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Home Feuilleton Geschichte

Laakirchen: SPÖ-Bürgermeister drängt Mahnmal für ermordete Widerstandskämpfer aus dem Stadtzentrum

12. Feber 2026
in Geschichte, Politik
Laakirchen: SPÖ-Bürgermeister drängt Mahnmal für ermordete Widerstandskämpfer aus dem Stadtzentrum

Laakirchen. In Laakirchen spitzt sich der Konflikt um das Mahnmal für neun ermordete antifaschistische Widerstandskämpfer zu – und im Zentrum der Kritik steht zunehmend das politische Vorgehen des SPÖ-Bürgermeisters Fritz Feichtinger. Das Denkmalensemble im Park beim Hauptplatz wurde nach 1945 als sichtbares Zeichen des Gedenkens an den lokalen Widerstand gegen den Nazi-Faschismus errichtet.

Dieses Ensemble besteht aus einem Kriegerdenkmal sowie aus einem rund vier Meter hohen Pfeiler mit Gedenktafel, Kranzkonsole und Opferschale für neun aus Laakirchen stammende Widerstandskämpfer, die von den Nazis ermordet wurden: Johann Auinger, Ignaz Bachmair, Adam Blank, Michael Jilemecky, Franz Macha, Josef Neubacher, Johann Samer, Karl Siegl und Alois Welischek.

Alle neun Männer waren in Konzentrationslagern ermordet worden. Sie gehörten zu jenen Menschen aus Laakirchen, die sich in ihrem unmittelbaren Lebens- und Arbeitsumfeld aktiv gegen das NS-Regime stellten. Acht von ihnen waren Teil der oberösterreichweit tätigen sogenannten „Welser Gruppe“, die vor allem in Industriebetrieben organisiert war – in Laakirchen insbesondere in der Papierfabrik Steyrermühl.

Diese Gruppe leistete illegalen politischen Widerstand in Betrieben, organisierte Kontakte, unterstützte Verfolgte und arbeitete im Untergrund gegen das NS-Herrschaftssystem. Ihr Handeln stand damit in direktem Zusammenhang mit jenem Widerstand, der von den Alliierten in der Moskauer Deklaration von 1943 ausdrücklich eingefordert wurde. Die Männer aus Laakirchen zahlten für diesen Einsatz mit ihrem Leben.

Über Jahrzehnte hinweg war es in Laakirchen politischer Konsens, diesen lokalen Widerstandskämpfern an einem öffentlich sichtbaren Ort im Zentrum der Stadt zu gedenken.

Gerade dieser Teil der lokalen Geschichte wird nun politisch an den Rand gedrängt.

Wie nun bekannt wurde, plant die Stadt Laakirchen im Zuge einer umfassenden Neugestaltung des Hauptplatzes den Abbau des Mahnmals für die Widerstandskämpfer. Nach vorliegenden Planungen soll der zentrale Platz großflächig umgestaltet werden. Grünflächen und Bäume sollen Betonflächen weichen, das Areal soll künftig als multifunktionaler Veranstaltungsplatz genutzt werden.

Nach den vorliegenden Entwürfen soll das Mahnmal für die neun ermordeten Antifaschisten entfernt und an einen anderen Ort verlegt werden.

Der KZ-Verband/VdA Oberösterreich wirft dem Bürgermeister vor, das Gedenken an den antifaschistischen Widerstand bewusst aus dem öffentlichen Zentrum zu entfernen. Landesvorsitzender Harald Grünn spricht in diesem Zusammenhang von einem unerträglichen Umgang mit dem Andenken jener Männer, die ihr Leben im Kampf gegen den Faschismus gaben.

Die Kosten für den Umbau des Platzes werden laut Angaben von Gemeinderäten der Grünen mit rund 800.000 Euro beziffert.

KZ-Verband warnt vor Verdrängung des Widerstands aus dem öffentlichen Raum

Der KZ-Verband/VdA Oberösterreich sieht in den Plänen eine massive Gefährdung der antifaschistischen Erinnerungskultur in Laakirchen. Der Verband wandte sich in den vergangenen Tagen mit einer Postwurfsendung unter dem Titel „Das Mahnmal für den antifaschistischen Widerstand muss sichtbar bleiben!“ direkt an die Bevölkerung.

