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Home Internationales

Wenn die KI für den Imperialismus tötet

17. Juni 2026
in Internationales
Wenn die KI für den Imperialismus tötet

Washington. Die Nutzung künstlicher Intelligenz in der Kriegsführung ist keine abstrakte Zukunftsfrage mehr, sondern bereits militärische Praxis. Die jüngsten Enthüllungen über den Einsatz eines auf Elon Musks Grok basierenden KI-Systems im Krieg gegen den Iran zeigen, wie weit die Automatisierung militärischer Zielauswahl bereits fortgeschritten ist. Entwickelt und betrieben wird diese Infrastruktur nicht losgelöst vom Staat, sondern im engen Zusammenwirken von Pentagon, Geheimdiensten und milliardenschweren Technologiekonzernen.

Damit wird eine Entwicklung sichtbar, die nicht als bloßer technischer Fortschritt missverstanden werden darf. KI ist im Krieg kein neutrales Werkzeug, das zufällig auch militärisch verwendet wird. Sie ist unter den Bedingungen des Imperialismus ein Mittel zur Beschleunigung, Präzisierung und Verschleierung organisierter Gewalt. Der Krieg wird nicht weniger brutal, weil er digitaler wird. Er wird schneller, datengetriebener und schwerer politisch zurechenbar.

Laut Angaben aus dem Umfeld des Pentagons ermöglichte das eingesetzte System innerhalb von nur 96 Stunden die Zuweisung von mehr als 2.000 Geschossen auf 2.000 verschiedene Ziele. Was als „operationelle Effizienz“ gefeiert wird, bedeutet in der Realität: Zielerfassung, Angriffsvorbereitung und Tötung werden industriell beschleunigt. Menschen erscheinen in dieser Logik nicht mehr als Menschen, sondern als Datensätze, Verdachtsprofile und Koordinaten.

Silicon Valley als Waffenfabrik

Der Mythos vom neutralen technologischen Fortschritt hält der Realität immer weniger stand. Die großen Technologiekonzerne sind längst zu zentralen Bestandteilen des militärisch-industriellen Komplexes geworden. Ob Palantir, SpaceX, xAI oder andere KI-Unternehmen: Die Grenze zwischen ziviler Technologie und militärischer Anwendung ist nicht einfach unscharf geworden, sie wird systematisch aufgehoben.

Wo klassische Rüstungskonzerne Panzer, Raketen und Bomber liefern, liefern Datenkonzerne heute Zielerfassung, Überwachungssysteme, Kommunikationsinfrastruktur, Satellitendaten und künstliche Intelligenz. Die Form der Ware hat sich verändert, ihr Zweck nicht. Es geht um militärische Überlegenheit, um Kontrolle, um Zugriff auf Räume, Rohstoffe und Bevölkerungen.

All das ist kein Zufall. Der Imperialismus bedeutet die Herrschaft des Monopolkapitals, seine Verschmelzung mit dem Staat und die gewaltsame Durchsetzung ökonomischer Interessen nach außen. Die heutigen Technologiekonzerne stehen nicht außerhalb dieses Prozesses. Sie sind seine modernsten Abteilungen.

Der bürgerliche Liberalismus erzählt gerne die Geschichte von innovativen Unternehmen, die den Fortschritt vorantreiben. Die Wirklichkeit ist nüchterner. Dieselben Konzerne, die ihre Produkte als Dienste für Kommunikation, Forschung oder Produktivität verkaufen, liefern die technische Grundlage für Überwachung, Zielauswahl und Krieg.

Besonders deutlich wird das an der Sprache der Verantwortlichen. Die Fähigkeit, innerhalb kürzester Zeit tausende Ziele zu erfassen und anzugreifen, wird nicht als Gefahr, sondern als Effizienzgewinn beschrieben. In dieser Logik wird militärische Gewalt zur technischen Leistungskennzahl. Der Tod von Menschen erscheint als verwaltbare Größe in einem System militärischer Optimierung.

