Die militärische Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und dem Iran macht eine neue Eskalationsstufe auf. Erstmals wurde in der Kaspischen See ein iranisches Handelsschiff Ziel eines ukrainischen Angriffs. Nach Angaben des iranischen Außenministeriums kam dabei ein Seemann ums Leben, ein weiterer wurde verletzt. Teheran verurteilte den Angriff scharf, bestellte den Leiter der ukrainischen Vertretung ein und erklärte, sich das Recht auf eine Antwort im Rahmen der Selbstverteidigung vorzubehalten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte zeitgleich Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland sowie auf Schiffe in der Kaspischen See. Nach seinen Angaben seien dabei auch Schiffe getroffen worden, die für militärische Transporte mit Bezug zum Iran genutzt würden. Darüber hinaus beschuldigte Selenskyj Russland, den Iran durch Satellitenaufklärung über Militärstützpunkte in den Golfstaaten zu unterstützen.
Mit der Ausweitung der Kampfhandlungen auf die Kaspische See wird deutlich, dass sich die verschiedenen Kriegsschauplätze zunehmend miteinander verbinden. Während der Krieg in der Ukraine andauert und der Nahe Osten weiterhin von militärischen Auseinandersetzungen geprägt ist, entstehen neue Fronten, die immer mehr Staaten und Regionen in den Strudel des Konflikts hineinziehen.
Für den Iran bedeutet der Angriff eine erhebliche Verschärfung der Lage. Bereits die Gewässer am Persischen Golf, die Straße von Hormus, das Arabische Meer und Teile des Indischen Ozeans sind von militärischen Spannungen betroffen. Nun ist auch die Kaspische See, eine wichtige Handelsroute des Landes, nicht mehr sicher. Iranische Vertreter betonen deshalb, dass der Angriff nicht unbeantwortet bleiben werde. Beobachter halten eine iranische Reaktion grundsätzlich für möglich, da sich die Ukraine innerhalb der Reichweite iranischer Raketen- und Drohnensysteme befindet.
Die Eskalation wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Interessen der Großmächte. Berichten zufolge sollen unter den angegriffenen Schiffen auch Frachter gewesen sein, die mit dem Export kasachischen Erdöls in Verbindung stehen. An diesem Export sind auch große US-amerikanische Energiekonzerne beteiligt. Medienberichten zufolge haben die USA die Ukraine deshalb aufgefordert, keine Schiffe anzugreifen, die nicht Russland gehören.
Parallel dazu gibt es widersprüchliche Signale aus Washington. Einerseits erklärte US-Präsident Donald Trump, dass Gespräche mit dem Iran fortgesetzt würden und ein geplanter Angriff ausgesetzt worden sei. Andererseits dauern die militärischen Vorbereitungen und die gegenseitigen Drohungen an.
Quelle: 902.gr/Al Jazeera



















































































