Junge Menschen verbringen ihre Freizeit öfter zu Hause, argumentiert wird dies mit Bequemlichkeit, doch dass das Geld immer knapper wird und Freizeitaktivitäten auswärts immer teurer, will nicht benannt werden. Gerade die Wohnkosten setzten jungen Menschen besonders zu. Und wenn nun die Freizeit oft mit teurem Konsum verbunden ist, dann kann ein süßes ‚Spaßgetränk‘ ein wenig Trost spenden, denn mehr ist manchmal nicht drinnen.
Wien. Eine neue Studie des Marktforschungsinstituts Marketagent im Auftrag von Oeticket kam zu dem Ergebnis, dass junge Menschen im Alter von 14–45 Jahren nicht mehr so häufig das Haus verlassen, wie noch die Generationen vor ihnen. 45 Prozent der in Städten wohnenden jungen Leute gab an, sie wären zu bequem zum Ausgehen geworden, am Land lebende sind es 30 Prozent. Dass der führende Anbieter für Konzert‑, Veranstaltungs- oder Eventtickets ‚oeticket‘ von Bequemlichkeit ausgeht ist dabei nicht verwunderlich. Bequemlichkeit verdeckt die Ursachen, warum junge Menschen oftmals weniger Aktivitäten auswärts unternehmen und individualisieren ihre Probleme unter dem Deckmantel des Komforts oder auch der Faulheit.
Viele der jungen Menschen geben an, sie würden gerne etwas unternehmen, jedoch bräuchten sie oftmals einen kleinen Anstoß, um dann auch wirklich das Haus zu verlassen, gleichzeitig wären sie wählerischer geworden, was nun unternommen werden sollte. Fast die Hälfte von ihnen gibt jedoch an, am liebsten ihre Freunde oder die Familie zuhause zu treffen. Dies ergibt vor dem Hintergrund Sinn, dass mehr als die Hälfte der jungen Menschen angab, ein Abend auswärts wäre mittlerweile zu teuer für sie. Gerade jüngere Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte haben oft weniger Einkommen, somit trifft sie die Teuerung der letzten Jahre verstärkt; gleichzeitig gibt es nur noch wenige Orte ohne Konsumpflicht, wodurch die eigenen vier Wände der einzige Ort bleiben, an welchem nicht Unsummen ausgegeben werden müssen, um einen netten Abend in Gesellschaft zu verbringen. Auch der jüngste Bericht des Bundeskanzleramts zeigt, dass junge Menschen bis zum 30. Lebensjahr, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen, einen doppelt so hohen prozentuellen Wohnkostenanteil haben, wie jene, die noch bei ihren Eltern wohnen (22 und 11 Prozent). Circa jede sechste junge Person, die im eigenen Haushalt lebt, hat Wohnkosten von über 40 Prozent. Dies liegt nicht daran, dass junge Menschen sich große Wohnungen in Innenstädten oder teuren Gegenden mieten, sondern vielmehr daran, dass im letzten Jahrzehnt die monatlichen Wohnkosten laut Statistik Austria um 35 Prozent gestiegen sind, bei Mietwohnungen betrug die Steigerung gar 40 Prozent. Wenn nun das wenige Geld übermäßig für Grundbedürfnisse wie Miete oder Lebensmittel ausgegeben wird, bleibt oftmals nicht viel über. Ein Abend im Club oder ein Nachmittag in einem Café werden dann zum Luxus, den man sich nur selten leisten will und kann.
Ein neuer ‚Trend‘, der bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gerade verbreitet ist, ist das sogenannte ‚Spaßgetränk‘, dabei handelt es sich meist um ein kohlenstoffhaltiges, süßes und antialkoholisches Getränk. Es wird als kleine Belohnung im Alltag gekauft, als kleine Freude und Motivation den Tag überstanden zu haben. Denn wenn „genug Geld haben“, „Wohnkosten“ und „soziale Unruhen“ die größten Sorgen der jungen Menschen Österreichs sind, ergibt sich, dass die kleinen Dinge im Leben größere Freuden bereiten (müssen), denn was bleibt ihnen anderes über. Wenn echte Erlebnisse unerschwinglicher werden, so werden sie durch kleinere kostengünstigere Befriedigungen substituiert. Ein süßes Getränk für ein bis drei Euro wird vielleicht das ‚Feierabendbier‘ der Jüngeren; glücklich wird es nicht machen, aber es deckt die materielle Verengung dieser Generation auf. Große Hoffnungen auf ein Eigenheim, oder grundlegende materielle Sicherung, auf ein stabiles Gesundheits- oder Pensionssystem sind schon längst nicht mehr vorhanden, was bleibt ist der kurze Zucker-Kick falscher Bedürfnisbefriedigung.
Quellen: DerStandard/Bundeskanzleramt/StatistikAustria/Jugendstudie





















































































