Familien im ganzen Iran haben ihrer Angehörigen gedacht, die letzten Monat bei landesweiten Protesten ums Leben gekommen sind. Gleichzeitig fanden Schulstreiks statt, um gegen die Tötungen zu protestieren.
Teheran. Viele Menschen nahmen am Dienstag und Mittwoch an Gedenkfeiern auf dem großen Friedhof von Teheran teil. Die Gedenkveranstaltungen fanden 40 Tage – eine traditionelle Trauerzeit – seit den Nächten vom 8. und 9. Jänner statt, als tausende Menschen bei den Protesten getötet wurden. Auch in anderen iranischen Städten kam es zu Zeremonien.
Bei einer Veranstaltung am Dienstag zu Ehren des getöteten 19-jährigen Sepehr Shokri sagte sein Vater zu den versammelten Menschen: „Sprecht nicht vom Tod, sondern vom Leben und vom Glück“, denn sein Sohn habe sein Leben für sein Land gegeben.
Streiks an Schulen
Der Koordinierungsrat der iranischen Lehrergewerkschaften, eine unabhängige Gewerkschaftsorganisation, erklärte am Mittwoch, dass sein Aufruf zu Schulstreiks am Dienstag und Mittwoch von einer großen Zahl von Lehrern und Schülern angenommen worden sei. Mehrere Schulen in den Städten Teheran, Pakdascht, Waramin und Eslamschahr seien aufgrund der Abwesenheit von Schülerinnen und Schülern praktisch geschlossen gewesen.
„Diese Streiks fanden trotz Drohungen der Schulleiter, die selbst vom Bildungsministerium unter Druck gesetzt worden waren, gegenüber Schülerinnen und Schülern sowie dem Lehrpersonal statt“, erklärte die Gruppe.
Der iranische Justizminister Amin Hossein Rahimi bestätigte am Mittwoch gegenüber den staatlichen Medien, dass einige der während der Proteste festgenommenen Kinder und Jugendlichen weiterhin inhaftiert sind. Er sagte, dass „viele“ Minderjährige freigelassen worden seien, ohne jedoch anzugeben, wie viele festgenommen worden waren. Ehsan Azimirad, der Sprecher der Bildungskommission des Parlaments, sagte, dass 17 Prozent der Teilnehmenden an den landesweiten Protesten Teenager waren, darunter viele Schülerinnen und Schüler.
Auch an der Universität von Teheran kam es am Mittwoch zu friedlichen Protesten von Studierenden.
Dies geschieht vor dem Hintergrund zahlreicher Berichte, wonach seit den Protesten ein Großaufgebot an Sicherheitskräften in der Nähe oder innerhalb von Schulen positioniert wurden. Auch Universitäten und Studentenwohnheime sind ins Visier der Sicherheitskräfte geraten. Berichten zufolge wurden die Telefone von Studierenden durchsucht, während andere zu Verhören vorgeladen wurden. Die iranischen Behörden haben keine Gesamtzahlen zu den Festnahmen veröffentlicht.
Tudeh-Partei verurteilt Repression
Die kommunistische Tudeh-Partei des Irans verurteilte in einer Erklärung die anhaltende Welle von Unterdrückung und Festnahmen politischer Aktivistinnen und Aktivisten. Sie sieht darin ein Zeichen der Angst des Regimes vor jeder Stimme, die die offiziellen Darstellungen der tödlichen Protestnächte vom 8. und 9. Jänner infrage stellt – selbst aus dem reformorientierten Lager. Die Kommunistinnen und Kommunisten verweisen auf Khameneis Rede vom 1. Februar, in der er die Proteste erneut als „Aufruhr“ und „Putsch“ bezeichnete und die Gewalt des Staates rechtfertigte.
Die Partei warnt zudem vor drohenden Hinrichtungen und fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung aller politischen Gefangenen, Gewissensgefangenen, Gewerkschafter sowie von tausenden Menschen, deren Namen nach den Protesten nicht bekannt wurden.
Quelle: Al Jazeera/Tudeh-Partei
























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