Ein Drittel der Kinder und Jugendliche in Österreich nehmen private Nachhilfe. Für Familien bedeutet das nicht nur eine finanzielle Belastung, sondern auch zeitlichen, organisatorischen und mentalen Aufwand.
Wien. Insgesamt sind es 338.000 Kinder und Jugendliche, die private Nachhilfe in Anspruch nehmen, wie aus dem Nachhilfebarometer der Arbeiterkammer (AK) Wien hervorgeht. Das sind 32 Prozent aller Schülerinnen und Schüler in Österreich. Der Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt gewachsen. Dazu kommt auch etwa ein Fünftel aller Haushalte, die sich für ihre Kinder Nachhilfe gewünscht hätten, aber entweder keinen Anbieter gefunden haben oder sich die Nachhilfe nicht leisten konnten. Die Studie basiert auf einer Befragung von 4.728 Schülerinnen und Schülern in 3.208 Haushalten im Frühjahr 2026.
Die Studie der AK Wien umfasst zahlreiche Statistiken zu Nutzung und Preisen von privater Nachhilfe. Grundlage für die Auswertung ist eine bundesweite Stichprobe von 4.728 Schülerinnen und Schülern in 3.208 Haushalten, deren Eltern zwischen März und Mai 2026 befragt wurden.
Die am Dienstag veröffentlichte Studie zeigt klar, dass Nachhilfe längst zur Normalität geworden ist, und das bereits in der Volksschule. Dort sind es schon 23 Prozent der Kinder, die Nachhilfe nehmen. In einigen Schultypen ist der Anteil besonders hoch: An den Oberstufen der Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) sind es 42 Prozent, an den Berufsbildenden Mittleren Schulen (BMS) sogar 45 Prozent. Das Versagen des österreichischen Schulsystems beginnt ab Erreichen des schulpflichtigen Alters und erstreckt sich über alle Schulzweige. Ausgeglichen wird es durch private Nachhilfe außerhalb der Schule.
Ein Teil der Schülerinnen und Schüler kann kostenlose Nachhilfe nutzen, etwa in der Schule. Gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr jedoch vor allem der Anteil jener Kinder und Jugendlichen, die auf bezahlte Nachhilfe angewiesen sind – von 18 auf 19 Prozent. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das zusätzliche Lernzeit neben dem regulären Schulalltag.
Die Preise dafür sind gegenüber 2025 zwar leicht gesunken, aber nach wie vor sehr hoch. 720 Euro pro Kind geben Familien im Schnitt jährlich für Nachhilfe aus. Das sind insgesamt 144 Millionen Euro im Jahr. Fast die Hälfte der befragten Eltern geben an, dadurch spürbar oder sehr stark finanziell belastet zu sein. Von den Eltern, die trotz Bedarf keine bezahlte Nachhilfe für ihr Kind in Anspruch genommen haben, begründeten dies 49 Prozent damit, dass sie es sich nicht leisten können.
Die Defizite des Schulsystems in Österreich kosten Familien nicht nur Geld, sondern auch Zeit und Mühen. Wer sich Nachhilfe nicht leisten kann, muss diese Unterstützung häufig selbst übernehmen – zusätzlich zu Beruf, Haushalt und anderen Verpflichtungen. Bei 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler sagten die Eltern, dass sie ihre Kinder zumindest hin und wieder beim Lernen und Üben unterstützen – 23 Prozent davon praktisch täglich. 26 Prozent der Eltern gaben an, dass es für sie schwierig ist, beim Lernen zu helfen. Fast ein Drittel der Eltern fühlte sich durch die Unterstützung ihrer Kinder beim Lernen kognitiv stark belastet.
Quelle: AK Wien


















































