Die Illusion der objektiven Maschine

Befürworter solcher Systeme behaupten regelmäßig, künstliche Intelligenz könne präziser und rationaler arbeiten als Menschen. Diese Behauptung ist politisch nützlich, aber analytisch falsch. KI-Systeme sind nicht objektiv. Sie beruhen auf Daten, Modellen, Klassifikationen und Zielvorgaben, die von Menschen unter konkreten gesellschaftlichen Bedingungen erzeugt werden.

Algorithmen besitzen kein moralisches Urteilsvermögen. Sie verstehen weder Krieg noch menschliches Leid. Sie verarbeiten Informationen nach vorgegebenen Kriterien und erzeugen Wahrscheinlichkeiten. Fehlerhafte Datenbanken, veraltete Einträge, unvollständige Informationen und politische Vorannahmen verschwinden durch Automatisierung nicht. Sie werden schneller reproduziert.

Gerade darin liegt die besondere Gefahr. Berichte über einen Angriff auf eine Schule im Iran, bei dem mehr als 160 Menschen getötet worden sein sollen, zeigen, welche Folgen diese Entwicklung haben kann. Wenn veraltete Datensätze automatisiert verarbeitet werden und menschliche Kontrolle nur noch formal besteht, dann entstehen Katastrophen nicht trotz, sondern gerade wegen dieser „Effizienz“.

Die Verantwortung wird dabei nicht abgeschafft, sondern verschleiert. Niemand war es gewesen. Der Algorithmus habe eine Empfehlung abgegeben. Die Daten hätten auf ein Ziel hingedeutet. Das System habe eine Bedrohung erkannt. Am Ende bleibt eine moderne Form der Verantwortungsflucht: Die Entscheidung wurde getroffen, aber der Entscheider verschwindet hinter Software, Verfahren und angeblicher Sachlogik.

Die Opfer bleiben dennoch tot.

Der Imperialismus automatisiert den Krieg

Technologie ist niemals neutral. Sie wird unter bestehenden Eigentums- und Machtverhältnissen entwickelt, finanziert, kontrolliert und eingesetzt. Im Kapitalismus dient technischer Fortschritt nicht dem gesellschaftlichen Fortschritt. Er dient den Interessen jener Klasse, die über Produktionsmittel, Kapital und Staatsmacht verfügt.

Künstliche Intelligenz könnte unter anderen gesellschaftlichen Bedingungen dazu dienen, Arbeitszeit zu verkürzen, medizinische Forschung zu verbessern, Ressourcen planvoll einzusetzen und gefährliche Tätigkeiten zu reduzieren. Unter den Bedingungen des Imperialismus wird sie jedoch in die Logik von Konkurrenz, Überwachung und Krieg eingespannt.

Der Imperialismus sucht ständig nach Mitteln, seine militärische Überlegenheit auszubauen. Künstliche Intelligenz verspricht genau das: schnellere Zielerfassung, umfassendere Auswertung von Geheimdienstinformationen, höhere Schlagkraft, billigere Kriegsführung und geringere politische Kosten für die angreifende Macht. Der Traum der Herrschenden besteht nicht darin, Kriege zu verhindern. Er besteht darin, Kriege führen zu können, ohne die Belastung großer eigener Verluste tragen zu müssen.

Der Krieg soll entpersonalisiert werden. Die Maschine soll töten, während die politische Verantwortung im Nebel technischer Prozesse verschwindet. Der Drohnenpilot sitzt nicht mehr über dem Schlachtfeld, der Offizier blickt nicht mehr in die Gesichter der Opfer, die Entscheidung wird in ein System aus Daten, Modellen und Befehlsketten ausgelagert.

Das ist keine moralische Entgleisung einzelner Unternehmen. Es ist die logische Weiterentwicklung imperialistischer Kriegsführung. Wenn Monopole und Staat verschmelzen, wenn zivile Infrastruktur militärisch nutzbar gemacht wird und wenn Forschung unmittelbar in Kriegsfähigkeit übersetzt wird, dann zeigt sich der Klassencharakter des technischen Fortschritts im Kapitalismus besonders deutlich.

