Dieser Satz ist auf den Transparenten des Vereins gegen Tierfabriken zu lesen und es ist eine äußerst konfrontative Frage. Absichtlich eine Frage, keine Aussage. Doch wie kommt man zu so einer Frage?
Das Thema, um das es geht, steht seit 2019 im Zentrum einer Kampagne, der sog. Vollspaltenboden. Letztes Jahr, Anfang Juni 2025, verkündete der Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig das Ende des Vollspaltenbodens. Das seit Jahrzehnten ÖVP-geführte Ministerium verbreitete die frohe Kunde und man mochte aufatmen ob solch einer Verbesserung für das Leben der Schweine. Eilfertig stimmten SPÖ und NEOS in den Chor ein, so dass auch die großen Medien die gute Nachricht verkünden zu müssen glaubten. Doch es war, um es wohlwollend auszudrücken ein bloßer Etikettenschwindel. Doch worin besteht dieser?
Was ist ein Vollspaltenboden?
Ein Vollspaltenboden ist ein Betonboden mit Spalten, deren Anordnung, Länge und Breite je nach Alter der Tiere, genau vorgegeben ist. Sobald die Ferkel entwöhnt sind wechseln sie auf diesen Boden. Je nach Alter und Gewicht ändert sich auch das Platzangebot. So stehen einem Schwein mit 110 kg beim bisherigen Vollspaltenboden gerade mal 0,7 m² zur Verfügung, kleiner als manche Toilette. Dabei ist der Vergleich naheliegend, denn der Sinn dieser Haltungsform ist, dass nicht ausgemistet werden muss, denn die Fäkalien, so der Hintergedanke, werden durch die Spalten gedrückt und landen in einem Güllebecken, so dass die Schweine vier Monate über ihren eigenen Exkrementen verbringen. Diese Haltungsform gibt es seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts und wurde damals als ein enormer Fortschritt betrachtet. Doch wie geht es den Schweinen in dieser Haltung?
Fundierte veterinärmedizinische Untersuchungen ergaben, dass 92% der Schweine, die auf Vollspaltenboden leben, schmerzhaft geschwollene Gelenke haben. Das kommt daher, dass Schweine, genauso wie Menschen, Schleimbeutel in ihren Gelenken haben, die wie Stoßdämpfer funktionieren und dazu dienen, Belastungen abzufedern, um die Gelenke zu schonen. Werden sie verletzt oder dauerhaft belastet, entzünden sie sich. Darüber hinaus leidet rd. die Hälfte der Tiere an Erkrankungen der Atemwege, der Schleimhäute und der Lunge, da diese permanent den Ammoniakdämpfen ausgesetzt sind. Außerdem ist den intelligenten Tieren langweilig, weil sie kein Beschäftigungsmaterial haben und nicht wühlen können. Sie haben also keinerlei Möglichkeit ihr artgemäßes Verhalten auszuleben. Deshalb beginnen sie sich gegenseitig anzufressen. Besonders betroffen sind Ohren und Schwänze, und das obwohl letztere routinemäßig kupiert werden, obwohl es das Tierhaltegesetz verbietet. Ein Viertel dieser Schweine stirbt noch vor dem Schlachttermin, also eines von vieren. Das sind rd. 900.000 Schweine pro Jahr, denn in Österreich leben ca. 70% der gehaltenen Tiere auf diesem Vollspaltenboden.
Und das, obwohl diese Haltung eigentlich nicht mehr sein dürfte, nimmt man EU-Recht ernst, denn darin ist eindeutig vermerkt, dass der Liegebereich „physisch angenehm“ sein muss, was es ganz offensichtlich nicht ist.
Die Kampagne
Im Jahr 2019 startete der Verein gegen Tierfabriken mit der Kampagne gegen Vollspaltenboden bei Schweinen. Der Beginn bestand darin, die Menschen über die Haltung von diesen Tieren aufzuklären, denn das wird bewusst verschwiegen. Nach knapp vier Jahren intensiver Kampagne konnte ein erster Erfolg verzeichnet werden. Seitdem sind unstrukturierte Vollspaltenböden laut § 18 Absatz (2a) des Tierschutzgesetzes verboten. Die Bestimmung trat für Neu- und Umbauten bereits Anfang 2023 in Kraft. Für alle bestehenden Betriebe wurde eine Übergangsfrist bis Ende 2039 verankert. Damit waren zwei Wermutstropfen verbunden: Einerseits die extrem lange Übergangsfrist und andererseits das komplette Ausbleiben einer verbindlichen Aussage, wie die Haltung ab 2040 für die restlichen Schweine ausschauen muss.
