Während die Temperaturen steigen, kämpfen obdachlose Menschen in Vorarlberg täglich um Schutz vor der Sonne und ausreichend Wasser. Hilfsorganisationen springen ein – und appellieren an die Bevölkerung, mit Wasser oder Sonnenschutz zu helfen. Dass die Versorgung besonders gefährdeter Menschen so stark von Spenden und privater Solidarität abhängt, wirft jedoch definitiv einige grundsätzliche Fragen auf.
Feldkirch. Die sommerliche Hitze stellt obdachlose Menschen in Vorarlberg vor enorme Herausforderungen. Anders als viele andere haben sie keinen kühlen Rückzugsort, an den sie sich während der heißesten Stunden des Tages zurückziehen können. Gleichzeitig fehlen häufig die finanziellen Mittel, um sich mit Sonnencreme, Kopfbedeckungen oder ausreichend Getränken zu versorgen.
Wie Elisabeth Gächter von der Caritas Vorarlberg erklärt, ist die Notfallschlafstelle in Feldkirch auch im Sommer stark ausgelastet. Alle acht Einzelzimmer sind derzeit belegt. Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach der jeweiligen Situation der Betroffenen, beträgt jedoch höchstens 28 Nächte.
Bei der Auslastung gibt es keine saisonalen Unterschiede – die Einrichtung wird im Sommer ebenso stark genutzt wie in den Wintermonaten. Während im Winter die Kälte zur unmittelbaren Gefahr wird, sind es nun die hohen Temperaturen und die intensive Sonneneinstrahlung, denen obdachlose Menschen schutzlos ausgesetzt sind.
Besonders problematisch ist, dass viele Betroffene an Vorerkrankungen leiden, die nicht oder nur unzureichend behandelt werden. Dadurch steigt das gesundheitliche Risiko während Hitzewellen zusätzlich. Wer den ganzen Tag im öffentlichen Raum verbringen muss, hat oft weder Zugang zu klimatisierten Räumen noch die Möglichkeit, sich ausreichend zu erholen.
Die Caritas versucht, diese Versorgungslücken abzufedern. Gäste der Notschlafstelle erhalten an heißen Tagen unter anderem Sonnencreme, Schildkappen und Wasserflaschen. Zudem informiert die Einrichtung darüber, wo kostenlos Trinkwasser erhältlich ist. Gleichzeitig ruft die Caritas die Bevölkerung dazu auf, obdachlose Menschen zu unterstützen – etwa mit einer Flasche Wasser, Sonnenschutz oder einem Hinweis auf schattige Plätze. Solche Gesten können an heißen Tagen tatsächlich lebenswichtig sein.
Der Appell zeigt aber auch ein strukturelles Problem: Der Schutz besonders gefährdeter Menschen während extremer Hitze hängt vielerorts wesentlich vom Engagement sozialer Einrichtungen und der Hilfsbereitschaft Einzelner ab. Gerade angesichts immer häufiger auftretender Hitzewellen stellt sich die Frage, ob die Versorgung obdachloser Menschen mit Trinkwasser, Sonnenschutz und geeigneten Rückzugsorten ausreichend öffentlich abgesichert ist oder ob diese Verantwortung zu stark an Wohlfahrtsorganisationen und die Zivilgesellschaft ausgelagert wird. Der Staat hat diesen Menschen ja schon lange den Rücken zugekehrt.
Quelle: ORF




















































































