Exhumierung und Heimholung historischer Faschistenführer sowie die Errichtung eines „Pantheons herausragender Ukrainer“ – das sind die Themen, die den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenksyj, der seine Amstszeit dank Kriegsrecht schon längst überschritten hat, umtreiben.
Kiew. Die Ukraine in ihrer heutigen Form existiert als Staat erst seit 1991. Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde die Grenzziehung entlang der innerstaatlichen Grenzen gezogen, und die Ukraine erhielt das Gebiet der früheren Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Vorher hat ein Staat in diesen Grenzen niemals existiert. Historisch gehörte die Westukraine zum österreichisch-ungarischen Kaiserreich und zu Polen, während der Osten und der Süden Teil des russischen Zarenreichs war. Nach dem ersten Weltkrieg entstand kurz eine eigenständige ukrainische (bürgerlich-nationalistische) Volksrepublik auf einem Teil des heutigen Staatsgebietes, und schließlich nach dem Sieg der Kommunisten die sozialistische Ukraine als Teil der Sowjetunion.
Der einzige Bezugspunkt den die heutigen Polit-Eliten in Kiew historisch sehen, ist die OUN, die Organisation Ukrainischer Nationalisten und andere historische nationalistische Vereinigungen. Die OUN kollaborierte nach dem Einmarsch mit den Nazis, veranstaltete Massaker an Polen und Juden und träumte von der Errichtung eines eigenen völkischen Staatsgebildes. Hitler hatte daran allerdings kein Interesse, da er die Ukraine ebenso wie die gesamte Sowjetunion zerstören und als Teil des „Lebensraums“ der Deutschen neu besiedeln wollte. Der Faschistenführer Stepan Bandera, der das in seiner nationalistisch-faschistischen Verblendung nicht begreifen wollte, wurde kurzerhand in ein KZ gesteckt, allerdings nicht als normaler Hälftling mit allen damit verbundenen Torturen, sondern mit eigener Wohnung und Sonderbehandlung. Bandera wurde 1959 in seinem Münchner Exil von einem sowjetischen Agenten ermordet.
Aktuell plant Selenskyj die Heimholung der Asche des ersten OUN-Führers Jevhen Konovalets, den zweiten Führer, Andrij Melnyk haben die Ukrainer bereits in Ascheform importiert. Auch die Heimholung Banderas, der in München bestattet ist, ist geplant.
Die stellvertretende Außenministerin Mariana Betsa sagte im März dieses Jahres, dass diplomatische Vertreter bereits 98 Gräber von Ukrainern in 21 Ländern für die Errichtung eines „Pantheons“ identifiziert hätten, wobei es sich offenbar ausschließlich um historische Persönlichkeiten handelt, die zu einer der faschistischen oder nationalistischen Organisationen der Zeit nach dem ersten Weltkrieg und der 1930er-Jahre gehörten.
Alles ausmerzen will man hingegen, was mit der Geschichte der Sowjetunion zusammenhängt, deren Teil die Ukraine sieben Jahrzehnte lang war. Die „historischen Persönlichkeiten“ haben außer nationalischen Hasstiraden gegen andere Völker und der Verherrlichung der Ukrainer als Herrenmenschen (ähnlich den Nazis) nichts hinterlassen. Die Sowjetunion hingegen hat fast alles hinterlassen, was die Ukraine heute besitzt, beziehungsweise was Oligarchen oder internationale Konzerne besitzen: Die Fabriken, die Kraftwerke, die Schienen und die Straßen, die Schulen und Universitäten, die Wohnbauten, die riesigen Landwirtschaftsbetriebe usw.
Dass die ukrainischen Eliten sich in der Traditionslinie ihrer faschistischen Vorfahren sehen, stört im Kreis ihrer westlichen Unterstützer offenbar niemanden, schließlich sind das ja die „Guten“, die man als willfährige Bauernopfer im Krieg gegen Russland einsetzen kann.


















































