Eine Verfassungsklage bewirkte, dass der Verfassungsgerichtshof die Entscheidung für ungültig erklärte, vor allem verkürzte er die Übergangsfrist um 2030. Zusätzlich gab es die Auflage, dass bis Ende Mai 2025 ausformuliert werden musste, wie die Haltung auszusehen habe. Die Regierung ließ sich Zeit und präsentierte, quasi im letzten Moment, das neue System, von dem – wie eingangs erwähnt – behauptet würde, das wäre das Ende des Vollspaltenbodens. Was viele übersahen war ein kleines Wörtlichen nämlich „unstrukturiert“. Das ist auch so beabsichtigt, denn wenn man sich die Verordnung zur Schweinehaltung ansieht, so geht daraus klar hervor, welchen Trick die ÖVP anwendet: wenn der Vollspaltenboden nicht in der gesamten Bucht gleichmäßig ist, ist er nicht mehr unstrukturiert, sondern strukturiert, wobei für diese Strukturierung genügt, dass ein Drittel der Fläche nur die Hälfte der Spalten aufweist. Das bedeutet für die Schweine, wie jede und jeder aus der Skizze klar erkennen kann, keinerlei Veränderung. Es handelt sich also um einen reinen Etikettenschwindel.
Lügt die Regierung?
Diese Frage mit Ja zu beantworten, würde wohl nicht unwidersprochen bleiben und möglicherweise sogar Klagen nach sich ziehen, denn was kann der Gesetzgeber dafür, wenn die Medien und die Menschen nicht genau hinsehen. Denn die Regierung hat schließlich nie behauptet, dass der Vollspaltenboden verboten wird, sondern nur der unstrukturierte Vollspaltenboden. Insofern liegt keine Falschaussage vor, sondern nur eine Unachtsamkeit in der Wiedergabe, wobei man sich nicht damit hervortat, dies richtig zu stellen.
Andererseits ist es schon interessant, dass man von Seiten des Gesetzgebers gerne bereit ist, genaue Bezeichnungen zu fordern, wenn nur die Möglichkeit eines Missverständnisses bestehen könnte, wie es beim Thema Pflanzenmilch deutlich wurde, die im Handel nun nicht mehr Milch, sondern Drink heißen muss. Doch hier schien es plötzlich nicht vonnöten, dieses Missverständnis aufzuklären. Mehr noch, es wurde gerne gesehen, dass diese verkürzte Version in Umlauf kam.

Schweineleid bedeutet Menschenleid
Das Leid der Schweine wird also auf unbestimmte Zeit verlängert und das der Menschen ebenso. Denn die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die tagtäglich mit diesen Tieren Umgang haben, erkennen das Leid und müssen damit umgehen. Die Vorkommnisse, die aufgedeckt werden, die Misshandlung der Tiere durch jene, die sie „betreuen“, ist auf die ständige Konfrontation mit diesen Bedingungen zurückzuführen. Schlechte Bezahlung, miserable Arbeitsbedingungen führen zu Frustration und Wut, die diese Menschen allerdings nur denen gegenüber ausleben können, die noch schwächer sind als sie: den Schweinen. Dort, wo die Schweine ein besseres Leben mit mehr Platz, Stroh und Auslauf erhalten, geht es auch den involvierten Menschen besser, wie aus entsprechenden Versuchen hervorgeht. Doch im Kapitalismus zählt nur die Effizienz, auch in der Tierhaltung, die die „Menschenhaltung“ involviert. Effizienz bedeutet, dass gerade so eine Haltung gegeben ist, dass so viele diese Tortur überleben, wie sich für den Halter noch rechnet. Und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Da kann man immer noch auf die Reservearmee zurückgreifen, sollten diese ausfallen oder ihnen die Verantwortung zugeschoben werden für die schlechte Behandlung. Denn die Aufdeckungen dieser Missstände führen im allgemeinen nicht dazu, dass die Haltung verbessert wird, sondern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetauscht werden.
Man kann also die Frage, ob die Regierung lügt, keinesfalls mit Ja beantworten, sondern man muss einräumen, sie erzählt einfach eine verkürzte bzw. verklausulierte Version. Wobei der Gedanke erlaubt sein muss, ob diese Art des Umgangs mit der Wahrheit „nur“ das Thema Vollspaltenboden betrifft oder ob noch bei anderen Themen mit solchen Tricks gearbeitet wird.
Quellen: VGT/Kronen Zeitung


















































































