Anlässlich des 90. Jahrestages des Beginns des Spanischen Krieges im April und des Beschluss zur Entsendung Internationaler Brigaden durch die Komintern im August veranstaltete die Partei der Arbeit Österreichs (PdA) am 12. September eine gut besuchte Veranstaltung unter dem Titel „90 Jahre Spanischer Krieg: Proletarischer Internationalismus, Volksfront und Revolution“. Für die Veranstaltung war Eva García de Madariaga, Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei der Arbeiter Spaniens (PCTE), auf Einladung der PdA nach Wien angereist.
Stadtführung und bilateraler Austausch
Vor Beginn der Veranstaltung, unternahmen die Genossin der PCTE begleitet durch zwei Mitglieder des Parteivorstandes der PdA eine historische Tour durch Wien. Im Mittelpunkt der Führung standen Orte, die in Geschichte der kommunistischen und Arbeiterbewegung Österreichs von zentraler Bedeutung waren. Während der Tour wurden wichtige Ereignisse und Entwicklungen vor und während der bürgerlichen Ersten Republik, wie der Jännerstreik 1918, die Julirevolte 1927 und die Reformen des „Roten Wiens“ diskutiert. Auch der Widerstand der österreichischen Kommunistinnen und Kommunisten gegen den österreichischen Faschismus (1933–38) und den deutschen Faschismus (1938–45) sowie die Befreiung Wiens durch die Rote Armee waren Gegenstand der Führung.
Am Nachmittag fand ein bilateralen Treffen zur Lage der Arbeiterklasse in Österreich und in Spanien sowie den Aufgaben der PdA und der PCTE statt. Am Austausch nahmen von Seiten der Partei der Arbeit Otto Bruckner, Vorsitzender, Moritz Pamminger, Vorsitzender der Jugendfront, und Lukas Haslwanter, stellvertretender Vorsitzender, Teil. Beide Seiten betonten die Bedeutung der Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Kommunistischen Aktion (ECA), des Internationalen Treffens Kommunistischer und Arbeiterparteien (IMCWP) und darüber hinaus.
Die Österreichischen Spanienkämpfer
Zu Beginn der Veranstaltung erinnerte Moderator Markus Zeyringer an die historische Bedeutung des Spanischen Krieges. Der Kampf, der 1936 mit dem faschistischen Militärputsch gegen die Spanische Republik begann, war weit mehr als eine innerspanische Auseinandersetzung. In ihm trafen die großen politischen und gesellschaftlichen Kräfte ihrer Zeit unmittelbar aufeinander. Zehntausende Freiwillige aus aller Welt verstanden den Kampf gegen den Faschismus in Spanien deshalb als gemeinsame Aufgabe der internationalen Arbeiterklasse.
Den ersten Vortrag des Abends hielt Otto Bruckner. Er stellte den Einsatz der österreichischen Spanienkämpferinnen und ‑kämpfer in den Zusammenhang der Klassenkämpfe der Zwischenkriegszeit. Viele von ihnen waren bereits durch die Kämpfe der österreichischen Arbeiterbewegung geprägt worden – von den Auseinandersetzungen nach dem Ersten Weltkrieg über die Julirevolte 1927 bis zu den Februarkämpfen 1934. Für sie war Spanien daher kein ferner Konflikt, sondern eine Fortsetzung des Kampfes gegen Faschismus und Reaktion unter neuen Bedingungen. Rund 1.400 Österreicher schlossen sich den Internationalen Brigaden an, mehr als 70 Prozent von ihnen waren Kommunistinnen und Kommunisten. Ihr Einsatz, so Bruckner, war gelebter proletarischer Internationalismus und keine abstrakte Losung.
