Bei einem Besuch in einem zerstörten palästinensischen Dorf wurde der demokratische US-Kongressabgeordnete Ro Khanna nach eigenen Angaben mehr als eine Stunde lang von bewaffneten israelischen Siedlern festgehalten. Er wirft der israelischen Armee vor, die Siedler unterstützt statt eingegriffen zu haben.
Der demokratische US-Kongressabgeordnete Ro Khanna hat schwere Vorwürfe gegen israelische Siedler und die israelischen Streitkräfte (IDF) erhoben. Während eines Besuchs im südlichen Westjordanland sei er gemeinsam mit seinem Team über eine Stunde lang von bewaffneten Siedlern an der Weiterfahrt gehindert worden. Nach Angaben Khannas hätten eintreffende israelische Soldaten den Siedlern nicht Einhalt geboten, sondern sich stattdessen mit ihnen solidarisch gezeigt.
Khanna besuchte die Ruinen von Khibert Zanuta, einem kleinen palästinensischen Dorf, das nach einer Zunahme von Angriffen durch israelische Siedler aufgegeben wurde und inzwischen zerstört ist. Der US-Abgeordnete wollte sich vor Ort ein Bild von den Folgen der Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung machen.
„Sie haben die Schule zerstört, das gesamte Dorf“
In einem Interview schilderte Khanna die Ereignisse eindringlich.
„Wir befanden uns in dem Dorf, das israelische Siedler zerstört haben. Sie haben die Schule zerstört, das gesamte Dorf. Dann kamen diese Schläger mit automatischen Gewehren – M4-Gewehren amerikanischer Herstellung – und hielten uns fest. Sie blockierten die Straße und riefen anschließend die IDF, die auf ihrer Seite stand und nicht auf der Seite der Amerikaner.“
Nach Angaben der New York Times beschimpften die bewaffneten Siedler Khanna und seine Begleiter auf Hebräisch und Arabisch. Zudem traten sie gegen den Kleinbus, mit dem die Delegation unterwegs war, und blockierten die Ausfahrt aus dem Dorf.
Als Fahrzeuge der israelischen Armee eintrafen, hoffte Khanna zunächst auf Unterstützung. Stattdessen hätten sich die Soldaten mit den Siedlern unterhalten und geraucht. Nachdem die Siedler den Ort verlassen hatten, sei die Straße weiterhin blockiert worden.
Schwere Vorwürfe gegen die israelische Regierung
In einem späteren Beitrag auf der Plattform X verschärfte Khanna seine Kritik. Er beschuldigte die israelische Regierung, den Vorfall zu vertuschen.
„Die israelische Regierung lügt, um vier IDF-Soldaten zu decken, die gewalttätigen Siedlern mit M4-Gewehren geholfen haben, amerikanische Staatsbürger zu bedrohen. Ich fordere ihre Festnahme und strafrechtliche Verfolgung.“
Die israelischen Streitkräfte weisen diese Darstellung zurück. Nach Angaben der IDF seien Soldaten nach Eingang einer Meldung zum Einsatzort geschickt worden, hätten die israelischen Zivilisten rasch auseinandergetrieben und die blockierte Straße wieder geöffnet. Die eingesetzten Soldaten hätten sich nicht an der Straßensperre beteiligt. Khanna schilderte hingegen ein anderes Bild: „Ich fühlte mich hilflos.“
Erst nachdem es ihm gelungen war, die US-Botschaft in Jerusalem sowie die israelische Polizei zu kontaktieren, konnte die Gruppe ihre Fahrt fortsetzen.
Wenn das einem US-Kongressabgeordneten passiert…
Für Khanna wirft der Vorfall ein Schlaglicht auf die Situation der palästinensischen Bevölkerung im besetzten Westjordanland.
„Wenn so etwas einem Mitglied des amerikanischen Kongresses passieren kann, dann stellen Sie sich vor, wie das Leben der Palästinenser aussieht, die weder Smartphones noch Sicherheit noch eine nationale Plattform haben.“
Der Demokrat erklärte zudem, seine Eindrücke im Westjordanland würden seine politische Arbeit nachhaltig prägen. Unabhängig davon, ob er sich 2028 um die Präsidentschaft der USA bewerbe, wolle er im ganzen Land über die Situation der Palästinenser berichten.
„Ich werde jeden Winkel Amerikas bereisen, um ihre Geschichten zu erzählen und darüber zu berichten, was im Westjordanland geschieht.“
Weitere Angriffe auf Journalisten
Wie die Times of Israel berichtet, mussten Khanna und sein Team schließlich erst nach einem Eingreifen der US-Botschaft und mutmaßlich israelischer Polizeikräfte freigelassen werden.
Am selben Tag wurden außerdem vier israelische Siedler festgenommen, nachdem sie ein Kamerateam des US-Senders CNN im Ort Sinjil im Westjordanland angegriffen haben. Nach Angaben der israelischen Polizei hatten die Siedler das Fahrzeug der Journalistinnen und Journalisten beschädigt. Bei der Festnahme wurden in ihrem Auto Schlagstöcke und ein Messer sichergestellt.
Quelle: IlFattoQuotidiano






















































































