Wien. Die Zahl der wohnungs- und obdachlosen Menschen in Österreich steigt bereits das dritte Jahr in Folge. Angesichts steigender Wohnkosten, unsicherer Mietverhältnisse und der Budgetkürzungen bei der Wohnungslosenhilfe warnt das Neunerhaus vor einer weiteren Verschärfung der Lage. Die Organisation sieht dringenden politischen Handlungsbedarf, um Wohnungslosigkeit wirksam zu bekämpfen und Armut nicht weiter zu verschärfen.
Nach Einschätzung von Neunerhaus-Geschäftsführerin Elisabeth Hammer treiben vor allem die stark steigenden Mieten im unteren Preissegment immer mehr Menschen an den Rand des Wohnungsverlusts. Gleichzeitig nehme die Zahl befristeter Mietverträge zu, wodurch sich die Unsicherheit für viele Haushalte weiter erhöhe. Vor diesem Hintergrund sei in den kommenden Jahren mit einem weiteren Anstieg der Wohnungslosigkeit zu rechnen – was sich zu den zunehmenden Krisenerscheinungen des Kapitalismus als weitere einreiht.
Besonders kritisch bewertet das Neunerhaus die Auswirkungen des jüngst beschlossenen Doppelbudgets. Die Kürzungen träfen auch die Wohnungslosenhilfe, obwohl der Bedarf an Unterstützung wachse. Zugleich würden öffentliche Förderungen nicht mit den gestiegenen Personalkosten Schritt halten. Das erschwere es sozialen Einrichtungen, ihre Angebote aufrechtzuerhalten, obwohl die Menschen, die Hilfe benötigen, zunehmend mit komplexen sozialen und gesundheitlichen Problemen konfrontiert seien und intensivere Betreuung bräuchten.
Aus Sicht der Organisation fehlt zudem eine soziale Folgenabschätzung der Sparmaßnahmen. Es müsse transparent gemacht werden, welche Bevölkerungsgruppen die Budgetkonsolidierung tatsächlich am stärksten belastet. Besonders Menschen mit niedrigen Einkommen dürften nicht die Hauptlast der Einsparungen tragen.
Mit Sorge beobachtet die Organisation außerdem den gesellschaftlichen Umgang mit Armut und Sozialleistungen. Die Debatte über die Sozialhilfe habe zu einer zunehmenden Entsolidarisierung beigetragen und Vorurteile gegenüber armutsbetroffenen Menschen verstärkt. Statt Armut zu verwalten, brauche es politische Maßnahmen, die Menschen dauerhaft aus prekären Lebenslagen herausführen und ihnen neue Perspektiven eröffnen.
Neben den strukturellen Problemen rückt das Neunerhaus auch die Folgen der Klimakrise in den Fokus. Hitzewellen stellten für obdachlose Menschen eine immer größere gesundheitliche Gefahr dar. Während sich Menschen mit ausreichenden finanziellen Mitteln in klimatisierte Räume zurückziehen könnten, fehle diese Möglichkeit jenen, die auf der Straße oder in beengten Wohnverhältnissen leben. Die Organisation fordert deshalb mehr öffentlich zugängliche, kühle Aufenthaltsorte ohne Konsumzwang sowie eine stärkere Berücksichtigung obdachloser Menschen in den Hitzeschutzplänen der öffentlichen Hand.
Wohnungslosigkeit lässt sich nicht allein mit Nothilfe bekämpfen. Notwendig seien leistbares Wohnen, eine wirksame Armutsbekämpfung und ausreichend ausgestattete soziale Einrichtungen. Wohnen ebenso wie Energie, Heizen und gesunde Nahrung ebenso wie Gesundheit sind Grundrechte, die im Kapitalismus immer mehr dem Markt und somit den Profiten zum Opfer fallen und für immer mehr Menschen auch in Österreich keine Selbstverständlichkeit mehr sind und prekär werden.

















































































