Nachdem das britische Innenministerium beschlossen hatte, ein ehemaliges Militärgelände in der Grafschaft Oxfordshire in eine Asylunterkunft umzuwandeln, stimmte das Dorf Piddington in einem rechtlich nicht bindenden Referendum für eine Abspaltung vom Vereinigten Königreich. Die 350 Einwohnerinnen und Einwohner fühlten sich angeblich in ihrer Sicherheit und Lebensqualität bedroht. Während die Protestaktion vor allem von rechten Parteien unterstützt wird, verweist die regierende Labour-Partei darauf, dass auch ländliche Gemeinden Verantwortung übernehmen müssten.
Piddington. Bei einer nicht rechtsverbindlichen Wahl stimmte eine große Mehrheit der Gemeindemitglieder Piddingtons in Oxfordshire symbolisch für einen Austritt aus dem Vereinigten Königreich. In dem aus etwa 350 Bewohnerinnen und Bewohnern bestehenden Dorf stimmten bei der Wahl 285 für und 26 gegen den Austritt. Anschließend stellte eine Gruppe ein Schild mit der Aufschrift „Principality of Piddington“ („Fürstentum Piddington“) auf, was eine souveräne Unabhängigkeit von der Krone andeuten würde. 133 Bewohnerinnen der kleinen Gemeinde schrieben einen offenen Brief an weibliche Abgeordnete, um ihre Sorgen zu äußern und in der Hoffnung, damit Gehör zu finden.
Anlass des symbolischen Referendums war der Entschluss der regierenden Labour-Partei, ein nahe gelegenes, verlassenes Militärgelände in eine Asylunterkunft umzuwandeln. In dieser sollen über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr als 1.200 überwiegend männliche Asylbewerber untergebracht werden. Aufgrund des großen Unterschieds zwischen der Einwohnerzahl des Dorfes und der geplanten Anzahl an Asylbewerbern befürchten nun viele, dass dieser Entschluss negative Konsequenzen für ihre Sicherheit und Lebensqualität haben könnte. Mike Nixon, Gemeinderat von Piddington, wies außerdem darauf hin, dass das geplante Gelände über keinen Fußgängerweg verfügt und die nächste Straße mehr als eine Meile entfernt und unbeleuchtet ist.
Die Bewegung fand vor allem bei rechtskonservativen und rechtspopulistischen Parteien und Organisationen wie Reform UK und der rechtsextremen Restore Britain Anklang. Letztere nutzte das Referendum als weiteren Aufruf zur Remigration. Der Plan, ehemalige Militärgelände als Unterkünfte zu verwenden, soll eine teure Hotelnutzung ersetzen, wie man es bisher tat. Laut dem Innenministerium könnte dies den Steuerzahlern sogar über eine Milliarde Pfund ersparen. Der britische Premierminister Andy Burnham hält aus diesem Grund an den Plänen fest und betont, dass auch wohlhabendere Gemeinden wie Piddingtons Verantwortung übernehmen müssten und nicht nur ärmere. Zudem sei die Anzahl der Flüchtlingsboote momentan auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren und seit 2024 habe die Labour Party bereits über 80.000 Menschen abschieben können.
Das Referendum Piddingtons hatte zwar keinen direkten Einfluss auf die englische Politik, dennoch lassen sich darin viele sich wiederholende Muster erkennen. Die Labour-Regierung versucht, die Kosten der Asylunterbringung zu senken, ohne zu berücksichtigen, welche Auswirkungen eine Massenaufteilung auf die lokale Arbeiterschaft haben kann. Diese Situation wird nicht nur von der Regierung, sondern auch von rechten Bewegungen ausgenutzt, um systematische Probleme und Ungleichheiten von gesellschaftlichen und ökonomischen Gegensätzen auf jene von „Einheimischen“ und „Ausländern“ abzulenken und davon zu profitieren. Reale soziale Konflikte innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft werden also in nationalistische und rassistische umgewandelt – und wieder sind es Arbeiterinnen und Arbeiter, die die Vernachlässigung ausbaden müssen.
Quellen: Tagesschau/The Guardian/Welt/Kurier





















































































