Ein jüdischer Kommunist, der gegen Faschismus kämpfte, gefoltert wurde und starb – und dennoch aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt worden ist – weil Antizionist.
Leon Tager, ein bulgarischer Kommunist jüdischer Herkunft, gehört zu den frühen antifaschistischen Widerstandskämpfern Europas. Bis zum 24. Juni 1941 war er in einem Zwangsarbeitslager in Bulgarien interniert. Kurz nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion handelte er eigenständig: Ohne Anweisungen seiner Partei zu abzuwarten, beschaffte er sich Sprengstoff aus den Lagerbeständen und floh.
Wenige Tage später verübte er einen Sabotageakt im Hafen von Ruse. Dabei zerstörte er Treibstoffreserven, die für die Wehrmacht bestimmt waren. Während der Aktion tötete er einen deutschen Wachposten. Diese Tat zählt zu den ersten Partisanenaktionen in Bulgarien gegen die deutsch-faschistischen Besatzer und deren lokale Verbündete.
Der militärische Erfolg hatte jedoch seinen Preis. Tager wurde identifiziert, verhaftet und schwer gefoltert. Ziel der Verhöre war es, Informationen über seine Mitstreiter zu erhalten. Trotz massiver Gewalt blieb er standhaft und verriet niemanden. Im November 1941 wurde er zum Tode verurteilt und Mitte Dezember in Ruse hingerichtet.
Verdrängung nach der Konterrevolution
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Tager in der Volksrepublik Bulgarien als Nationalheld geehrt, sogar eine Raffinerie trug seinen Namen. Mit der Konterrevolution verschwand diese Erinnerung jedoch weitgehend aus dem öffentlichen Raum.
Auffällig ist auch seine Abwesenheit in anderen Formen des Gedenkens, etwa am Holocaust-Gedenktag. Ein möglicher Grund liegt in seiner politischen Biografie: Tager war nicht nur Jude, sondern überzeugter Kommunist und Gegner des Zionismus. Ursprünglich selbst als Zionist nach Palästina eingewandert, wandte er sich rasch davon ab und schloss sich der kommunistischen Bewegung, namentlich der Kommunistischen Partei Palästinas, an. Er setzte sich für die Zusammenarbeit von Juden und Arabern sowie für den Kampf gegen die britische Mandatsherrschaft ein.
Diese Haltung brachte ihn in Konflikt mit den damaligen Machtstrukturen. Er wurde aus der Histadrut ausgeschlossen, verfolgt und schließlich deportiert. Auch später blieb seine Geschichte unbequem: Viele Kommunistinnen und Kommunisten jüdischer Herkunft, die aus Palästina ausgewiesen wurden und später im antifaschistischen Kampf eine bedeutende Rolle spielten, sind heute kaum präsent im öffentlichen Gedächtnis.
Die selektive Erinnerung zeigt sich auch daran, dass selbst prominente Figuren, die nicht in dominante politische Narrative passen, oft marginalisiert werden. Leopold Trepper beispielsweise leitete eines der wichtigsten sowjetischen Spionagenetzwerke in Westeuropa, doch keine Straße in Israel trägt seinen Namen. Yerachmiel Lukachar fiel bei der Verteidigung Stalingrads, doch kein Kibbuz ist nach ihm benannt. Marcel Langer befehligte die 35. Brigade des antifaschistischen Widerstands in Südfrankreich; in Toulouse ist eine Straße und eine Metrostation nach ihm benannt, nicht jedoch in Israel. Die zionistische Geschichtsschreibung hat sie ausgelöscht. Vor diesem Hintergrund erscheint das Vergessen Leon Tagers nicht als Zufall, sondern als Teil einer breiteren historischen Ausblendung. Seine Geschichte zu erzählen bedeutet, diese Lücke sichtbar zu machen.
Quelle: IDC / Zo Haderech



















































































