Noch nie haben sich in Kärnten so viele Menschen erstmals an die Schuldnerberatung gewandt wie heuer. Die steigende Zahl der Erstberatungen gilt als Warnsignal für zunehmende finanzielle Belastungen – zugleich zeigt sie, dass Hilfsangebote leichter zugänglich geworden sind.
Klagenfurt. Mit 580 Erstberatungen verzeichnet die Schuldnerberatung Kärnten im laufenden Jahr einen neuen Höchststand. So viele Menschen wie noch nie suchten erstmals Unterstützung wegen finanzieller Probleme. Für Geschäftsführer Andreas Pregl ist das einerseits ein Alarmsignal angesichts der anhaltenden Teuerung, andererseits aber auch ein Hinweis darauf, dass die Beratungsangebote inzwischen mehr Menschen erreichen.
Nach Angaben der Schuldnerberatung tragen niederschwellige Angebote wie Vorträge, Workshops, Abendberatungen in Klagenfurt und Villach sowie verstärkte Öffentlichkeitsarbeit dazu bei, die Hemmschwelle für Betroffene zu senken. Viele würden sich dadurch früher Hilfe holen.
Wie belastend eine Überschuldung sein kann, zeigt das Beispiel einer Betroffenen: Nach mehreren persönlichen Schicksalsschlägen häuften sich bei ihr Schulden von rund 90.000 Euro an. Ausgaben für die Pflege ihres Mannes sowie laufende Kosten für Auto und Wohnung führten trotz sparsamer Lebensweise zu Exekutionen, Gerichtsverfahren und sozialem Rückzug. Mit Unterstützung der Schuldnerberatung konnte sie einen Weg zur Entschuldung einschlagen. Drei Jahre lang muss sie dafür fast die Hälfte ihres Einkommens – rund 700 Euro monatlich – für die Rückzahlung aufbringen.
Leicht rückläufig ist hingegen die Zahl der Schuldenregulierungsverfahren. Ein Grund dafür könnten etwa die Kosten eines Privatkonkurses sein. Allein die Verfahrenskosten liegen zwischen 540 und 600 Euro und stellen für manche Betroffene bereits eine zusätzliche finanzielle Hürde dar. Auch das Erfüllen der erforderlichen Rückzahlungsquoten falle vielen schwer.
Als häufigsten Auslöser für Zahlungsunfähigkeit nennt die Schuldnerberatung seit Jahren Arbeitslosigkeit. Daneben geraten laut Pregl auch Menschen beim Übergang in die Pension oder während der Karenz verstärkt in finanzielle Schwierigkeiten, wenn das Einkommen sinkt. Ebenso könnten mangelnde Finanzbildung oder wirtschaftliche Probleme bei Selbstständigen eine Überschuldung begünstigen.
Die Schuldnerberatung rät deshalb, finanzielle Probleme möglichst früh anzusprechen und nicht aus Scham hinauszuzögern. Je früher Unterstützung gesucht werde, desto größer seien die Chancen, gemeinsam Lösungen zu finden. Im Rahmen von Budgetberatungen wird zunächst die finanzielle Situation analysiert, anschließend ein individueller Finanzplan erstellt. Nach Angaben der Schuldnerberatung lassen sich dadurch häufig Einsparungen von zehn bis 15 Prozent erreichen.
Angesichts der anhaltenden Teuerung überrascht der Anstieg der Beratungszahlen kaum. Während Mieten, Energie, Lebensmittel und viele weitere Alltagsausgaben in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden sind, konnten zahlreiche Einkommen mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten. Wer bereits mit einem knappen Budget auskommen muss, gerät dadurch rasch unter finanziellen Druck. Unerwartete Ausgaben, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Wohnungswechsel oder andere Schicksalsschläge können die Situation zusätzlich verschärfen.
Quelle: ORF




















































































