Gloria Steinem ist gestorben. Die Nachrufe feiern eine feministische Ikone. Was sie nicht erzählen, ist, dass diese Ikone jahrelang für die CIA gearbeitet hat.
Gloria Steinem, von bürgerlichen Stimmen als feministische Ikone gefeiert, ist am Mittwoch im Alter von 92 Jahren gestorben. Bekannt geworden ist Steinem vor allem durch ihre verdeckte Reportage über die Arbeitsbedingungen von Playboy-Bunnies sowie die Gründung des Magazins Ms., das als Leitpublikation des liberalen US-Feminismus gilt. Oft verschwiegen wird allerdings die Tatsache, dass sie in den 1950er und 1960er Jahren eng mit dem amerikanischen Geheimdienst CIA zusammengearbeitet hat.
Im Dienst der CIA
Konkret leitete Steinem den Independent Research Service, eine aus Geheimdienstmitteln finanzierte Organisation, deren Ziel es war, die kommunistische Weltjugendbewegung zu unterlaufen. 1959 in Wien und 1962 in Helsinki fanden die Weltfestspiele der Jugend und Studenten statt, ein Großtreffen der kommunistischen und antikolonialen Jugendbewegung mit Zehntausenden Delegierten aus der ganzen Welt. Steinems Organisation schickte amerikanische Delegationen dorthin, die vor Ort mit gezielten Aktionen den westlichen Standpunkt gegen den sozialistischen in Stellung brachten. Das Budget allein für Helsinki bezifferte Steinem selbst auf über 100.000 Dollar. Wie viel davon vom Geheimdienst kam, wollte sie nicht sagen.
Bis 1968/1969 blieb Steinem im Vorstand des Independent Research Service. Davon distanziert hat sie sich auch in späteren Jahren nie. Nach ihrer Erfahrung sei die CIA „völlig anders als ihr Ruf“ gewesen, sagte Steinem: „Sie war liberal, gewaltfrei und ehrenhaft.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Geheimdienstes bezeichnete sie als Verbündete im Kampf gegen den Kommunismus.
Ms. und das alte Netzwerk
Auch wenn man sich die Gründung ihres Magazins Ms. ansieht, findet man schnell zurück zum Independent Research Service. Die erste Ausgabe erschien 1971 als Beilage des New York Magazine, dessen Herausgeber Clay Felker das Projekt mitfinanzierte. Felker war kein Unbekannter. Bei den Weltfestspielen in Wien hatte er als Redakteur einer Publikation des Independent Research Service gearbeitet. Weiteres Startkapital kam von Katharine Graham, Verlegerin der Washington Post und damit eine der mächtigsten Figuren der bürgerlichen amerikanischen Medienlandschaft. Das Leitmedium des liberalen Feminismus wurde also aus genau jenen Kreisen geboren, die gegen Gleichheit stehen.
Aufgedeckt wurden diese Verbindungen nicht etwa von reaktionären Antifeministen, sondern von Feministinnen. Die Redstockings, eine Gruppe aus dem radikalen Flügel der US-Frauenbewegung, präsentierten 1975 eine Dokumentation, die Steinems Leitung des Independent Research Service, die Finanzierung durch den Geheimdienst und ihre langjährige Vorstandsmitgliedschaft belegte. Sie hielten außerdem fest, dass Steinem die Finanzierung erst offengelegt hatte, nachdem das Magazin Ramparts sie 1967 bereits enthüllt hatte, und zeigten die personellen Verbindungen zwischen dem Independent Research Service und der Gründung von Ms. auf.
Immer auf der Seite des Systems
Auch in späteren Jahren stand Steinem konsequent dem kapitalistischen Staatsapparat nahe, was sich vor allem in ihrer langjährigen Unterstützung Hillary Clintons niederschlug. Als sie 2016 im demokratischen Vorwahlkampf für Clinton warb, sagte sie, junge Frauen würden den Sozialdemokraten Bernie Sanders nur unterstützen, weil „dort die Jungs sind“. Als es darauf ankam, stand die Feministin also auf der Seite der Kandidatin der Wall Street und erklärte jene jungen Frauen für unmündig, die ihr nicht zustimmten. Bereits 2013 hatte ihr Barack Obama die Presidential Medal of Freedom verliehen, die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Wer ein System ernsthaft in Frage stellt, wird von diesem nicht geehrt.
Wenig überraschend hatte Steinems Feminismus außerhalb der USA einen stark chauvinistischen Anstrich. In den 2010er-Jahren reiste sie durch Indien, um gegen Prostitution zu mobilisieren. Dies geschah mit Unterstützung einer aus dem Ausland finanzierten NGO und über die Köpfe der organisierten indischen Sexarbeiterinnen hinweg. Teile der indischen Frauenbewegung distanzierten sich von ihr und warfen ihr vor, die Verhältnisse im Land nicht zu kennen. Das Muster ist dasselbe wie bei den Weltfestspielen: Eine Amerikanerin auf der Seite des Kapitals, ausgestattet mit Geld und Prestige, erklärt den Lohnabhängigen, was das Beste für sie ist, ohne ihr objektives Interesse zu Berücksichtigen.
Was von Steinems Feminismus bleibt
In keinerlei Widerspruch zu all ihren Tätigkeiten steht der Feminismus, den Steinem vertreten hat, und für den sie vor allem von bürgerlichen Kräften gefeiert wird. Steinem ging es um die Gleichstellung von Frauen innerhalb des bestehenden kapitalistischen Systems, niemals jedoch um dessen Überwindung. Genau dieses System war es schließlich, das auch ihre frühere Arbeit finanziert hatte. Gleiche Bezahlung, Aufstiegschancen und die Präsenz von Frauen in Vorständen und Parlamenten klingen erst einmal fortschrittlich, lassen die Eigentumsfrage jedoch unangetastet. Für die Arbeiterin, die nach einer langen Schicht die unbezahlte Hausarbeit übernimmt, war in Steinems Feminismus wenig zu holen. Ein Feminismus, der die Klassenfrage ausklammert, ist für den Kapitalismus niemals eine Bedrohung, sondern ein Mittel zum Zweck im Wettbewerb mit dem Sozialismus. Echte Gleichstellung ist nur durch die Überwindung des kapitalistischen Systems möglich.
Quelle: Newsweek/Washington Post/Redstockings/Women: al cultural review/Democracy Now/Huffpost/ Kractivist





















































































