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Blackout in der Geisterbahn

Am Montagabend sorgte ein Stromausfall in Wien-Leopoldstadt für Stillstand und Dunkelheit im Prater sowie im Happel-Stadion – im ORF und auch im dänischen TV war man live dabei.

Wien. Man hat uns mit Medienkampagnen ja lang genug darauf vorbereitet, am Montagabend war es dann endlich so weit: Blackout in der österreichischen Bundeshauptstadt. Nun waren von dem Stromausfall ab etwa 20 Uhr zwar „nur“ rund 1.500 Haushalte im zweiten Wiener Gemeindebezirk betroffen, doch in der Leopoldstadt hatte dies noch weitere Konsequenzen.

Denn im als „Wurstelprater“ bekannten Vergnügungspark standen auch alle Maschinen still, somit auch die Fahrgeschäfte. Und das ist freilich nicht das, was man sich als deren Kundschaft wünscht: Festecken in der Geisterbahn, im Riesenrad oder im Achterbahnlooping impliziert wohl eine Adrenalinüberdosierung. Daher mussten auch zwei junge Frauen, die kollabierten, vorübergehend ins Krankenhaus gebracht werden. Die eine hing tatsächlich für 15 Minuten hilflos kopfüber in einer Praterattraktion, bis die Feuerwehr sie bergen konnte; die andere brach im Schweizerhaus zusammen, wobei unklar ist, ob dies mit dem Stromausfall in Zusammenhang stand oder eine Scheinkorrelation markiert.

Gleich nebenan gingen auch im Ernst-Happel-Stadion die Lichter aus. Blöder Zeitpunkt, denn um 20.45 Uhr hätte eigentlich das Nations League-Match zwischen der österreichischen Fußballnationalmannschaft und den Gästen aus Dänemark angepfiffen werden sollen. Nicht ganz 20.000 Zuseher auf den Rängen saßen im Dunkeln und beleuchteten das Stadion notdürftig mit ihren Handys, während David Alaba, Marko Arnautovic, Kasper Schmeichel, Christian Eriksen und ihre Kollegen für 90 Minuten zur Untätigkeit verdammt blieben. Das Spiel wurde dann mit Verspätung durchgeführt – und wenn’s ein Unglück gibt, kommt auch noch Pech dazu: Eher unverdient verlor das ÖFB-Team um Mitternacht mit 1:2.

Die Ursachenforschung der Wiener Netze ergab kein externes menschliches Fremdverschulden bezüglich des großflächigen Stromausfalls: Keine Cyberattacke, kein Hackerangriff, keine von Waldimir Putin höchstpersönlich durchgeführte Sabotage der Wiener Gemütlichkeit – für manche Eskalationsfreunde gewiss enttäuschend. Der kommunale Energieversorger machte schließlich ein defektes Verbindungsstück eines unterirdischen Stromkabels im Bereich der Hafenzufahrtsstraße als Schuldigen aus. Vermutet wird, dass der Starkregen am Vortag zu einer Beschädigung geführt hatte. Eher unspektakulär, aber ein Auftrag an die Wartungssicherheit.

So sieht man unterm Strich: Wir brauchen in Wien gar keine russischen Lieferstopps, Kriegsschäden oder Terroranschläge, um ein Blackout zu generieren, sondern wir können das durchaus allein hinkriegen. Das wird Putin hoffentlich zu denken geben!

Quelle: Der Standard

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