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Home Feuilleton Geschichte

Keine Rückkehr zur Krone: Warum Irans Zukunft nicht beim Schah liegt

22. Juni 2025
in Geschichte, Internationales
Keine Rückkehr zur Krone: Warum Irans Zukunft nicht beim Schah liegt

Charlie WEIMERS meets Crown Prince of IRAN Reza PAHLAVI

Nach Israels verbrecherischem Angriff auf den Iran mehren sich westliche Stimmen, die eine Rückkehr Reza Pahlavis ins Spiel bringen. Doch Irans Geschichte zeigt: Die Monarchie war eine Marionette des Imperialismus – und keine Alternative zur Theokratie.

Alte Gesichter, alte Abhängigkeiten

Die jüngste militärische Eskalation im Nahen Osten – ausgelöst durch den terroristischen israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen, militärische Stellungen und Städte – hat nicht nur die regionale Instabilität verschärft, sondern auch neue politische Debatten angestoßen. Während das theokratische Regime in Teheran die nationale Einheit im Kampf gegen jede Einmischung von außen beschwört, tauchen in verschiedenen Medien und politischen Kreisen außerhalb des Iran Spekulationen über eine Rückkehr des ehemaligen Thronfolgers Reza Pahlavi (II.) als neuer Schah als vermeintlich demokratische Alternative auf.

Doch dieser Vorstoß folgt einem bekannten Muster: Unter dem Deckmantel von Demokratie und Menschenrechten wird erneut ein Modell ins Spiel gebracht, das historisch gesehen eng mit Diktatur, Repression und imperialistischer Einflussnahme verflochten war. Die Geschichte der Schah-Herrschaft im Iran ist keine Geschichte der Freiheit, sondern eine der Unterwerfung.

Die Monarchie: Herrschaft im Dienste fremder Interessen

Die Pahlavi-Dynastie war kein unabhängiger Machtfaktor im Iran, sondern ein Produkt westlicher Intervention. Nach dem Sturz der demokratisch gewählten Regierung von Mohammad Mossadegh durch den Putsch von 1953 – organisiert vom US-amerikanischen CIA und dem britischen MI6 – wurde Schah Mohammad Reza Pahlavi, der bereits seit 1941 als Monarch amtiert hatte und zwischenzeitlich geflohen war, als absoluter Herrscher wieder eingesetzt. Sein Regime diente der Sicherung westlicher wirtschaftlicher und geostrategischer Interessen – allen voran dem Zugriff auf die iranischen Erdölressourcen.

Der sogenannte „Weiße Terror“ unter dem Schah unterdrückte jede Form von Opposition. Der gefürchtete Geheimdienst SAVAK – aufgebaut mit Unterstützung der USA und Israels – überwachte, verhaftete, folterte und tötete politische Gegner. Besonders betroffen waren kommunistische, fortschrittliche und demokratische Kräfte wie die Tudeh-Partei, die systematisch verfolgt und zerschlagen wurden. Mohammad Omidvar, Mitglied des Politbüros der Tudeh-Partei des Iran, erläuterte in einem Interview 2019 zum 40. Jahrestag der Revolution gegen das Regime des Schahs, wie die Kräfte des politischen Islams von der Repression des Schahs verschont wurden, weil ihre Prediger als Bollwerk gegen die Tudeh-Partei andere demokratische Kräfte angesehen wurden. Noch im Exil gab es Absprachen zwischen „dem damaligen US-Präsidenten Carter und Khomeini“, die zeigen, dass die USA bereit waren, „Khomeinis Regime zu tolerieren, vorausgesetzt, es garantiere, den Einfluss der Tudeh-Partei des Iran in der postrevolutionären Ära des Iran zu stoppen“.

Das Erbe des Schahs: Folter, Ausbeutung, Abhängigkeit

Der Schah unterdrückte Gewerkschaften, unterwanderte die Universitäten, unterdrückte ethnische Minderheiten und zerstörte jede Form politischer Organisierung, die sich für soziale Gerechtigkeit oder nationale Souveränität einsetzte. Die Ausplünderung des Iran durch die Pahlavi-Dynastie kann als Paradebeispiel für die Verflechtung von Monarchie und Imperialismus im 20. Jahrhundert angesehen. Vor allem während und nach dem Sturz von Schah Mohammad Reza Pahlavi wurde deutlich, welch enormer Reichtum aus dem Land ins Ausland transferiert wurde. Der Schah und seine Familie hinterließen ein Land in Armut, während sie selbst Milliardenwerte – Schmuck, Immobilien, Bankguthaben – außer Landes brachten. Zwar konnte die neue iranische Regierung keine eindeutigen Beweise für die gesamte Summe vorlegen, doch die Spuren führten zu Offshore-Konten, internationalen Banken und einem weit verzweigten Netz aus Vermögenswerten.