Ausführlich ging Bruckner auch auf die internationale Dimension des Krieges ein. Während Hitlerdeutschland und das faschistische Italien Franco mit Waffen, Truppen und militärischem Gerät unterstützten und in Spanien bereits für den kommenden Weltkrieg probten, betrieben die bürgerlichen Regierungen Europas ihre sogenannte Politik der Nichteinmischung“. Die Sowjetunion war dagegen der einzige Staat, der die Spanische Republik in bedeutendem Umfang militärisch unterstützte. Sie lieferte Waffen, Flugzeuge und Panzer und unterstützte gemeinsam mit der Kommunistischen Internationale den internationalen antifaschistischen Widerstand. Bruckner erinnerte außerdem daran, dass viele österreichische Spanienkämpferinnen und ‑kämpfer nach der Niederlage der Republik ihren Kampf gegen den Faschismus in der Illegalität, in Partisaneneinheiten oder anderen Widerstandsformationen fortsetzten.
Im Anschluss wurden drei österreichische Interbrigadisten vorgestellt: Max Bair, Bruno Furch und Hugo Müller. Ihre unterschiedlichen Lebenswege machten anschaulich, dass hinter dem Begriff der Internationalen Brigaden konkrete Menschen standen, die bereit waren, den Kampf gegen den Faschismus über die Grenzen ihres eigenen Landes hinaus zu führen.
Strategischen Erfahrungen und die Niederlage im Spanischen Krieg
Den zweiten Hauptbeitrag des Abends hielt Eva García de Madariaga von der Kommunistischen Partei der Arbeiter Spaniens. Sie stellte Ergebnisse der aktuellen Beschäftigung ihrer Partei mit den strategischen Erfahrungen und der Niederlage im Spanischen Krieg vor. Im Mittelpunkt stand dabei das Verhältnis zwischen der notwendigen militärischen Einheit gegen den Faschismus und der eigenständigen revolutionären Strategie der Arbeiterklasse. García de Madariaga zeichnete nach, wie Einheitsfront und Volksfront ursprünglich als taktische Bündnisformen verstanden wurden, im Verlauf des Krieges aber zunehmend einen eigenen strategischen Charakter annahmen. Damit rückte die Verteidigung der Republik und eines breiten klassenübergreifenden antifaschistischen Bündnisses immer stärker ins Zentrum, während die Frage der Arbeitermacht in den Hintergrund trat.
Gerade darin sieht die PCTE eine zentrale Lehre: Der notwendige Kampf gegen Faschismus und Reaktion darf nicht von der politischen Selbstständigkeit der Arbeiterklasse und der Perspektive des Kampfes um die Macht getrennt werden. Zugleich betonte García de Madariaga, dass diese Erfahrungen aus ihren konkreten historischen Bedingungen heraus verstanden werden müssen, um daraus Schlussfolgerungen für die heutigen Kämpfe ziehen zu können. Die Beteiligung der Kommunistische Partei Spaniens (PCE) am der Volksfrontregierung stellte sie dabei nicht grundsätzlich in Frage, vielmehr betonte sie, dass die PCE ab einem gewissen Punkt die Widersprüche innerhalb des republikanischen Bündnisses übersehen hat. Die Folge war, dass man vom Casado-Putsch im März 1939 unvorbereitet getroffen wurde und in der Folge tausende Kommunistinnen und Kommunisten an Franco ausgeliefert wurden.
Damit blieb der Abend nicht bei historischer Erinnerung stehen. Sowohl die Erfahrungen der Internationalen Brigaden als auch die Diskussion um Volksfront, Klassenmacht und revolutionäre Strategie werfen Fragen auf, die für die kommunistische Bewegung bis heute von Bedeutung sind. Proletarischer Internationalismus bedeutet dabei nicht nur Solidarität in Worten, sondern gemeinsames Handeln der Arbeiterklasse über Staatsgrenzen hinweg.
Nach den Vorträgen wurde gemeinsam die „Thälmann-Kolonne“ gesungen. Anschließend bestand bei Essen und Getränken noch ausführlich Gelegenheit zu diskutieren, sich auszutauschen und den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.



























































































