Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse belegen klar und deutlich einen Zusammenhang zwischen Hitze und der Bildung von Nierensteinen. Die derzeitigen Hitzewellen jedoch nicht plötzliche Naturereignisse und sietreffen uns nicht alle gleichermaßen.
Medizinisch gesehen ist Dehydrierung der Hauptgrund für die Bildung von Nierensteinen. Dehydrierung macht den Urin verhältnismäßig reicher an Mineralien, was als Folge das Risiko für Nierensteine erhöht. Es gibt weitere Aspekte, die das Risiko für Nierensteine sowie weitere Belastungen der Nieren aufgrund der Hitze nach oben treiben. Beispiele dafür sind erhöhter Stress wegen der ungewöhnlichen und schädlichen Temperaturen; der Stress bringt Entzündungen und Gewebeschäden mit sich.
Gesellschaftliche Aspekte
Wenn der oben genannte Mechanismus allein der Grund für die Begünstigung der Erscheinung von Nierensteinen wäre, würde es reichen, individuelle Verhaltensänderungen vorzuschlagen. Es wäre passend zu empfehlen: „Nimm dir eine dieser trendy Trinkflaschen, womit man sieht, wie viel Wasser man am Tag trinkt und reguliere dein Trinkverhalten!“ Oder „bleib lieber Zuhause und schalte die Klimaanlage ein!“ Derartige Ratschläge, die den Akzent auf persönliche Verantwortung setzen, sind nicht nur provokativ, sondern vielmehr populistisch und daher nicht lösungsorientiert ‑wenn es sich um Lösungen für die Vielen und nicht für die Eliten handelt. Die Gesundheit unserer Nieren ‑wie die Gesundheit im Allgemeinen- ist mit gesellschaftlichen Dynamiken und Realitäten verknüpft.
Alle Daten und unsere eigenen Erfahrungen deuten darauf hin, dass die Temperaturen überall steigen. Und nein, wir tragen nicht alle die gleiche Verantwortung. Diejenigen, die Fabriken oder Aktien von Produktionsstätten besitzen und die Produktion dadurch bestimmen, während sie gleichzeitig mit privaten Flugzeugen pendeln und/oder mit exklusiven Yachten Urlaub machen, tragen deutlich mehr Verantwortung als arbeitende Personen, die mit Auto zur Arbeit und zum Einkaufen fahren müssen und ab und zu (wenn überhaupt) einen wohlverdienten Urlaub machen.
Aufenthalt in Hitze meist keine individuelle Entscheidung
Alle von uns, die arbeiten und/oder schulpflichtige Kinder haben, wissen zweifellos, dass es keine individuelle Entscheidung ist, wo man sich aufhält und wie heiß es dort ist. Kollegen und Kolleginnen aus der Baubranche, aus dem Bereich Pflege, aus Gastro, in Büros usw. können nicht einfach Zuhause bleiben, sie müssen hackeln gehen und wo sie hackeln, haben sie kaum Einfluss auf die Temperaturen. Auch Kinder und Lehrpersonen in der Schule müssen unter Hitze leiden, da es kein Budget für Klimaanlagen, ja oft nicht einmal für Sonnenschutzt, gibt; Budget gibt es für die Aufrüstung und für die Unterstützung der Monopole.
Die Verfügbarkeit von Süßwasser ist nicht in allen Ländern und Regionen gleich verteilt. Und ja, Geografie spielt eine Rolle, aber nicht immer. Jülich liegt nicht in der Sahara, sondern an der Rur in Deutschland. Wasser gibt es dort genug, aber da der Supercomputer Jupiter 16 Prozent des Wasserverbrauchs der Haushalte der Region benötigt, waren die Einwohner kürzlich mit Wasserknappheit konfrontiert. Will man über „exotischere“ Destinationen reden? So sieht man anhand der Daten der EUA (Europäische Umweltagentur/European Environment Agency), dass die meisten Länder im europäischen Süden in den letzten Jahren vor dem Problem von Wasserknappheit stehen. An erster Stelle befindet sich Zypern, gefolgt von Malta und Griechenland. Man kann natürlich argumentieren, dass das verfügbare Wasser in diesen Ländern deutlich weniger ist als z.B. in Slowenien. Aber man sollte sich dann auch Fragen wie die Folgenden stellen:
- Warum werden kaum Entsalzungsanlagen in diesen Regionen gebaut?
- Was ist die Rolle von Übertourismus in Bezug auf Wasserknappheit?
- Warum werden der Urbanisierungsgrad und die Bodenversiegelung, die das Aufnehmen von Wasser blockiert, nicht reduziert?
Wenn man nach Antworten für diese Fragen sucht, versteht man klar, worum es geht. Entsalzungsanlagen sind kaum profitabel, vor allem im Vergleich zu Hotels, Casinos usw. Übertourismus ist einer der Hauptgründe für Wasserknappheit in südlichen Regionen, aber riesige Reisebüros, Fluglinien und große Hotelketten haben andere Interessen und sie können diese durchsetzen. Urbanisierung und die damit verbundene Bodenversiegelung sind mit der kapitalistischen Produktionsweise unmittelbar verknüpft, da sich die Produktions- und Logistikbetriebe in Ballungsräumen konzentrieren.
Fazit
Mediziner und andere Wissenschaftler kennen die biologischen Mechanismen und können dabei beraten, wie man das Risiko von Nierensteinen reduziert. Gesellschaftlich gesehen sind Schutz gegen Hitze und genügend verfügbares Trinkwasser keine Selbstverständlichkeit. Sie sind mit Klassenzugehörigkeit verbunden. In einfachen Worten: deutlich höhere Chancen für ein lebenslanges schmerzfreies Urinieren haben nur Personen aus der oberen Klasse.
Quellen: Zeitung der Arbeit/Washington Post/DGFN/EEA























































