Diese Bereicherung der Pahlavis war eng verwoben mit ihrer Rolle als Partner der westlichen, kapitalistischen Staaten. Der Schah war lange Zeit ein treuer Verbündeter der USA und Großbritanniens – nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich, etwa durch die Sicherung des iranischen Marktes für ausländische Konzerne insbesondere in der Erdölindustrie. Nach der Revolution wollten dieselben Mächte, die ihn einst stützten, den gefallenen Monarchen und seine Familie nur zögerlich aufnehmen – so verkommen war ihr Regime. In der Folge führte Pahlavis Familie ein Leben im Exil, finanziert durch das durch Ausbeutung des Iran zusammengeraffte Familienvermögen, und präsentierte sich weiterhin als Hoffnungsträger einer vom Westen gewünschten „moderaten“ Alternative zur Islamischen Republik.

Heute wirkt die Pahlavi-Dynastie im Exil vor allem als Symbol für eine bestimmte Art von iranischer Opposition, die von Teilen der iranischen Diaspora, westlichen Geheimdiensten und politischen Akteuren als Werkzeug gegen das aktuelle Regime genutzt wird. Mit imperialen Titeln, teuren PR-Kampagnen, engem Kontakten zu westlichen Politikerinnen und Politikern sowie Besuchen bei Verbündeten wie Israel versuchen Reza Pahlavi und seine Unterstützerinnen und Unterstützer, eine Rückkehr der Monarchie als moderne, demokratische Alternative zu inszenieren. Doch diese Strategie bleibt tief in der Geschichte des Imperialismus verwurzelt – einer Geschichte, in der Eliten ganze Völker zugunsten des eigenen Machterhalts und westlicher Interessen ausgebeutet haben. Der Schah war kein Modernisierer, sondern ein Autokrat, dessen Macht auf Repression und ausländischer Protektion beruhte.

Dir Revolution gegen den Schah 1979 und das heutige theokratische Regime

Omidvar erklärte 2019, dass die Revolution 1979 ihre politische Phase mit dem Sturz des Regime des Schahs abschließen konnte, die jedoch daran scheiterte, in eine sozio-ökonomische und tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft überzugehen. Während die Revolution den Schah stürzte und erste Schritte wie die Verstaatlichung von Banken und Unternehmen sowie Landreformen ermöglichte, wurde sie durch die Einmischung des US-Imperialismus und den vom Westen unterstützten Iran-Irak-Krieg gestoppt. Dies schuf den Nährboden für Khomeini und seine Anhänger, um die fortschrittlichen Programme abzubrechen und stattdessen ein theokratisches Regime zu etablieren. Omidvar kritisiert, dass die „linken und demokratischen“ Kräfte es nicht schafften, sich zu einer geeinten Front zusammenzufinden, um den Verlauf der Revolution zu verändern.

Omidvar zieht ein kritisches Fazit zur Entwicklung des Iran nach der Revolution: Statt Freiheit, Demokratie, Gleichberechtigung und Rechte für Minderheiten zu gewährleisten, herrscht heute ein autoritäres, repressives Regime. Frauenrechte werden massiv eingeschränkt, etwa durch frühe Zwangsheiraten und Geschlechtertrennung in Bildung und öffentlichen Einrichtungen. Auch ethnische und religiöse Minderheiten leiden unter Unterdrückung. Gewerkschaften werden vom Staat verboten oder stark kontrolliert, unabhängige Arbeitervertretungen sind nicht erlaubt. Damit habe die Revolution ihre ursprünglichen Ideale weitgehend verraten und die Bevölkerung bleibt politisch und gesellschaftlich entrechtet.

Zur außenpolitischen Position des iranischen Regimes stellt Omidvar fest, dass zwar die antiimperialistische Rhetorik der Revolution – vor allem gegenüber den USA – eine wichtige Rolle spielte, diese jedoch von den religiösen Führern instrumentalisiert wurde, um ihre Macht zu festigen. Anders als die Tudeh-Partei, die auf internationale Solidarität und den Kampf gegen das monopolkapitalistische System setzt, hat das theokratische Regime die kapitalistische Wirtschaftsordnung erhalten und hinter einer islamischen Fassade versteckt. Außerdem zielt die Außenpolitik des theokratischen Regimes vor allem der Behauptung und Festigung als regionale Großmacht, was zu Konflikten mit anderen reaktionären Regimen in der Golfregion führt. Gerne wird auch vergessen, dass das Regime in Teheran laut Omidvar an entscheidenden Stellen imperialistische US-Aktionen, etwa durch die Öffnung des iranischen Luftraums für Angriffe im Irak unterstützte.

