Am Sonntag, dem 13. September wird in Okinawa ein neuer Gouverneur bzw. Landeshauptmann gewählt. Wie jedes Jahr spielt die US-Militärpräsenz in Okinawa eine große Rolle im Wahlkampf, eine revolutionäre Kandidatur gibt es jedoch nicht.
Die folgenden sechs Optionen stehen am Sonntag am Stimmzettel:
- Koja Genta führt Wahlkampf für Digitalisierung und KI-Förderungen für kleine und mittelgroße Unternehmen, möchte Sozialleistungen für Schwangere und Kinder erhöhen und den Tourismus-Konsum erhöhen. Seine Kandidatur wird von der LDP und der Koumeitou unterstützt.
- Kaneshima Shun führt Wahlkampf für die Wahlversprechen der anderen Kandidaten und möchte die Wahlversprechen und Anliegen der Bevölkerung digital erfassen, priorisieren und alle umsetzen.
- Sueyoshi Masahiro führt Wahlkampf für die Förderung der Ärmsten der Gesellschaft. Damit meint er alte Menschen, Kinder, Ein-Personen‑, Mikro‑, Klein- und mittelgroße Unternehmen. Im Gesundheitssektor sieht er das Problem in finanziellen Schwierigkeiten kleiner Arztpraxen. Für Bildung sieht er eine Notwendigkeit für fähiges Lehrpersonal.
- Tamaki Denny ist der amtierende Landeshauptmann von Okinawa. Im Wahlkampf spricht er unter anderem von diversen Sozialleistungen, Förderungen für kleine und mittelgroße Unternehmen, Trickle-Down-Ökonomie, Frieden durch Schließung von US-Basen in der Präfektur, Geschlechtergleichheit und Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel. Seine Kandidatur wird von der Nationalen Partei, der Kommunistischen Partei, der Partei des Lebens, der sozialdemokratischen Partei, der sozialistischen Massenpartei Okinawas und von Ninufabushi unterstützt.
- Higa Takashi fordert einen Halt von Impfungen und Entschädigungen für Impfopfer
- Yara Chōsuke führt Wahlkampf für die Abspaltung Okinawas von Japan.
Tatsächliche Siegeschancen haben wohl nur der amtierende Landeshauptmann Tamaki Denny und der ehemalige Vizebürgermeister der Präfekturhauptstadt Naha. Beide sprechen von Wirtschaftsförderungen und Digitalisierungshilfe für kleine und mittelgroße Unternehmen. Tamaki betont dabei jedoch, dass dadurch die Löhne ebenfalls steigen würden. Weitere gemeinsame Wahlversprechen sind der Ausbau von Sozialleistungen für Schwangere, Kinder und Familien. Okinawa hat zwar mit einer Fertilitätsrate von 1,52 die höchste aller Präfekturen in Japan, doch auch in Okinawa macht sich das Kapital Sorgen über potentielle zukünftige Mängel an Arbeitskraft.
Unterschiede gibt es hingegen im Bezug zu Tourismus. Während Koja davon spricht, den Tourismus massiv auszubauen und Okinawa zur besten Resortsinsel Asiens zu machen, spielt Tourismus in Tamakis Wahlkampf kaum eine Rolle. Den größten Unterschied macht jedoch die Positionierung zur US-Marine-Corps-Basis Futenma.
Das Ryūkyū Königreich (so hieß Okinawa vor der Annexion) wurde 1872 von Japan annektiert und während des Zweiten Weltkriegs von den USA besetzt. 1972 übergaben die USA Okinawa an Japan. Obwohl Okinawa nur 0,6 Prozent der Landfläche Japans ausmacht, befinden sich dort 70 Prozent der US-Militärbasen in Japan. US-Militärbasen machen damit 18 Prozent der Landnutzung der Hauptinsel Okinawas aus. Aufgrund sexueller Übergriffe durch US-Soldaten, Unfällen auf oder nahe ziviler Infrastruktur, Lärm‑, Umwelt- und Luftverschmutzung ist die Militärbasis in der Bevölkerung so unbeliebt, dass die US-Militärpräsenz selbst im bürgerlichen Wahlkampf eine große Rolle spielt und sogar eine eigene Ministerposition für “Milderungen der Auswirkungen der US-Militärpräsenz in Okinawa” existiert. Bereits 1996 stimmten die Regierungen Japans und der USA der Schließung oder Umsiedlung mehrerer US-Basen, inklusive Futenma, doch sie ist bis heute in Betrieb.
Tamaki selbst ist Sohn einer okinawaischen Mutter und eines US-Soldaten, der Okinawa bereits vor seiner Geburt verließ. Somit verkörperlicht er zu einem gewissen Grad die Unzufriedenheit mit der US-Militärpräsenz. Mehrere seiner Wahlplakate heben auch die Gefahr für den Frieden hervor. Denn wer Militärbasen für die USA, NATO oder andere Kriegstreiber betreibt, macht sich selbst zur Zielscheibe. Tamakis Kampagne fordert somit zurecht die Schließung und den Abriss der US-Militärbasen. In Koja’s Wahlauftritt werden die US-Militärbasen nicht thematisiert, in einem Interview spricht er sich für eine Umverlegung Futenma’s innerhalb Okinawas aus, da diese die einzige realistische Option sei.
Somit bleibt es bei einer bürgerlichen Wahl mit bürgerlichen Kandidaten. Während Koja Genta eher Positionen der konservativen Liberaldemokratischen Partei vertritt, vertritt Tamaki Denny eher sozialdemokratische Positionen. Als Beigeschmack zur Wahl gibt es Impfgegner und Separatisten.
Quellen: Koja Genta / Tamaki Denny / ntt‑i/kariyushi / go2senkyo / go2senkyo / go2senkyo / go2senkyo





















































































