Vor nicht einmal einem Jahr kündigte der Faserkonzern Lenzing den Abbau von bis zu 600 Arbeitsplätzen in der Verwaltung an. Damals wurde die Maßnahme als notwendiger Schritt zur Effizienzsteigerung und internationalen Neuausrichtung verkauft. Heute zeigt sich, dass dies nur der Anfang eines wesentlich umfassenderen Umbaus war: Bis Ende 2027 sollen weltweit rund 2.000 Stellen verschwinden, gleichzeitig wird die Faserproduktion im burgenländischen Heiligenkreuz und im englischen Grimsby eingestellt.
Für die 285 Beschäftigten in Heiligenkreuz bedeutet das enorme Unsicherheit. Zwar betont der Vorstand, der Standort solle verkauft und möglichst von einem neuen Eigentümer weitergeführt werden, doch ob Arbeitsplätze tatsächlich erhalten bleiben, ist völlig offen. Aus Erfahrung wissen viele Beschäftigte, dass solche Versprechen oft nur den Übergang zu einem späteren Stellenabbau begleiten. Sozialpläne können finanzielle Härten zwar teilweise abfedern, sie ersetzen jedoch keine sicheren Arbeitsplätze.
Während der Vorstand versichert, es handle sich nicht um ein „Cost-Cutting-Programm“, sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Gleichzeitig erhält der Konzern durch seine Großaktionäre B&C, Suzano und die Oberbank bis zu 600 Millionen Euro an frischem Kapital. Hinzu kommt eine Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro sowie verlängerte Kreditlaufzeiten bis 2030. Geld für die finanzielle Neuausrichtung ist also vorhanden.
Doch während Millionen zur Stabilisierung der Bilanz bereitstehen, werden erneut die Beschäftigten zur Kasse gebeten. Die Unternehmensführung spricht von strategischer Neuausrichtung, das bedeutet für tausende Beschäftigte den Verlust ihrer Existenzgrundlage. Der Stammsitz in Oberösterreich soll zwar aufgewertet werden, gleichzeitig verschwinden jedoch Arbeitsplätze in der Produktion und ganze Standorte werden aufgegeben oder verkauft.
Schon im vergangenen Jahr zeigte sich die Widersprüchlichkeit dieser Unternehmenspolitik. Noch kurz zuvor war von einer langfristigen Absicherung des Standorts die Rede gewesen, wenig später folgten Stellenabbau und Sozialpläne. Nun wiederholt sich dieses Muster: Statt langfristiger Beschäftigungssicherung dominieren Restrukturierung, Verlagerung und Personalabbau.
Quelle: ORF/Zeitung der Arbeit

















































































