Brasília. Wenige Wochen vor der brasilianischen Präsidentschaftswahl ermittelt die Polizei gegen den rechten Kandidaten Flávio Bolsonaro wegen des Verdachts auf Korruption und Geldwäsche. Die Ermittlungen laufen bereits seit Juli, wurden aber erst jetzt durch ein Gerichtsdokument öffentlich bekannt.
Im Mittelpunkt steht die Finanzierung des noch unveröffentlichten Films „Dark Horse“ über den früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, den Vater des Präsidentschaftskandidaten. Ein Richter am Obersten Gericht hatte die Ermittlungen im Juli genehmigt.
Flávio Bolsonaro hatte bereits im Mai eingeräumt, den Bankier Daniel Vorcaro um Millionensummen für die Filmproduktion gebeten zu haben. Vorcaro sitzt seit November vergangenen Jahres wegen des Verdachts auf milliardenschweren Finanzbetrug durch sein inzwischen insolventes Bankhaus in Haft. Flávio Bolsonaro bestreitet, gegen Gesetze verstoßen zu haben.
Verdacht auf Zweckentfremdung von Geldern
Die Ermittler prüfen unter anderem, ob Gelder, die offiziell für die Filmproduktion bestimmt waren, tatsächlich zur Unterstützung von Eduardo Bolsonaro verwendet wurden, einem weiteren Sohn des früheren Präsidenten.
Eduardo Bolsonaro lebt in den USA. In Brasilien wurde er im Juni in Abwesenheit vom Obersten Gericht zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, unzulässig auf das Verfahren gegen seinen Vater Einfluss genommen und versucht zu haben, die USA wegen des Prozesses zu Sanktionen gegen Brasilien zu bewegen.
Auch bei der Finanzierung des Films selbst besteht weiterer Ermittlungsbedarf. Die Polizei untersucht den Verdacht, dass dafür öffentliche Gelder in Millionenhöhe zweckentfremdet wurden. Am Donnerstag wurden 49 Durchsuchungsbefehle vollstreckt.
Betroffen waren unter anderem die Chefin der Produktionsfirma hinter „Dark Horse“, Karina Gama, sowie der rechtsgerichtete Abgeordnete Mário Frias, der als Produzent des Films geführt wird. Medienberichten zufolge könnten parlamentarische Mittel, die eigentlich für Projekte in den Wahlkreisen von Abgeordneten vorgesehen sind, für die Filmproduktion verwendet worden sein.
Bolsonaro-Familie weiter unter Druck
Der Film „Dark Horse“ zeichnet ein positives Bild von Jair Bolsonaro, der darin vom US-Schauspieler James Caviezel dargestellt wird.
Der frühere Präsident selbst war vor rund einem Jahr wegen eines geplanten Umsturzes zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden. Nach Auffassung des Gerichts hatte Bolsonaro eine „kriminelle Organisation“ angeführt, um seine Wahlniederlage gegen Luiz Inácio Lula da Silva im Jahr 2022 rückgängig zu machen. Er befindet sich derzeit im Hausarrest.
Die neuen Ermittlungen treffen die Bolsonaro-Familie damit in einer politisch heiklen Phase. Am 4. Oktober tritt Flávio Bolsonaro bei der Präsidentschaftswahl gegen den linken Amtsinhaber Lula da Silva an. Umfragen sehen derzeit ein enges Rennen. Für die brasilianische Rechte kommt das Verfahren daher zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Quelle: junge Welt




















































































