US-amerikanische Ölkonzerne haben während des Krieges gegen den Iran Gewinne in Höhe von mehr als 130 Milliarden US-Dollar erzielt.
Washington DC. Die von der New York Times veröffentlichte Schätzung ist eine konservative Einschätzung, die auf der Geschäftsentwicklung von 51 großen US-amerikanischen Öl- und Gasunternehmen in den sechs Monaten von April bis September basiert. Im Vergleich dazu erzielten sie im gleichen Zeitraum des Jahres 2025 – als die Ölpreise vor dem Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran niedriger waren – insgesamt weniger als 47 Mrd. US-Dollar.
Während die Energiekonzerne hohe Gewinne verzeichnen, steigen für die Bevölkerung die Lebenshaltungskosten. Laut einer Analyse der Brown University haben die Amerikaner seit Kriegsbeginn am 28. Februar zusätzlich 150 Milliarden Dollar für Benzin und Diesel ausgegeben – umgerechnet mehr als 1.150 Dollar pro Haushalt.
US-Energieunternehmen profitieren sowohl von steigenden Rohölpreisen als auch von höheren Gewinnmargen bei der Raffinierung. Schäden an Raffinerien im Nahen Osten und in Russland, Lieferunterbrechungen durch die Straße von Hormus sowie Sanktionen haben das weltweite Energieangebot zusätzlich verknappt.
Die beiden größten US-Ölkonzerne ExxonMobil und Chevron meldeten Gewinne zwischen 10 und 15 Milliarden Dollar. Noch deutlicher stiegen die Gewinne einzelner Raffinerieunternehmen: Valero Energy steigerte seinen Gewinn im dritten Quartal auf 6,83 Milliarden Dollar – mehr als das Sechsfache des Vorjahreswertes. Phillips 66 erzielte mit 5,62 Milliarden Dollar den höchsten Quartalsgewinn seiner Geschichte, nachdem es im Vorjahr lediglich 133 Millionen Dollar gewesen waren. Allerdings liegen die Gewinne der großen Ölproduzenten insgesamt noch unter dem Niveau von 2022, als Ölpreise auf etwa 100 Dollar pro Barrel gestiegen waren. Zwischen April und September lag der durchschnittliche Ölpreis bei rund 90 Dollar.
Der Krieg hat die internationalen Energiemärkte schwer getroffen. Als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels beschoss der Iran Ziele in den Golfstaaten mit Raketen und Drohnen. Laut der Konfliktbeobachtungsstelle ACLED verübten der Iran und verbündete Gruppen mindestens 172 Angriffe auf nichtmilitärische Infrastruktur in den sechs Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats. Betroffen waren auch Energieanlagen. Zudem blockierte der Iran weitgehend den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Transportrouten für Öl und Gas. Die USA reagierten mit einer Seeblockade gegen iranische Energieexporte. Dadurch verschärften sich die Versorgungsengpässe und die Risiken für den internationalen Handel.
Nachdem die Ölpreise im Sommer infolge einer im Juni unterzeichneten Absichtserklärung vorübergehend gesunken waren, stiegen sie nach dem Scheitern weiterer Gespräche erneut. Zusätzliche Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und Ansar Allah im Jemen haben inzwischen auch die Meerenge Bab al-Mandab am Roten Meer zu einem Kriegsschauplatz gemacht. Diese Route ist ebenfalls für den internationalen Öltransport von großer Bedeutung.
Die Folgen reichen weit über den Energiesektor hinaus. Der Krieg hat die Preise für Kraftstoffe, Gas, Strom und Lebensmittel erhöht. Laut dem jüngsten Rohstoffmarktbericht der Weltbank dürften die Rohstoffpreise in diesem Jahr um 23 Prozent steigen. Neben dem Krieg beeinträchtigen gestörte Getreidelieferungen und das Wetterphänomen El Niño die Lebensmittelversorgung. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) berichtete Anfang Oktober, dass die weltweiten Nahrungsmittelpreise im September um weitere 1,5 Prozent gestiegen seien. Bereits im August hatten sie ihren höchsten Stand seit Ende 2022 erreicht.
Ein Ende der hohen Energiepreise ist vorerst nicht absehbar. Solange der Konflikt andauert und wichtige Transportwege beeinträchtigt bleiben, werden die Arbeiterklasse und die arbeitenden Volksschichten weltweit weiterhin unter steigenden Kosten leiden. Die Arbeiterinnen und Arbeiter haben den Krieg nicht begonnen. Sie entscheiden nicht über Sanktionen, Militärinterventionen, Aufrüstung, Ölgeschäfte oder imperialistische Bündnisse. Aber sie bezahlen die Rechnung.
Quelle: Al Jazeera






















































