Der Landesvorsitzende des KZ-Verbandes/VdA Oberösterreich, Harald Grünn, betont in diesem Zusammenhang:

„Es ist unerträglich, wie ein sozialdemokratischer Bürgermeister meint, mit dem Andenken an Laakirchner Widerstandskämpfer, die ihr Leben im Kampf um ein freies Österreich gaben, umgehen zu können.“

Grünn verweist darauf, dass Laakirchen zu jenen Gemeinden gehört, in denen Menschen unter hohem persönlichem Risiko Widerstand gegen den Hitlerfaschismus geleistet hätten. Der Einsatz dieser Männer sei Teil der Geschichte der Befreiung Österreichs. Die neun genannten Widerstandskämpfer seien Gemeindebürger gewesen, Arbeiter aus Betrieben der Region, die in ihrem Alltag und an ihren Arbeitsplätzen gegen das Regime aufgetreten seien.

Der KZ-Verband betont, dass ein würdiges Gedenken an diese Opfer nicht in einen abgelegenen oder symbolisch abgeschwächten Raum verdrängt werden dürfe, sondern im öffentlichen Zentrum der Stadt sichtbar bleiben müsse.

Gespräche ohne Ergebnis – Beschluss im Gemeinderat geplant

Der KZ-Verband wurde bereits im Herbst 2023 über die geplante Umgestaltung des Parks informiert. In der Folge habe es mehrere Gespräche mit dem Bürgermeister von Laakirchen gegeben, ebenso mündliche Zusagen, die den Erhalt eines sichtbaren Gedenkortes im Stadtzentrum betrafen.

Seit mehreren Monaten verweigert der Bürgermeister jedoch Gespräche über die konkrete Zukunft des Mahnmals. Stattdessen soll in der nächsten Gemeinderatssitzung am 24. Februar 2026 ein entsprechender Beschluss über die Umgestaltung des Platzes gefasst werden.

Parallel dazu kündigte der KZ-Verband an, am 24. Februar eine Kundgebung direkt am bisherigen Standort des Mahnmals abzuhalten.

Weitere Kritik von Gedenkinitiativen

Laut Berichten von ORF und zahlreichen andere Medien stößt die geplante Verlegung des Mahnmals auf breite Kritik. Neben dem KZ-Verband wenden sich auch das Mauthausen Komitee Österreich und das oberösterreichische Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus gegen die Verlegung des Mahnmals aus dem Stadtzentrum.

Falscher Kompromiss ist kein adäquater Ersatz

Als angeblicher Kompromiss wird derzeit eine zusätzliche Tafel mit den Namen der NS-Opfer im Bereich des Rathauses ins Gespräch gebracht. Für den KZ-Verband/VdA Oberösterreich steht jedoch fest, dass eine zusätzliche Tafel keinen gleichwertigen Ersatz für ein eigenständiges, sichtbares Mahnmal im Zentrum darstellt. Das Gedenken an die Laakirchner Widerstandskämpfer ist untrennbar mit dem öffentlichen Raum verbunden, in dem diese Männer lebten, arbeiteten und ihren politischen Widerstand organisierten.

Das Denkmal erinnert nicht abstrakt an Geschichte, sondern konkret an Arbeiter aus der Gemeinde, an betriebliche und politische Organisierung gegen den Faschismus und an den mutigen Bruch mit Anpassung und Mitläufertum.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender rechtsextremer Tendenzen und Geschichtsrelativierungen kommt der sichtbaren Würdigung des antifaschistischen Widerstandes eine besondere Bedeutung zu. Laakirchen steht exemplarisch für viele Orte in Österreich, in denen der Widerstand aus der Arbeiterbewegung und aus den Betrieben kam – und in denen diese Geschichte bis heute Teil der lokalen Identität ist.

Quelle: KZ-Verband/VdA / junge Welt / orf​.at

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Bildquelle: KZ-Verband/VdA OÖ
Schlagworte: AntifaschismusErinnerungskulturGedenkpolitikHarald GrünnKZ-Verband/VdA OberösterreichLaakirchenNS-OpferSteyrermühlWelser GruppeWiderstandskämpfer

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