Die Auseinandersetzung um den Kollektivvertrag in der Chemischen Industrie spitzt sich weiter zu. Auch die siebente Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern blieb ohne Ergebnis. Nach 14-stündigen Gesprächen wurden die Verhandlungen unterbrochen. Als Antwort auf die Verweigerungshaltung der Unternehmerseite kündigten die Gewerkschaften PRO-GE und GPA eine Ausweitung der Kampfmaßnahmen an. Ab kommender Woche sollen in den Betrieben österreichweit Streiks von bis zu acht Stunden stattfinden.
Bereits in den vergangenen Wochen hatten Tausende Beschäftigte mit Warnstreiks ein deutliches Zeichen gesetzt. Im Linzer Chemiepark blockierten Arbeiterinnen und Arbeiter das Werkstor und legten für zwei Stunden die Arbeit nieder. Auch bei der Lenzing AG beteiligten sich über 1.300 Beschäftigte an Protestaktionen. Die Stimmung in den Betrieben ist angespannt – und das aus gutem Grund.
Arbeitgeber wollen Reallohnverluste festschreiben
Die Forderung der Gewerkschaften nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter um 3,5 Prozent wurde bereits auf drei Prozent reduziert, um Bewegung in die Verhandlungen zu bringen. Die Arbeitgeberseite blieb dennoch bei einem Angebot, das faktisch auf auf weniger als eine Nulllohnrunde hinausläuft: Entweder 0,5 Prozent Lohnerhöhung plus eine Einmalzahlung von 300 Euro oder zwei Prozent Erhöhung, die jedoch erst ab Oktober 2026 wirksam werden soll.
Für die Beschäftigten bedeutet das nichts anderes als einen weiteren Reallohnverlust. Während die Preise für Wohnen, Energie und Lebensmittel in den vergangenen Jahren massiv gestiegen sind und auch Prognosen zufolge weiter steigen werden, sollen jene, die den Reichtum in den Betrieben täglich erwirtschaften, erneut den Gürtel enger schnallen.
Die Unternehmerverbände begründen ihre Haltung mit der wirtschaftlichen Lage und dem internationalen Wettbewerb. Dieses Argument ist nicht neu. Immer dann, wenn es um Lohnerhöhungen geht, wird angeblich gespart, gekürzt oder auf schwierige Marktbedingungen verwiesen. Bei Boni und ähnlichem spielt das keine Rolle. Außerdem erleben gleichzeitig die Beschäftigten in vielen Betrieben eine steigende Arbeitsverdichtung und sehen, dass sich Auftragslagen verbessern.
Die Beschäftigten sollen für die Krise bezahlen
Die aktuelle KV-Runde zeigt, wer in Krisenzeiten die Rechnung präsentiert bekommt. Während Konzerne und Eigentümer versuchen, ihre Profite und Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten der Beschäftigten abzusichern, werden die Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte mit Einmalzahlungen abgespeist. Sie erhöhen weder den Grundlohn noch wirken sie sich auf zukünftige Lohnentwicklungen, Überstundenentgelte oder Pensionen aus.
Dass die Wut in den Betrieben wächst, überrascht daher nicht. „Wir müssen uns Dinge wieder erkämpfen“, brachte es ein Betriebsrat bei den Protesten in Lenzing auf den Punkt. Tatsächlich wurden Verbesserungen für die arbeitende Bevölkerung noch nie freiwillig gewährt. Sie mussten stets durch kollektiven Druck und organisierte Kämpfe durchgesetzt werden.
Die Grenzen der Sozialpartnerschaft
Der Konflikt in der Chemischen Industrie macht auch die Grenzen der österreichischen Sozialpartnerschaft sichtbar. Seit Monaten wird verhandelt, Kompromissvorschläge werden vorgelegt und Forderungen nach unten korrigiert. Doch die Arbeitgeber reagieren mit weiteren Verschlechterungen und Verzögerungen.
Die Vorstellung, dass die Interessen von Kapital und Arbeit am Verhandlungstisch dauerhaft in Einklang gebracht werden können, stößt in der Realität immer wieder an ihre Grenzen. Während die Beschäftigten höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung benötigen, verfolgen die Unternehmen das Ziel, ihre Kosten möglichst gering zu halten und ihre Gewinne zu sichern.





















































































