Die Obersteirische Molkerei (OM) soll in die Berglandmilch eingegliedert werden. 92 Prozent der stimmberechtigten OM-Mitglieder haben der Fusion zugestimmt. Für die österreichische Milchwirtschaft bedeutet der Zusammenschluss mehr als eine unternehmerische Entscheidung: Er steht beispielhaft für die zunehmende Konzentration in einer Branche, in der immer weniger Molkereien einen immer größeren Teil der Milchverarbeitung kontrollieren.
Mit 664 Beschäftigten und knapp 400 Millionen Euro Umsatz gehört die OM im Murtal zu den wichtigsten Arbeitgebern, was die Fusion bedeutend macht. In Kobenz im Murtal ist eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft der Obersteirischen Molkerei gefallen. Von den 774 gültigen Stimmen sprachen sich 714 – und damit 92 Prozent – für die Eingliederung der OM in die Berglandmilch aus. Noch muss die Generalversammlung der Berglandmilch zustimmen, ebenso steht die wettbewerbsrechtliche Prüfung aus. Wird die Fusion genehmigt, verliert die OM ihre bisherige Eigenständigkeit und wird Teil des österreichischen Marktführers.
Für die Befürworter ist der Schritt vor allem eine Frage der wirtschaftlichen Zukunft. Die OM argumentiert, dass es zunehmend schwieriger werde, als eigenständige Molkerei wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Verbindung mit der Berglandmilch soll Investitionen ermöglichen, die Milchabnahme absichern und langfristig einen wettbewerbsfähigen Milchpreis für die Bauern gewährleisten.
Gleichzeitig zeigt die Debatte um die Fusion, was bei solchen Zusammenschlüssen auf dem Spiel steht. Einige Mitglieder fühlten sich im Vorfeld nicht ausreichend informiert und kritisierten, dass die Entscheidung zu schnell getroffen worden sei. Andere befürworteten die Fusion und sahen darin eine notwendige Anpassung an die wirtschaftlichen Bedingungen. Im Zentrum der Kritik steht dabei die Sorge um den Verlust regionaler Eigenständigkeit.
Vom Zusammenschluss zum Konzentrationsprozess
Die Fusion der OM mit der Berglandmilch ist dabei ein Schritt in einem Prozess, der schon länger vor sich geht. Die Berglandmilch ist bereits heute Österreichs größter Milchverarbeiter und verarbeitet rund 1,3 Milliarden Kilogramm Milch jährlich. Auch die steirische Marke Stainzer Milch wurde bereits 2011 in das Unternehmen eingegliedert. Mit der OM kommt nun ein weiterer regional bedeutender Akteur hinzu. Berglandmilch verarbeitet darüber hinaus mit Marken wie Schärdinger, Latella und Jogurella 1,3 Milliarden Kilogramm Milch pro Jahr.
Damit wird eine grundlegende Gesetzmäßigkeit der Kapitalismus deutlich: Die Verarbeitung und Vermarktung von Milch konzentriert sich zunehmend auf wenige große Player. Für die einzelnen Molkereien kann dieser Prozess wirtschaftlich sinnvoll erscheinen. Zusammenschlüsse ermöglichen größere Produktionsmengen, eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber dem Handel, höhere Investitionskraft und die Nutzung gemeinsamer Strukturen. Aus Sicht der gesamten Branche stellt sich jedoch eine andere Frage: Was bedeutet es, wenn immer weniger Konzerne über die Verarbeitung und Vermarktung der Milch entscheiden?
Gerade für die Milchbäuerinnen und Milchbauern ist diese Entwicklung ambivalent. Einerseits kann die Zugehörigkeit zu einem großen genossenschaftlichen Unternehmen eine stabile Abnahme der Milch und damit wirtschaftliche Sicherheit bieten. Andererseits verringert sich mit der Zahl der Abnehmer auch die Zahl der eigenständigen Verhandlungspartner. Wenn sich die Verarbeitung konzentriert, verschieben sich damit auch Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb der Wertschöpfungskette.
Die Entwicklung der OM zeigt damit beispielhaft, wie sich Monopolisierungs- und Konzentrationstendenzen häufig vollziehen: nicht unbedingt durch die Verdrängung eines Konkurrenten über Nacht, sondern durch eine Reihe einzelner Zusammenschlüsse, Eingliederungen und Übernahmen. Jede einzelne Entscheidung kann wirtschaftlich begründet werden. In ihrer Gesamtheit verändern sie jedoch die Struktur eines Marktes.
Quelle: ORF




















































































