Die Inflation im Euroraum zieht wieder deutlich an. Nach Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat lag die Teuerungsrate im Mai bei 3,2 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Herbst 2023. In Österreich fiel der Anstieg mit 3,7 Prozent wieser noch stärker aus. Vor diesem Hintergrund gilt eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer Sitzung am 11. Juni als praktisch sicher.
Auslöser des neuerlichen Inflationsschubs sind vor allem die stark gestiegenen Energiepreise. Diese lagen im Mai um 10,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Verantwortlich dafür sind insbesondere die wirtschaftlichen Folgen des Krieges gegen den Iran und die Unsicherheit rund um wichtige Transport- und Versorgungsrouten wie die Straße von Hormus. Die höheren Energiekosten schlagen zunehmend auf andere Wirtschaftsbereiche durch. Dienstleistungen verteuerten sich um 3,5 Prozent, während auch die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak weiter anstiegen.
Ökonominnen und Ökonomen großer Banken gehen davon aus, dass die Inflation auch in den kommenden Monaten deutlich über dem von der EZB angestrebten Zielwert von zwei Prozent bleiben wird. Sie verweisen dabei auf sogenannte Zweitrundeneffekte: Unternehmen geben steigende Kosten an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiter, während Beschäftigte versuchen, durch höhere Löhne die Kaufkraftverluste auszugleichen. In der wirtschaftspolitischen Debatte wird häufig vor einer Lohn-Preis-Spirale gewarnt. Tatsächlich zeigt die Entwicklung jedoch vor allem, dass die arbeitende Bevölkerung versucht, die Folgen einer Inflation abzufedern, die nicht durch überhöhte Löhne, sondern durch innerimperialistische Konflikte und die Logik des Kapitalismus an sich in der Profite das wichtigste sind entsteht
Die EZB reagiert auf diese Entwicklung mit einer restriktiveren Geldpolitik. Nach Einschätzung zahlreicher Analysten wird der Einlagensatz kommende Woche erstmals seit September 2023 wieder angehoben. Aktuell liegt dieser bei 2,0 Prozent. Eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte gilt als wahrscheinlich. EZB-Direktorin Isabel Schnabel erklärte zuletzt, dass die Inflation über einen längeren Zeitraum vom Zielwert der Notenbank abweiche und deshalb geldpolitisches Handeln erforderlich sei.
Für viele Menschen bedeutet eine Zinserhöhung jedoch keine Entlastung, sondern zusätzliche Belastungen. Zwar steigen in der Regel auch die Sparzinsen, deutlich stärker wirken sich jedoch höhere Kreditkosten aus. Besonders betroffen sind Haushalte mit Wohnbau- oder Immobilienkrediten, deren monatliche Rückzahlungen weiter steigen könnten. Während die Notenbank versucht, die Nachfrage zu bremsen und so den Preisauftrieb einzudämmen, geraten viele Lohnabhängige dadurch zusätzlich unter Druck.
Die Diskussion verdeutlicht erneut die Grenzen der Zinspolitik. Höhere Zinsen können die Nachfrage dämpfen, lösen jedoch nicht die eigentlichen Ursachen der aktuellen Inflation. Solange Energiepreise durch internationale Konflikte und Marktverwerfungen nach oben getrieben werden, bleibt fraglich, wie wirksam Zinserhöhungen tatsächlich sind. Für Werktätige sowie Pensionistinnen und Pensionierten droht stattdessen eine Situation, in der sowohl die Lebenshaltungskosten als auch die Finanzierungskosten steigen. Zinspolitik Kauf Zeit, aber die Krisen des Kapitalismus spitzen sich auf unterschiedlichen Ebenen weiter zu, denn Geld löst nicht der Widerspruch und die krisenhaftigkeit an sich.
Quelle: ORF






















































































