Viele Nigerianerinnen und Nigerianer verlassen Südafrika wegen wachsender Fremdenfeindlichkeit und Unsicherheit. Doch nach ihrer Rückkehr stellen sie fest, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, vor denen sie einst geflohen sind, heute noch größer sind als damals.
Abuja/Kapstadt. Für Iniebong James war die Rückkehr nach Nigeria zunächst ein Moment der Erleichterung. Nachdem er zehn Jahre in Südafrika gelebt hatte, landete er Mitte Juni mit einem Rückführungsflug in Lagos. Doch auf die Freude über die Heimkehr folgte schnell die Sorge um seine Zukunft, wie er gegenüber The Associated Press berichtet.
James war vor einem Jahrzehnt nach Südafrika gegangen, nachdem er in Nigeria seine Arbeit verloren hatte. Die wirtschaftliche Lage und wiederkehrende Stromausfälle hatten ihn dazu bewegt, sein Glück im Ausland zu suchen. In Südafrika arbeitete er als Automechaniker und baute sich trotz eines abgelaufenen Visums eine Existenz auf.
Zunehmende Spannungen in Südafrika
In den vergangenen Monaten hat sich die Stimmung gegenüber Migrantinnen und Migranten in Südafrika jedoch deutlich verschärft. Es kam zu Demonstrationen, bei denen die Ausreise von Menschen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung gefordert wurde. Zudem wurden Angriffe auf ausländische Staatsangehörige gemeldet.
Auch James wurde nach eigenen Angaben im Mai Opfer eines solchen Angriffs und erlitt dabei eine Kopfverletzung. Die zunehmende Unsicherheit veranlasste ihn schließlich dazu, das Angebot der nigerianischen Regierung anzunehmen und nach Hause zurückzukehren.
Südafrika gilt seit vielen Jahren als wichtiges Zielland für Migrantinnen und Migranten aus anderen afrikanischen Staaten. Die vergleichsweise starke Wirtschaft und bessere Infrastruktur ziehen Menschen aus der gesamten Region an. Gleichzeitig kommt es jedoch immer wieder zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen. Populisten machen Einwanderinnen und Einwanderer für Arbeitslosigkeit, Armut und eine Belastung öffentlicher Dienstleistungen verantwortlich.
Heimat im wirtschaftlichen Ausnahmezustand
Die Rückkehr nach Nigeria erwies sich für viele Heimkehrer als schwieriger als erwartet. Seit James das Land 2016 verlassen hatte, hat sich die wirtschaftliche Lage deutlich verschlechtert.
Um die angeschlagene Wirtschaft zu reformieren, leitete die Regierung von Präsident Bola Tinubu im Jahr 2023 weitreichende Veränderungen ein. Dazu gehörte unter anderem die Abschaffung langjähriger Treibstoffsubventionen. Die Maßnahmen führten zu stark steigenden Preisen und einer hohen Inflation.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Kraftstoffkosten. Während ein Liter Benzin 2016 noch 85 Naira kostete (etwa 0,05 Euro), lag der Preis bei James’ Rückkehr bei rund 1.400 Naira pro Liter (ca. 0,90 Euro). Viele Waren und Dienstleistungen haben sich ebenfalls erheblich verteuert.
Rückkehr bedeutet nicht automatisch Neuanfang
Neben den wirtschaftlichen Herausforderungen stehen viele Rückkehrer auch vor sozialen Problemen. Die Nigerianerin Omotola Adeniyi, die als Kind nach Südafrika gezogen war, kehrte ebenfalls mit einem Rückführungsflug zurück. Nach elf Jahren im Ausland fühlt sich Nigeria für sie inzwischen fremd an.
In Südafrika hatte sie nach dem Schulabschluss Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Nach ihren Angaben wurde ihr mehrfach mitgeteilt, dass keine Ausländer eingestellt würden. Die hohen Flugkosten verhinderten lange Zeit eine Rückkehr, sodass sie schließlich das Angebot eines kostenlosen Heimflugs annahm.
Migrationsexpertinnen und ‑experten weisen darauf hin, dass eine Rückführung allein die Probleme der Betroffenen nicht löst. Viele Rückkehrer kehren in ein Land zurück, das sich während ihrer Abwesenheit stark verändert hat. Gleichzeitig fehlen häufig konkrete Perspektiven für Arbeit und wirtschaftliche Integration.
Die nigerianische Regierung kündigte zwar Unterstützung für die Heimkehrerinnen und Heimkehrer an, machte bislang jedoch keine detaillierten Angaben zu langfristigen Maßnahmen. Für viele Rückkehrer beginnt deshalb nach der Heimkehr ein neuer Kampf um Arbeit, Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität. Trotz aller Probleme bleibt Südafrika für zahlreiche Menschen auf dem afrikanischen Kontinent weiterhin ein attraktives Ziel, da die wirtschaftlichen Chancen dort im Vergleich zu vielen Nachbarstaaten nach wie vor größer sind.
Quelle: AP


















































