Keine Einmischung, keine Illusionen

Die Tudeh-Partei des Iran verurteilt die jüngsten israelischen Angriffe auf iranische Nuklearanlagen und die gezielten Morde an iranischen Militärführern und Wissenschaftlern als eine schwerwiegende Eskalation, die eine neue, gefährliche Phase militärischen Spannungen in der Region einläutet. Diese Angriffe sehen sie als Teil der expansiven, imperialistischen Strategien der USA und ihrer regionalen Verbündeten, allen voran der israelischen Regierung unter Netanjahu. Israel agiert mit westlicher Rückendeckung seit Jahrzehnten als Besatzungsmacht und Täter schwerster Menschenrechtsverletzungen gegenüber dem palästinensischen Volk, wird aber nicht zur Rechenschaft gezogen. Die Unterstützung der USA, Europas und weiterer westlicher Staaten, die militärisch und diplomatisch an der Seite Israels stehen, sei eine entscheidende Ursache für die anhaltende Gewalt und das Versagen der internationalen Institutionen, wie etwa der UNO und des Internationalen Strafgerichtshofs, wirksam gegen diese Aggressionen vorzugehen.

Die Tudeh-Partei weist zugleich darauf hin, dass die Politik der Islamischen Republik Iran selbst maßgeblich zur Verschärfung der Lage beiträgt. Das Regime der Velayat‑e Faqih habe seine Ressourcen in jahrelange Interventionen in Syrien, Irak und anderen Nachbarstaaten investiert und dort Stellvertreterkonflikte geschürt, was das Land wirtschaftlich schwächte. Diese Politik habe nicht nur die nationale Souveränität des Iran gefährdet, sondern auch die soziale Lage der iranischen Bevölkerung massiv verschlechtert, indem Armut und Arbeitslosigkeit zugenommen hätten. Die politische Führung nutze die äußeren Bedrohungen und die „heilige Verteidigung“ als Vorwand, um die Opposition zu unterdrücken und ihre Herrschaft zu festigen, während „israelische und amerikanische Geheimdienste das Regime bis ins Mark infiltriert“ haben. Schon am ersten Tag der terroristischen, israelischen Aggression gegen den Iran zeigte sich, „wie diese Infiltratoren im Iran ungehindert operieren und hochrangige Militärkommandeure genau identifizieren und ermorden konnte“. 

Vor dem Hintergrund dieser doppelten Bedrohung – von außen durch den sogenannten Westen und Israel sowie von innen durch ein autoritäres und korruptes Regime – warnt die Tudeh-Partei ausdrücklich vor der Gefahr, dass die direkte militärischen Intervention von außen, als Vorwand für einen sogenannten „Regimewechsel“ dienen könnte. Solche Eingriffe würden das Land weiter destabilisieren, Millionen Menschenleben gefährden und Iran zu einem weiteren Kriegsschauplatz machen, ähnlich wie Irak oder Syrien. Besonders beunruhigend sei die Unterstützung, die westliche Staaten den israelischen Angriffen leisten, indem sie beispielsweise die israelische Raketenabwehr mit modernster Technologie unterstützen und so aktiv an der Eskalation beteiligt sind. Reaktionäre und monarchistische Kräfte im Exil, die mit imperialistischen Mächten kooperieren, würden einen größeren Krieg begrüßen, um die islamische Republik zu stürzen, ohne Rücksicht auf das Leid der Bevölkerung.

Die Tudeh-Partei sieht daher die dringende Notwendigkeit, dass alle fortschrittlichen, demokratischen und friedliebenden Kräfte im Iran und in der gesamten Region zusammenarbeiten, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Nur durch eine gemeinsame Friedensinitiative, den Druck auf internationale Institutionen zur Durchsetzung von Recht und den Aufbau eines breiten Bündnisses gegen Kriegstreiberei könne ein größerer regionaler Konflikt abgewendet werden. Zugleich fordert die Partei einen demokratischen Systemwechsel im Iran, der die politische Macht aus den Händen des diktatorischen Regimes in die Hände des iranischen Volkes legt. Erst eine solche demokratische und soziale Umgestaltung könne dauerhaft Frieden, soziale Gerechtigkeit und nationale Souveränität garantieren und so das Land vor künftigen Katastrophen bewahren.

Quelle: soL/solidnet/solidnet

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