Relativity Space soll 2028 eine Sonde zum Mars bringen. Die NASA liefert wissenschaftliche Instrumente, überlässt jedoch wesentliche Teile der Mission einem privaten Raumfahrtunternehmen. Der Schritt steht exemplarisch für die zunehmende Verlagerung staatlicher Raumfahrtaufgaben in kommerzielle Hände.
Washington D.C. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat eine Vereinbarung mit dem kalifornischen Raumfahrtunternehmen Relativity Space bekannt gegeben. Geplant ist, im Jahr 2028 eine Sonde in eine Umlaufbahn um den Mars zu entsenden. Dort soll sie die Atmosphäre des Planeten untersuchen und zugleich als Kommunikationsknoten zwischen der Erde und den auf der Marsoberfläche eingesetzten Fahrzeugen dienen.
Während die NASA wissenschaftliche Instrumente bereitstellt, wird Relativity Space das Raumfahrzeug und die Trägerrakete liefern sowie einen Großteil der Mission durchführen. Zum Einsatz kommt ein Instrumentenpaket mit der Bezeichnung Aeolus, das erstmals eine tägliche globale Erfassung von Winden, Staub, Temperaturen und Wolken in der Marsatmosphäre ermöglichen soll. Die gewonnenen Daten sollen dazu beitragen, Risiken künftiger bemannter und unbemannter Marsmissionen besser einschätzen zu können.
Zunehmende Privatisierung der Raumfahrt
Die Vereinbarung verdeutlicht einen Trend, der bereits bei den Mondprogrammen der USA zu beobachten ist: Staatliche Raumfahrtbehörden übertragen immer mehr Aufgaben an private Unternehmen. Die NASA begründet diesen Kurs damit, wissenschaftliche Projekte schneller und häufiger durchführen zu können. Nach Angaben der Behörde sollen kommerzielle Investitionen und staatliche Forschungskapazitäten miteinander verbunden werden.
Die Erkundung des Weltraums wurde traditionell aber immer als öffentliche Aufgabe verstanden. Wissenschaftliche Forschung, die mit erheblichen öffentlichen Mitteln aufgebaut wurde, gerät dadurch zunehmend in Abhängigkeit von den Interessen privater Unternehmen. Während staatliche Einrichtungen zumindest formell einer demokratischen Kontrolle unterliegen, orientieren sich private Unternehmen in erster Linie an wirtschaftlichen Zielen und den Erwartungen ihrer Investoren.
Auch technisch steht das Vorhaben noch vor Herausforderungen. Die Mission soll mit der Rakete Terran R von Relativity Space starten, die sich weiterhin in Entwicklung befindet. Ursprünglich hatte das Unternehmen ihren Erstflug für Ende 2026 angekündigt. Branchenquellen gehen inzwischen jedoch davon aus, dass sich dieser Termin auf das Jahr 2027 verschieben wird.
Nach Angaben von Relativity Space soll der Marsorbiter über erhebliche Rechen- und Speicherkapazitäten verfügen. Dadurch könnten auch Anwendungen der Künstlichen Intelligenz an Bord genutzt werden. Konkrete Einzelheiten zu den vorgesehenen Systemen wurden bislang jedoch nicht veröffentlicht.
Die geplante Marsmission soll zugleich als Demonstration für weitere Projekte eines von Relativity Space angekündigten Programms für interplanetare Wissenschaft dienen. Zu diesen Vorhaben liegen derzeit noch keine näheren Informationen vor.
Fest steht: Mit der Vereinbarung setzt die NASA ihren Kurs fort, zentrale Aufgaben der Raumfahrt zunehmend an private Akteure auszulagern. Ob dadurch wissenschaftliche Fortschritte beschleunigt werden oder öffentliche Kontrolle und langfristige Forschungsziele an Bedeutung verlieren, dürfte die Diskussion über die Zukunft der Raumfahrt in den kommenden Jahren weiter prägen.
Quelle: ANSA


















































































