Die aktuellen Schlagzeilen vermitteln potentiell den Eindruck, als wäre das Problem der Teuerung weitgehend gelöst. Laut Schnellschätzung der Statistik Austria lag die Inflation im Juli bei 2,7 Prozent und damit deutlich niedriger als im Juni (3,2 Prozent). Als Grund werden unter anderem gesunkene Lebensmittelpreise genannt, die durch die Mehrwertsteuersenkung auf bestimmte Grundnahrungsmittel begünstigt wurden. Gleichzeitig bleiben Dienstleistungen der größte Preistreiber.
Doch was bedeutet eine niedrigere Inflationsrate tatsächlich? Oft entsteht in den Medien der Eindruck, die Preise würden nun wieder sinken. Das ist jedoch nicht der Fall. Eine Inflationsrate von 2,7 Prozent bedeutet lediglich, dass die Preise im Durchschnitt langsamer steigen als zuvor. Die massiven Preissteigerungen der vergangenen Jahre bleiben bestehen.
Ein Blick auf die Entwicklung der Inflation seit Mitte der 1990er-Jahre macht deutlich, dass die Jahre 2022 und 2023 außergewöhnliche Ausreißer nach oben waren. In kurzer Zeit wurden die Lebenshaltungskosten drastisch erhöht. Selbst wenn die Inflation heute wieder niedriger ausfällt, bleiben diese Preissteigerungen bestehen. Wer früher für den Wocheneinkauf 100 Euro ausgab und heute 130 oder 140 Euro bezahlen muss, profitiert kaum davon, wenn die Preise nun etwas langsamer weiter steigen. Aber auch die aktuell gesunkene Inflationsrate ist noch immer hoch, von 1995–2020, also in 25 Jahren gab es lediglich zwei Jahre in denen die Inflation höher war, als diesen Juli anscheinend.
Für viele Beschäftigte bedeutet das einen dauerhaften Verlust an Kaufkraft. Zwar konnten Lohnabschlüsse einen Teil der Teuerung ausgleichen, doch zahlreiche Haushalte kämpfen weiterhin mit höheren Ausgaben für Wohnen, Energie, Lebensmittel und andere lebensnotwendige Güter – der Reallohnverlust und die Teuerung ist jedoch schmerzhaft spürbar. Besonders Menschen mit niedrigen Einkommen geben einen großen Teil ihres Einkommens für genau diese Bereiche aus.
Es zeigt sich ein grundlegendes Problem: Krisen und ihre Folgen werden häufig auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt. Während viele Beschäftigte Reallohnverluste hinnehmen mussten und mit steigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert waren, konnten Konzerne in zahlreichen Branchen ihre Gewinne steigern. Die Vermögen der Reichsten wachsen weiter.
Inflation ist dabei nicht einfach ein Naturereignis. Sie entsteht aus unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen – etwa höheren Energiepreisen, Lieferengpässen oder einer starken Nachfrage. Auch dies ist keine natürliche Entwicklung, sonder sie wird hergestellt durch die Funktionsweise des Kapitalismus selbst – er ist Krisen inhärent und bringt diese hervor, ob den ökologische Krisen, Überproduktion, Gesundheitskrisen, Kriege und vieles mehr. Gleichzeitig können Konzerne ihre Marktmacht nutzen, um Preissteigerungen über ihre eigenen Kosten hinaus durchzusetzen und so ihre Gewinnmargen auszuweiten. Die Last dieser Entwicklung tragen letztlich jene, die von ihrem Lohn leben.
Die gesunkene Inflationsrate ist daher kein Grund zur Selbstzufriedenheit. Solange die Preise auf dem hohen Niveau bleiben und viele Beschäftigte trotz Vollzeitarbeit finanzielle Sorgen haben, kann von einer echten Entlastung keine Rede sein. Entscheidend ist nicht nur, wie stark die Preise heute steigen, sondern ob sich Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte, Pendionistinnen und Pensionisten, die Jugend sich ein gutes Leben leisten können.

















































































