Hiesige Justizanstalten stehen unter massivem Druck. Überfüllte Haftanstalten, fehlendes Personal und steigende Anforderungen bringen das System an seine Grenzen. Gewerkschaften und Experten warnen vor einem Kollaps des Strafvollzugs und fordern rasche Reformen.
Wien. Die prekäre Situation der Gefängnisse spitzt sich weiter zu. Aktuell verbüßen 10.096 Menschen eine Haftstrafe, obwohl landesweit nur 8.442 Haftplätze zur Verfügung stehen. Besonders deutlich zeigt sich die Überbelegung in der Justizanstalt Salzburg in Puch-Urstein, wo 254 Insassen auf eine Kapazität von 227 Haftplätzen treffen.
Überfüllte Anstalten und fehlende Mitarbeiter
Neben der hohen Belegung belastet vor allem der Personalmangel den Strafvollzug. Nach Angaben der Justizwachegewerkschaft sind zahlreiche Stellen unbesetzt. Besonders in Salzburg sei das Verhältnis zwischen Personalstand und Insassenzahl seit Jahren problematisch. Um den gesetzlich vorgeschriebenen Betrieb aufrechtzuerhalten, müssten viele Bedienstete regelmäßig Überstunden leisten.
Die Belastung der Beschäftigten nimmt dadurch kontinuierlich zu. Laut Gewerkschaftsvertreterinnen und ‑vertretern gehören lange Dienstserien und der Verzicht auf freie Tage mittlerweile vielerorts zum Alltag:
„Dass man Überstunden macht, kommt vor – etwa wenn mehrere Kolleginnen oder Kollegen krankheitsbedingt ausfallen und man einspringen muss. Mittlerweile ist das jedoch zur Tagesordnung geworden. Es gibt praktisch keinen freien Tag mehr. Wir stehen teilweise drei Wochen am Stück täglich im Dienst. Irgendwann stößt man an seine Grenzen,“ so die seit 26 Jahren im Strafvollzug tätige Vorsitzende der Justizgewerkschaft Niederösterreich, Claudia Gradinger. Gleichzeitig steigt auch die Verantwortung, da Justizwachebeamte täglich mit teils besonders herausfordernden Insassen arbeiten.
Sicherheitsvorfälle rücken Probleme ins Rampenlicht
Mehrere Vorfälle der vergangenen Monate haben die Aufmerksamkeit erneut auf die Lage in den Justizanstalten gelenkt. Nach einem Gefangenentransport in Hirtenberg starb ein psychisch kranker Häftling. In der Justizanstalt Stein nahm sich ein weiterer Insasse das Leben. Zudem soll ein 24-jähriger Häftling in Salzburg einem Beamten gedroht und anschließend in seiner Zelle Feuer gelegt haben.
Für Vertreter der Justizwache sind solche Ereignisse Ausdruck eines Systems, das seit Jahren unter Druck steht. Die Gewerkschaft spricht von einem strukturellen Problem und kritisiert, dass Forderungen nach mehr Personal oder einer Reduzierung der Insassenzahlen politisch bislang kaum umgesetzt worden seien.
Als Ursachen für die steigenden Haftzahlen nennen Expertinnen und Experten mehrere Faktoren. Neben einer wachsenden Bevölkerung und einer höheren polizeilichen Aufklärungsrate verweisen sie auf neue Straftatbestände, die zu mehr Verurteilungen führen können. Zudem habe das Sicherheitsdenken in der Gesellschaft zugenommen. Dies zeige sich unter anderem bei Jugendlichen, die heute deutlich häufiger in Untersuchungshaft sitzen als noch vor einigen Jahren.
Experten fordern neue Wege im Strafvollzug
Angesichts der angespannten Lage plädieren Fachleute für grundlegende Verbesserungen. Die von der Volksanwaltschaft eingesetzte Bundeskommission für den Straf- und Maßnahmenvollzug empfahl bereits im Herbst 2025 mehrere Maßnahmen. Kurzfristig könnte eine Amnestie für Personen mit nur noch kurzer Resthaftzeit zur Entlastung beitragen.
Langfristig sehen Expertinnen und Experten jedoch einen umfassenderen Reformbedarf. Neben einer stärkeren Personalrekrutierung werden alternative Formen des Strafvollzugs diskutiert. Dazu zählen sogenannte „Smart Prisons“, die den Zugang zu digitalen Angeboten fördern und die Resozialisierung unterstützen sollen. Im Jugendstrafvollzug werden zudem kleinere, betreuungsintensive Einrichtungen nach dem Vorbild von Wohngemeinschaften als mögliche Alternative genannt.
Damit bleibt die Lage in vielen österreichischen Gefängnissen weiterhin angespannt. Gewerkschaften, Anstaltsleitungen und Experten sind sich einig, dass ohne zusätzliche Maßnahmen die Herausforderungen für den Strafvollzug weiter wachsen werden. Gleichzeitig handelt es sich dabei jedoch seit langem um ein Thema, das der Politik nicht wichtig ist, da daraus kein direkter Profit generiert wird. Und sehr schnell gerät in Vergessenheit, dass es sich bei Häftlingen um Menschen handelt, die trotz ihrer großen oder geringen Verbrechen doch ein Recht auf menschenwürdige Zustände haben.
Quelle: ORF



















































