Bürgerliche Kritik bleibt an der Oberfläche

Inzwischen warnen Kirchen, Menschenrechtsorganisationen, Wissenschaftler und Teile der Technologiebranche vor dem Einsatz künstlicher Intelligenz in der sogenannten „Tötungskette“. Diese Warnungen sind berechtigt. Sie weisen auf reale Gefahren hin: auf die Aushöhlung menschlicher Kontrolle, auf Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht, auf die Unmöglichkeit, Verantwortung klar zuzuweisen, und auf die Gefahr massenhafter ziviler Opfer.

Doch viele dieser Kritiken bleiben bürgerlich begrenzt. Sie fordern Transparenz, ethische Leitlinien, Regulierung und verantwortungsvolle Unternehmenspolitik. Das ist nicht falsch, aber unzureichend. Denn das eigentliche Problem liegt nicht darin, dass die Maschine falsch reguliert ist. Das Problem liegt darin, dass die Maschine im Dienst des Kapitals und seiner Staaten steht.

Solange imperialistische Staaten Kriege führen, werden sie Technologien zur Kriegsführung einsetzen. Solange Monopolkonzerne an militärischen Aufträgen verdienen, werden sie entsprechende Systeme entwickeln. Solange Profite, Rohstoffe, Einflusszonen und geopolitische Vorherrschaft den Kern imperialistischer Politik bilden, wird jede neue Technologie früher oder später in diese Logik eingegliedert.

Die bürgerliche Forderung nach „ethischer KI“ im Krieg ist daher in sich widersprüchlich. Sie will die Tötungskette humanisieren, ohne die Tötungskette selbst infrage zu stellen. Sie will den Imperialismus zivilisieren, ohne seine ökonomischen Grundlagen anzutasten. Sie will den Krieg regelkonform machen, statt die gesellschaftliche Ordnung zu bekämpfen, die ihn hervorbringt.

Maschinen töten nicht – Klasseninteressen töten

Die Digitalisierung der Kriegsführung bedeutet nicht weniger Gewalt, sondern ihre Rationalisierung und Beschleunigung. Sie verändert die Form des Krieges, aber nicht seinen Klassencharakter. Nicht die künstliche Intelligenz führt Krieg. Krieg führen weiterhin Staaten, Monopole und herrschende Klassen.

Die Algorithmen sind die neuesten Werkzeuge eines Imperialismus, der für Profite, Rohstoffe, Märkte, Handelswege und politische Vorherrschaft bereit ist, ganze Länder zu verwüsten. Sie sind keine eigenständigen historischen Akteure, sondern Instrumente der Macht jener Klasse, die über sie verfügt.

Während Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit mit steigenden Lebenshaltungskosten, Wohnungsnot, Sozialabbau und unsicheren Arbeitsverhältnissen konfrontiert sind, investieren Staaten und Konzerne Milliarden in Systeme, die Menschen effizienter überwachen, identifizieren und vernichten sollen. Für Schulen, Krankenhäuser, Pflege, Wohnen und soziale Sicherheit fehlt angeblich das Geld. Für Serverfarmen, Zielsysteme, Drohnen, Raketen und KI-gestützte Kriegsführung ist es vorhanden. So sieht die Prioritätensetzung des Imperialismus aus.

Die Frage lautet daher nicht, ob Maschinen töten dürfen. Die eigentliche Frage lautet, warum eine kleine Klasse von Konzernbesitzern, Militärs und politischen Eliten überhaupt die Macht besitzt, über Leben und Tod von Millionen Menschen zu entscheiden. Nicht die Maschine muss befreit werden, sondern die Gesellschaft von jenen Klassenverhältnissen, die jede Maschine früher oder später in den Dienst von Profit, Krieg und Unterdrückung stellen.

Quelle: ORF / ORF

 

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Schlagworte: AntiimperialismusDigitalisierungElon MuskGrokImperialismusIranKriegsführungKriegstechnologieKünstliche IntelligenzMilitärisch-industrieller KomplexMilitarisierungMonopolkapitalPalantirPentagon

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