Nach schweren Anschlägen in Pakistan bombardiert das Militär Ziele in Afghanistan. Kabul spricht von zivilen Opfern und kündigt eine Reaktion an. Eine fragile Waffenruhe gerät zunehmend unter Druck.
Islamabad/Kabul. Das pakistanische Militär hat in der Nacht zu Sonntag mehrere Luftangriffe auf Ziele in Afghanistan geflogen. Nach Angaben des Informationsministeriums handelte es sich um „geheimdienstgestützte, selektive Operationen“ gegen sieben Lager der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) sowie verbündeter Gruppen. Auch ein Ableger des sogenannten Islamischen Staates in der Region sei ins Visier genommen worden.
Gezielte Operationen gegen TTP und IS-Ableger
Islamabad begründet die Angriffe mit einer Serie schwerer Anschläge im eigenen Land. Dazu zählt ein Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee in Islamabad Anfang Februar, bei dem mindestens 31 Menschen getötet und 170 verletzt wurden. Weitere Attacken ereigneten sich in den nordwestlichen Distrikten Bajaur und Bannu. In Bajaur rammte ein Attentäter ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in einen Sicherheitsstützpunkt – elf Soldaten und ein Kind kamen ums Leben. In Bannu starben zwei Soldaten bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi.
Die pakistanische Regierung erklärte, es gebe „schlüssige Beweise“, dass die Angriffe auf Anweisung von Führungspersonen erfolgt seien, die sich in Afghanistan aufhielten. Kabul habe wiederholt zugesichert, sein Staatsgebiet nicht für Angriffe gegen andere Länder nutzen zu lassen, jedoch keine „substanziellen Maßnahmen“ ergriffen. Pakistan betont zugleich, man strebe weiterhin Stabilität in der Region an, sehe aber die Sicherheit der eigenen Bevölkerung als oberste Priorität.
Kabul spricht von zivilen Opfern und droht mit Antwort
Die afghanische Regierung bestätigte die Luftangriffe und verurteilte sie scharf. Nach Angaben aus Kabul wurden in den Provinzen Nangarhar und Paktika eine religiöse Schule sowie Wohnhäuser getroffen. Es sei zu Dutzenden Toten und Verletzten gekommen, darunter Frauen und Kinder. Aus dem Distrikt Bihsud in Nangarhar wurden mindestens 17 bestätigte Todesopfer gemeldet, sechs weitere Menschen gelten als vermisst. Auch ein religiöses Zentrum soll getroffen worden sein; die Zahl der Opfer dort ist bislang unklar.
Das afghanische Verteidigungsministerium sprach von einem Verstoß gegen das Völkerrecht und gegen die Prinzipien guter Nachbarschaft. Man werde „zu gegebener Zeit“ eine angemessene und maßvolle Antwort geben. Gleichzeitig wies Kabul Vorwürfe zurück, bewaffneten Gruppen Rückzugsräume zu bieten.
Die jüngsten Ereignisse belasten die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten weiter. Seit tödlichen Grenzzusammenstößen im Oktober besteht eine von Katar vermittelte Waffenruhe, die bislang weitgehend hielt. Gespräche in Istanbul brachten jedoch keine formelle Einigung. Mit den erneuten Luftangriffen droht die fragile Stabilität an der Grenze erneut ins Wanken zu geraten.
Quellen: AJ / TheGuardian




















































































