HomeInternationalesSpanien: Unbefristeter Streik in Cádiz mit Polizeiterror konfrontiert

Spanien: Unbefristeter Streik in Cádiz mit Polizeiterror konfrontiert

Cádiz. In einer der ärmsten Regionen Spaniens streikten 10 Tage lang die Metallarbeiter der hiesigen Unternehmen, nachdem Verhandlungen zwischen den Arbeitgebervertretern der FEMCO und der großen Gewerkschaften, der CCOO und UGT nach achtstündigen Verhandlungen abgebrochen wurden. Die andalusische Provinz blickt auf eine lange Tradition an Arbeitskämpfen zurück. Allein in Cádiz sind 20.000 Metallarbeiter beschäftigt. Tatsächlich scheint diese Streikwelle der Metaller jedoch besonders langwierig, entschlossen und massenhaft zu sein, was für den großen Rückhalt der Streikfreigabe der Gewerkschaften spricht. Laut Lokalmedien nahmen auch etliche Jugendliche und Studenten an Solidaridätsdemonstrationen teil, um die Streiks gegen die Politik der Chefs zu unterstützen. Die linke Regierung Spaniens antwortete darauf mit tagelanger Repression und Drohgebärden.

Panzerwägen und Gummigeschosse gegen Streikende

Medial und von staatlicher Seite wurde die Streikwelle vor allem als ein gewalttätiger Aufstand dargestellt, der den sozialen Frieden störe und unbedingt einzudämmen sei. Staffeln der Nationalpolizei gingen mit Gummigeschossen, Tränengas und gepanzerten Wägen auf streikende Arbeiter und solidarische Demonstranten los. In Spanien regiert die sozialdemokratische Partei PSOE gemeinsam mit der linken PODEMOS-Partei, einer katalanischen Kleinstpartei (PSCO) und der Izquierda Unida (Vereinigte Linke). In letzterer ist auch die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) Mitglied, welche wiederum die Schwesternpartei der KPÖ ist. Diese Konstellation ist nicht unspannend: Diese wird von vielen linken Kräften als die progressivste Regierung Spaniens bezeichnet. Letztlich ist auch sie bereit, jede Form der Gewalt einzusetzen, um die Bewegung der Arbeiterklasse für ihre Arbeits- und Sozialrechte im Keim zu ersticken.

Die Kommunistische Partei der Arbeiter Spaniens (PCTE) lehnte den Angriff auf die Streikenden und Demonstranten entschieden ab, wo auch Minderjährige und ältere Menschen willkürlich angegriffen wurden und forderte den sofortigen Rücktritt des Innenministers Fernando Grande-Marlaska. Entschieden lehnt die PCTE auch die Angriffe auf das Streikrecht ab und forderte internationale Solidarität von der kommunistischen Bewegung gegen die brutale Vorgehensweise der spanischen Regierung.

Arbeiter sollen Teuerungsraten und Arbeitsverdichtung hinnehmen

Eine der Hauptforderungen der verhandlungsführenden Gewerkschaften liegt in der Anpassung der Löhne an den Verbraucherpreisindex, angesichts der steigenden Teuerungsraten, einer maximalen Laufzeit der Vereinbarungen von 2 Jahren und jährlichen Lohnerhöhung von 2 Jahren. Die Unternehmer sollen zudem 80% der Inflation abgelten. Demgegenüber betonten die Unternehmerverbände, dass sie einen Kollektivvertrag erst ab einer Laufzeit von 3 Jahren als Verhandlungsbasis akzeptieren. Die Abgeltung eines Teils der Inflation bei den Lohntabellen würden erst ab einem Kollektivvertrag für 4 Jahre berücksichtigt werden.

Die Militanz der Arbeiter kommt nicht von ungefähr: Die Profite der meisten Unternehmen, insbesondere der großen Leitunternehmen in der Branche, sprudeln und die Auftragsbücher voll. Diese wurden durch hohe Arbeitsverdichtung, prekäre Arbeitsbedingungen und Leiharbeit erwirtschaftet. In manchen Betrieben beträgt die Leiharbeitsquote um die 20% – mit allen Abschlägen, die die Leiharbeiter akzeptieren müssen. Auch die Schiffsfahrt in der Provinz Cádiz ist vom Streik betroffen – so warnt Diego Sánchez, Chef der FEMCO, dass der Streik praktisch mehrere Unternehmen in den Reederein zum Erliegen gebracht habe und „die Zeit dränge“. Sonst würden Zulieferfirmen ihre Aufträge mit den bestreikten Unternehmen kündigen.

Diesen Mittwoch fanden neuerlich Gespräche statt, die von beiden Seiten als Erfolg gewertet wurden. Es bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich zu einem Abschluss des Kollektivvertrags kommt und welche Konditionen genau festgesetzt wurden, ob die Gewerkschaften einen Fort- oder Rückschritt gemacht haben.

Quelle: Dario de Cardis/TeleSur/PCTE

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