Unter dem Motto „Wir arbeiten nicht für den Krieg“ haben sich am Freitag, dem 30. Oktober, Hafenarbeiter auf fünf Kontinenten an einem internationalen Streik- und Aktionstag beteiligt. In rund 115 Häfen in 22 Ländern und Regionen kam es zu Arbeitsniederlegungen, Blockaden und Demonstrationen. Die Beschäftigten protestierten gegen Waffentransporte, die Militarisierung ziviler Infrastruktur und die imperialistische Kriegspolitik. Zugleich forderten sie höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und ein Ende des Sozialabbaus. Besonders umfangreiche Streiks fanden in Frankreich, Italien und Griechenland statt.
Von Australien bis an die Westküste der USA, von den europäischen Mittelmeerhäfen bis nach Nordafrika: Am 30. Oktober haben Hafenarbeiter rund um den Globus ein gemeinsames Zeichen gegen Krieg und Militarisierung gesetzt. Nach Angaben der italienischen Basisgewerkschaft Unione Sindacale di Base (USB) beteiligten sich mehr als 25 Gewerkschaftsorganisationen aus 22 Ländern und Regionen auf fünf Kontinenten an dem internationalen Aktionstag. Insgesamt waren rund 115 Häfen in die Mobilisierung einbezogen.
Die Aktionen begannen am frühen Morgen im australischen Melbourne und endeten mit einer Kundgebung in Oakland und San Francisco an der amerikanischen Westküste. Während in zahlreichen Mittelmeerhäfen 24 Stunden lang gestreikt wurde, fanden andernorts kürzere Arbeitsniederlegungen, Protestkundgebungen und Solidaritätsaktionen statt.
Die internationale Mobilisierung richtete sich insbesondere gegen den Transport von Waffen und militärischer Ausrüstung über zivile Häfen. Zugleich verbanden die beteiligten Gewerkschaften ihren Widerstand gegen die Kriegspolitik mit Forderungen nach höheren Löhnen, sicheren Arbeitsplätzen, besseren Arbeitsbedingungen und einer ausreichenden Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen.
Von Istanbul aus organisiert
Die Grundlage für den internationalen Aktionstag wurde bereits im Mai dieses Jahres gelegt. Bei einem Treffen von Hafenarbeitergewerkschaften in Istanbul beschlossen Vertreter aus Italien, Frankreich, Griechenland, der Türkei, Marokko und dem Baskenland, ihren Kampf gegen die Militarisierung der Häfen und den internationalen Waffenhandel enger zu koordinieren.
Die dort verabschiedete Istanbuler Erklärung stellte den Widerstand gegen den Krieg in Palästina, gegen imperialistische Aggressionen und gegen die zunehmende militärische Nutzung ziviler Verkehrsinfrastruktur in den Mittelpunkt. Ebenso wurde Solidarität mit den Völkern Kubas, Venezuelas und des Sudan bekundet. Die Erklärung verurteilte ausdrücklich auch die US-Blockade gegen Kuba.
Ursprünglich vertraten die beteiligten Gewerkschaften Beschäftigte aus etwas mehr als 40 Häfen des Mittelmeerraums und Europas. In den folgenden Monaten schlossen sich weitere Organisationen aus Asien, Amerika und Australien der Initiative an.
Damit entwickelte sich aus einer regionalen Zusammenarbeit ein international koordinierter Aktionstag, der weit über die ursprünglich beteiligten Länder hinausreichte.
Frankreich: 24 Stunden ohne Be- und Entladung
Besonders umfangreich waren die Arbeitsniederlegungen in Frankreich. Die Gewerkschaftsföderation CGT Ports et Docks hatte in 24 Häfen zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Rund 14.000 Hafenbeschäftigte, darunter etwa 7.500 Hafenarbeiter, waren von dem Aufruf erfasst.
Zu den betroffenen Häfen gehörten unter anderem Le Havre, Marseille, Dunkerque, Rouen, Bordeaux, Brest und Nantes-Saint-Nazaire.
In Le Havre, dem wichtigsten französischen Containerhafen, standen am Freitagmorgen keine Lastwagen vor den beiden Hafeneinfahrten. Der örtliche CGT-Gewerkschaftssekretär François Brisot erklärte, dass weder Schiffe be- noch entladen würden. Die Hafenverwaltung sprach allerdings von begrenzteren Auswirkungen und meldete acht verspätete Schiffsanläufe sowie die Absage eines Kreuzfahrtschiffbesuchs.
