Seit einigen Tagen finden weitreichende studentische Proteste in Tirana statt. Ursache der Demonstrationen waren die gestiegenen Lebenshaltungskosten, die niedrige Bildungsqualität und die hohe Arbeitslosigkeit. Außerdem gibt es Korruptionsvorwürfe gegen die Regierung unter Ministerpräsident Edi Rama, der auch Wahlbetrug vorgeworfen wird.
Studentischer Unmut in der bürgerlichen Presse
Während Studentinnen und Studenten sich mit immer schlechteren Bedingungen konfrontiert sehen, wie hohen Studiengebühren, steigenden Wohn- und Lebenshaltungskosten und den Unmut darüber auf die Straße tragen, findet sich über diese Anliegen nichts in der bürgerlichen Presse. Was sich jedoch findet ist das genüssliche Ausschlachten der angeblichen Gewalttätigkeit und der Eskalation der Gewalt. So titelt Die Zeit „Krawalle in Tirana: Studierende stürmen Regierungsgebäude“ oder die TAZ mit „Studentenproteste in Albanien: Pyrotechnik statt rosa Flamingos“, in dem davon die Rede ist, dass was im Mai als friedlicher Protest gegen ein Luxusresort begann nun Tiranas Innenstadt in Schutt und Asche legt. Auch über das brutale Vorgehen der albanischen Polizei gegen die Proteste findet sich nichts in der bürgerlichen Presse.
Der Beginn der sogenannten „Flamingo-Revolution“
Jared Kuschner und Ivanka Trump kauften die Insel Sazan, um ein Luxusresort-Projekt umzusetzen. Diese vom Ministerpräsident heimlich abgewickelte Transaktion, wurde erst im Mai ruchbar, als auch die ersten Zäune auf der naturbelassenen Insel mit einer einzigartigen Flora und Fauna auftauchten. Rasch fanden sich Menschen, die gegen dieses Projekt und damit gegen den Ausverkauf eines einzigartigen Naturjuwels aussprachen. Proteste begannen und wurden innerhalb kürzester Zeit massiv bekämpft, sowohl von der Polizei als auch von privaten Sicherheitskräften. Die Polizei setzte mit Wasserwerfern, Pfefferspray und Schlagstock von Anfang an auf offene Gewalt gegen die Demonstrierenden ein.
Auch hier wird nicht darüber gesprochen, was durch den Ausverkauf verloren geht, sondern von der angeblichen Gewalt der Protestierenden. Ministerpräsident Edi Rame argumentiert damit, dass der Verkauf legal ist und natürlich mit dem Profit, denn das Land mit dem Verkauf gemacht habe.
Wer mit dem Land gemeint ist, ist vollkommen klar, es sind nicht die arbeitenden Menschen, es sind in- und ausländischen Profiteure dieses Deals. Ein Deal, der die Zerstörung eines natürlichen Ressorts für die Interessen des Kapitals bedeutet. Dagegen gehen die Menschen seit Mai mit dem Flamingo als Symbol auf die Straße.
Zusammenschluss mit der Studentenbewegung
Seit Oktober kommen zu den Protesten gegen einen Ausverkauf der Naturjuwelen des Landes, denn es soll bei weitem nicht bei dieser Insel bleiben, der Kampf der Studentinnen und Studenten für bessere Lebensbedingungen. Das Leben wird immer teurer, Wohnraum kaum mehr leistbar und die Bedingungen, unter denen studiert wird, immer schlechter. Dazu kommt die Angst, nach dem Studium keinen Arbeitsplatz zu finden. Die jungen Menschen gehen aus berechtigter Sorge um die Zukunft auf die Straße.
Mitte Oktober stellten sich auch die Universitätsmitarbeiterinnen und ‑mitarbeiter an die Seite der Proteste. Die Gewerkschaft der Universitätsangestellten Albaniens (SPUSH) solidarisierte sich mit den Protesten und kündigte eine Solidaritätsdemonstration mit den Studierenden an. Die Gewerkschaft organisierte eine Kundgebung unter dem Motto „Stoppt die Gewalt gegen die Studenten“ und marschierte ausgehend vom Platz vor der Polytechnischen Universität in Tirana gegen die Diffamierung der Proteste durch bürgerliche Medien und Regierung und brutale Repression.
Die wachsenden Studierendenmobilisierungen fallen in eine Zeit der anhaltenden Proteste in ganz Europa. In Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, Belgien, Deutschland und Österreich gehen Studierende, Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonal und arbeitende Meschen auf die Straße gegen die imperialistischen Kriegspläne und die Angriffe auf ihre sozialen und politischen Rechte.
Für den Internationalismus
Während sich bürgerliche Medien gegenseitig darin übertrumpfen, die Gewalt der Aufständischen in den schillerndsten Farben zu malen und damit die braven Bürgerinnen und Bürger gegen diese in Stellung zu bringen, ist es mehr als notwendig, die eigentliche Botschaft zu verbreiten und die Legitimität der Proteste zu unterstreichen.
Während zerschlagene Fensterscheiben und kaputte Autos Entsetzen auslösen, lässt es scheinbar kalt, wenn die Zukunft der jungen Menschen durch ein marodes Schulsystem, kaum leistbares Leben zerstört wird. Desto wichtiger ist es, diese Kraft des Protestes, der in vielen Ländern ungefähr zur gleichen Zeit aufflammt zu nutzen. Arbeiterinnen und Arbeiter aller Länder vereinigt Euch wird zu einer Parole, die Umsetzung findet.
Quelle: Idcommunism.com/FAZ/TAZ/902.gr



















































































