburtshilfe, Gynäkologie und Kinderheilkunde von Dornbirn nach Bregenz ist nur ein Beispiel für diese Entwicklung. Gleichzeitig sollen andere Abteilungen verschoben und Standorte konzentriert werden. Die Krankenhausbetriebsgesellschaft spricht von 40 Einzelprojekten, mit denen die Spitalslandschaft fit für die Zukunft gemacht werden solle. Tatsächlich handelt es sich um einen fortgesetzten Abbau öffentlicher Gesundheitsversorgung, aus wirtschaftlichen Gründen.
Bereits in der Vergangenheit wurden zahlreiche Einrichtungen geschlossen, wie das Unfallkrankenhaus Böckle in Bregenz, Mehrerau, Gaisbühel, Viktorsberg oder zuletzt die medizinische Nachsorgestation „Maria Rast“. Seit Jahresbeginn ist außerdem die Geburtenstation in Bludenz Geschichte. Nun folgen weitere Einschnitte, ab Juni fahren keine diplomierten Pflegekräfte mehr auf den Notarzteinsatzfahrzeugen mit, ab Juli schließen die Ambulanzen des Landeskrankenhauses Hohenems nachts ihre Türen. Selbst beim Krankenhausessen wird gespart, das zeigt wozu der Kapitalismus führt, Profite vor der Gesundheit.
Personalmangel ist politisch gemacht
Die Argumentation der Verantwortlichen ist dabei immer dieselbe: Personalmangel, demographischer Wandel und steigende Kosten würden diese Maßnahmen notwendig machen. Doch gerade diese Probleme sind Ergebnis einer jahrzehntelangen Politik der Ökonomisierung. Pflegekräfte arbeiten seit Jahren unter enormem Druck, viele verlassen den Beruf wegen Überlastung und schlechter Bezahlung. Gleichzeitig werden Gesundheitsausgaben gedeckelt, Stationen geschlossen und Personalstände möglichst knapp kalkuliert.
Besonders deutlich zeigt sich die Widersprüchlichkeit des Systems beim Thema Medikamente. Einerseits verweisen die Krankenhausmanager auf medizinische Fortschritte, etwa in der Krebsbehandlung. Andererseits dienen die steigenden Kosten dieser Fortschritte neuerlich als Rechtfertigung für Kürzungen an anderer Stelle. Gesundheit wird damit zur reinen Kostenfrage in einer wirtschaftlichen Rechnung, mit den sozialen Kosten, die die Arbeiterklasse härter trifft, als die die sich privat Leistungen kaufen können.
Gesundheitssystem unter Profitlogik
Jetzt könnte man feststellen, was machen die da im Westen Österreichs, aber, diese Entwicklung steht exemplarisch für das österreichischen Gesundheitssystems insgesamt. Öffentliche Krankenhäuser werden zunehmend wie Unternehmen geführt. Patientinnen und Patienten werden zu Kunden, medizinische Leistungen nach Effizienz und Rentabilität bewertet, wir wissen das Dach brennt im ganzen Bundegebiert. Die Bedürfnisse der Bevölkerung geraten zwangsläufig in Konflikt mit Sparzwängen und Budgetlogik.
Hinzu kommt die fortschreitende Kommerzialisierung des Gesundheitswesens. Während öffentliche Einrichtungen sparen müssen, profitieren Privatkliniken und Wahlärzte weiterhin von einem System, das öffentliche Mittel zunehmend in private Hände umleitet. Wer Geld hat, kann sich raschere Termine und bessere Betreuung leisten, während die Versorgung für die breite Bevölkerung ausgedünnt wird.
Quelle: ORF



















































