In Dunkerque waren die Terminals für Massengüter, Flüssigkeiten und Treibstoffe vollständig blockiert, während der Containerterminal weiterarbeitete. In Nantes-Saint-Nazaire konnten neun anliegende Schiffe nicht abgefertigt werden.
Der Streik richtete sich nicht allein gegen Waffentransporte. Die französischen Hafenarbeiter protestierten ebenso gegen die Haushaltspläne der Regierung, die nach Einschätzung der Gewerkschaften die sozialen Sicherungssysteme weiter schwächen. Sie forderten höhere Mindestlöhne und Gehälter sowie den Schutz des öffentlichen Gesundheits- und Bildungswesens.
Die französischen Gewerkschaften kündigten außerdem ihre Beteiligung am landesweiten Streiktag am 5. November an.
Italien: Hafenstreik trifft auf landesweiten Generalstreik
In Italien fiel die internationale Mobilisierung mit einem landesweiten Generalstreik zusammen, zu dem die USB und weitere Gewerkschaften aufgerufen hatten. In mehr als 50 Städten fanden Demonstrationen statt. Die Proteste richteten sich gegen die steigenden Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne, Sozialabbau und die zunehmende Ausrichtung der Wirtschaft auf Krieg und Aufrüstung.
In neun italienischen Häfen organisierten USB und ORSA Porti 24-stündige Arbeitsniederlegungen. Besonders sichtbar waren die Aktionen in Genua, Livorno und Triest.
In Genua blockierten Hafenarbeiter am frühen Morgen mit großen Fahrzeugreifen den Albertazzi-Zugang zum Hafen. An der Aktion beteiligten sich neben der USB auch Mitglieder des Autonomen Hafenarbeiterkollektivs CALP, Studierende und Beschäftigte anderer Branchen.
In Livorno verweigerten Hafenarbeiter die Abfertigung des Containerschiffes Sunaid X, das nach Angaben der örtlichen Gewerkschaften die NATO-Militärbasis Sigonella versorgt. Sowohl die Nacht- als auch die Frühschicht beteiligten sich an der Verweigerung. Gewerkschafter und Aktivisten organisierten zudem Streikposten an mehreren Hafenzugängen.
Auch in Triest gingen Tausende Menschen auf die Straße. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA beteiligten sich dort rund 4.500 Menschen an einer Demonstration, die vom Hafen in die Innenstadt führte.
Die Verbindung des Hafenarbeiterstreiks mit dem Generalstreik verdeutlichte, dass sich der Widerstand gegen die Kriegspolitik nicht auf die Beschäftigten der Transportbranche beschränkt. Die Gewerkschaften stellten einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen steigenden Militärausgaben, sinkender Kaufkraft und der Verschlechterung öffentlicher Dienstleistungen her.
Griechenland: Hafen von Piräus steht still
Eines der Zentren der internationalen Mobilisierung war Griechenland. Im Hafen von Piräus, einem der bedeutendsten Umschlagplätze des Mittelmeerraums, beteiligten sich rund 3.000 Beschäftigte an der Arbeitsniederlegung. Die Be- und Entladung von Schiffen kam zum Erliegen.
Auch die griechischen Seeleute beteiligten sich am Streik. Aufgrund der Arbeitsniederlegungen der Gewerkschaften PEMEN, PENEN und Stefenson fielen zahlreiche Fährverbindungen zwischen dem Festland und den Inseln der Ägäis aus.
Neben dem Widerstand gegen militärische Transporte forderten die Seeleute höhere Löhne, bessere Kollektivverträge, ausreichende Besatzungsstärken und wirksame Sicherheitsmaßnahmen. Zu ihren Forderungen gehörten außerdem eine Lohnerhöhung um zwölf Prozent und die Einführung einer 35-Stunden-Woche.
Die Gewerkschaften verwiesen insbesondere auf die Gefahren, denen Seeleute durch die Kriege im Nahen Osten und im Schwarzen Meer ausgesetzt sind. Sie lehnten es ab, dass Beschäftigte gezwungen werden, unter lebensgefährlichen Bedingungen militärische Transporte durchzuführen.
In Piräus demonstrierten neben den Hafenarbeitern auch Beschäftigte anderer Branchen, Studierende und Schüler. Auch in Thessaloniki beteiligten sich Tausende Menschen an einer Demonstration, die durch die Innenstadt bis zum Hafen führte.
Dort standen neben den Hafenarbeitern unter anderem Eisenbahner, Beschäftigte des öffentlichen Nahverkehrs, Bauarbeiter und Metallarbeiter auf der Straße. Die Demonstranten protestierten gegen die Einbindung des Hafens, des Eisenbahnnetzes und weiterer Verkehrseinrichtungen in die militärische Infrastruktur der NATO.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Beschäftigten der Metro Thessaloniki, Giorgos Rimpas, betonte in seiner Rede, dass die Arbeiter Griechenlands und der Türkei keine gegensätzlichen Interessen hätten. Nicht die Beschäftigten anderer Länder seien ihre Gegner, sondern jene, die sie ausbeuten und von ihnen verlangen, für fremde wirtschaftliche Interessen in den Krieg zu ziehen.
Auch der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), Dimitris Koutsoumbas, erklärte bei der Streikkundgebung in Piräus seine Solidarität mit den Hafenarbeitern. Er forderte Häfen im Dienste der Völker statt militärischer Stützpunkte und Ausgangspunkte imperialistischer Kriege.
Die kämpferische Gewerkschaftsfront PAME bezeichnete den 30. Oktober als historisches Ereignis für die internationale Arbeiterbewegung. Zugleich kritisierte sie, dass zahlreiche große griechische Medien den Streik weitgehend ignoriert hätten.
Von der Türkei bis nach Indien und Amerika
Auch außerhalb der europäischen Mittelmeerhäfen fanden zahlreiche Aktionen statt.
In der Türkei beteiligte sich die Gewerkschaft Liman-İş an der internationalen Mobilisierung. In Istanbul versammelten sich Beschäftigte und solidarische Organisationen am Hafen Haydarpaşa. Die Gewerkschaft LİMTER-İŞ forderte dort ein Ende der militärischen Transporte und der Zusammenarbeit mit Israel.
Weitere Aktionen fanden unter anderem in Mersin und Gemlik statt.
In Marokko beteiligten sich Hafenarbeiter am bedeutenden Umschlagplatz Tanger Med an zeitlich begrenzten Arbeitsniederlegungen. Auch im Baskenland, in Spanien und auf Zypern fanden entsprechende Aktionen statt.
In Deutschland beteiligten sich Gewerkschafter und Aktivisten unter anderem in Hamburg an der internationalen Mobilisierung. Weitere Kundgebungen und Solidaritätsaktionen wurden aus Irland, Dänemark und Schweden gemeldet.
In Indien musste der ursprünglich für elf Häfen angekündigte Streik nach Angaben der USB wegen ungünstiger Wetterbedingungen ausgesetzt werden. Dennoch beteiligten sich nach Angaben der indischen Wassertransportarbeiterföderation WTWFI rund 5.000 Beschäftigte an Protestaktionen. Die Gewerkschaft erklärte, dass es sich aufgrund der geltenden arbeitsrechtlichen Vorschriften um Demonstrationen und nicht um reguläre Streiks gehandelt habe.
Auch auf dem amerikanischen Kontinent wurde die internationale Initiative unterstützt. In Mexiko, Brasilien und Uruguay beteiligten sich Gewerkschaften an der Mobilisierung beziehungsweise organisierten entsprechende Aktionen. An der amerikanischen Westküste unterstützten die Ortsgruppen 10 und 34 der International Longshore and Warehouse Union (ILWU) den Aktionstag.
In Australien wurde die internationale Mobilisierung ebenfalls durch gewerkschaftliche und solidarische Aktivitäten begleitet.
Hafenarbeiter greifen in die militärischen Lieferketten ein
Die besondere Bedeutung des internationalen Streiks ergibt sich aus der strategischen Stellung der Hafenarbeiter innerhalb des Welthandels. Ein Großteil des internationalen Warenverkehrs wird auf dem Seeweg abgewickelt. Ohne die Arbeit der Beschäftigten in Häfen, Lagerhäusern und Transportbetrieben können weder gewöhnliche Handelswaren noch Waffen und militärische Ausrüstung ihre Bestimmungsorte erreichen.
Die internationale Kampagne No Harbour for Genocide dokumentierte nach eigenen Angaben zwischen August 2025 und September 2026 insgesamt 315 Lieferungen von Komponenten für den israelischen Rüstungskonzern Elbit Systems, die über 56 kommerzielle Häfen in 29 Ländern transportiert wurden.
Die Hafenarbeiter haben bereits in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, entsprechende Lieferungen zu verhindern. So blockierten griechische Gewerkschafter im Oktober 2024 die Verladung eines Containers mit 21 Tonnen Munition, die für Israel bestimmt gewesen sein soll. Gegen den Gewerkschaftsvorsitzenden Markos Bekris wurden deshalb strafrechtliche Schritte eingeleitet.
Der internationale Aktionstag führte diese bislang häufig auf einzelne Häfen beschränkten Kämpfe zusammen.
Nach Schätzungen, auf die sich die USB beruft, könnten allein durch die ganztägigen Streiks rund 55.000 Container betroffen gewesen sein. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Kosten wurden auf etwa 60 Millionen Euro geschätzt. Diese Zahlen sind bislang nicht unabhängig bestätigt. Hinzu kommen mögliche Folgewirkungen durch verspätete Transporte sowie die Auswirkungen des italienischen Generalstreiks.
Unabhängig von der genauen wirtschaftlichen Schadenshöhe zeigte der Aktionstag, dass organisierte Beschäftigte an entscheidenden Knotenpunkten der internationalen Waren- und Militärtransporte erheblichen Einfluss ausüben können.
Widerstand gegen Krieg und Sozialabbau gehören zusammen
Die beteiligten Gewerkschaften richteten sich nicht nur gegen einzelne Waffenlieferungen. Im Mittelpunkt ihrer Kritik stand die zunehmende Militarisierung der gesamten Transportinfrastruktur.
Insbesondere in der Europäischen Union wird daran gearbeitet, zivile Häfen, Eisenbahnstrecken, Straßen und Logistikzentren stärker für militärische Transporte nutzbar zu machen. Die Gewerkschaften wenden sich gegen entsprechende Vorhaben zur sogenannten militärischen Mobilität.
Gleichzeitig kritisieren sie, dass Regierungen immer größere Mittel für Aufrüstung bereitstellen, während bei öffentlichen Dienstleistungen gespart wird und die Löhne vieler Beschäftigter mit der Teuerung nicht Schritt halten.
Hinzu kommen die zunehmende Automatisierung der Hafenanlagen, Arbeitsplatzunsicherheit und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.
Der internationale Hafenarbeiterstreik machte damit deutlich, dass die Auseinandersetzung um Krieg und Frieden für die Beschäftigten keine von ihrem Arbeitsalltag getrennte Frage ist. Die Militarisierung ihrer Arbeitsplätze, die Gefährdung von Seeleuten in Kriegsgebieten und die wirtschaftlichen Folgen steigender Rüstungsausgaben betreffen sie unmittelbar.
Die internationale Zusammenarbeit der Gewerkschaften stellt zugleich einen Gegenpol zum Chauvinismus und Nationalismus dar, die durch die imperialistischen Mächte geschürt werden. Während Regierungen und Konzerne um Handelswege, Rohstoffe, Märkte und Einflussgebiete konkurrieren, organisierten Beschäftigte aus unterschiedlichen Ländern einen gemeinsamen Kampf.
Ein Ausgangspunkt für weitere internationale Arbeitskämpfe
Die italienische USB bewertete den 30. Oktober als einen historischen Tag der internationalen Arbeiterbewegung. Die Gewerkschaft kündigte an, die Zusammenarbeit fortzusetzen und bei künftigen Mobilisierungen noch mehr Länder und Branchen einzubeziehen.
Auch die griechische PAME rief dazu auf, die Erfahrungen des internationalen Hafenarbeiterstreiks in die Betriebe und Gewerkschaften zu tragen. In Griechenland soll der Kampf mit einem landesweiten Generalstreik am 25. November fortgesetzt werden.
Der 30. Oktober hat gezeigt, welches Potenzial in der internationalen Koordinierung gewerkschaftlicher Kämpfe liegt. Erstmals in diesem Umfang verbanden Hafenarbeiter auf fünf Kontinenten ihren Widerstand gegen militärische Transporte mit gemeinsamen Forderungen nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Die Häfen sind zentrale Knotenpunkte der kapitalistischen Weltwirtschaft. Dass die Beschäftigten dort nicht nur gegen die Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen kämpfen, sondern auch die militärische Nutzung dieser Infrastruktur infrage stellen, verleiht ihren Aktionen eine Bedeutung, die weit über die Hafenanlagen hinausreicht.
Quelle: ICP/USB/902.gr/902.gr/Le Parisien/Maritima/AJ/soL Haber/bianet



















































































