Linz. Kaum haben neue Eigentümer den Sporthändler Hervis übernommen, werden bereits die ersten Konsequenzen sichtbar. Insgesamt 17 von derzeit 93 Filialen sollen im Laufe des Jahres 2026 geschlossen werden. Betroffen sind auch vier Standorte in Oberösterreich: Perg, Steyr, Wels und Linz-Lentia. Rund 100 Beschäftigte österreichweit verlieren dadurch ihre Arbeitsplätze oder stehen zumindest vor einer ungewissen Zukunft.
Die Begründung der neuen Eigentümer folgt dem bekannten Muster kapitalistischer Unternehmenspolitik. Die betroffenen Filialen seien „nicht ertragsbringend zu betreiben“. Mit anderen Worten: Nicht die Bedürfnisse der Bevölkerung, nicht die Arbeitsplätze und nicht die Lebensrealität der Beschäftigten entscheiden über die Zukunft eines Standorts, sondern ausschließlich die Frage, ob ausreichend Profit erzielt wird.
Anfang des Jahres hatte der SPAR-Konzern den defizitären Sporthändler an die deutschen Investoren Sven Voth und Udo Schloemer verkauft. Nun beginnt die angekündigte „Restrukturierung“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich in der Praxis meist dasselbe: Filialschließungen, Personalabbau und Kostensenkungen auf Kosten der Beschäftigten.
Arbeitsplätze als Verfügungsmasse des Kapitals
Der Fall Hervis zeigt erneut den grundlegenden Widerspruch kapitalistischer Produktion. Die Beschäftigten schaffen täglich die Werte, auf denen das Unternehmen basiert. Trotzdem haben sie keinerlei Kontrolle darüber, ob ihre Arbeitsplätze morgen noch existieren.
Wird ein Unternehmen verkauft, wechseln ganze Belegschaften praktisch den Besitzer. Neue Investoren übernehmen die Kontrolle und entscheiden, welche Standorte geschlossen, welche Arbeitsplätze vernichtet und welche Regionen wirtschaftlich geschwächt werden. Die Betroffenen selbst haben dabei nichts mitzureden.
Besonders deutlich wird dies an der Begründung der Schließungen. Dass eine Filiale für die Bevölkerung wichtig sein kann, dass Beschäftigte auf ihren Arbeitsplatz angewiesen sind oder dass eine Region wirtschaftlich geschwächt wird, spielt keine Rolle. Entscheidend ist allein die Rentabilität.
Die Logik der Restrukturierung
Die neuen Eigentümer sprechen davon, Hervis auf „zukünftige Markt- und Kundenanforderungen“ auszurichten. Solche Formulierungen gehören mittlerweile zum Standardvokabular bei Unternehmensumbauten. Tatsächlich geht es jedoch um die Erhöhung der Profitabilität.
Im Kapitalismus werden Betriebe nicht geführt, um gesellschaftliche Bedürfnisse zu erfüllen oder sichere Arbeitsplätze zu garantieren. Sie werden geführt, um Kapital zu verwerten. Bleibt die gewünschte Rendite aus, folgen Schließungen, Rationalisierungen und Personalabbau.
Dass ein Unternehmen zuvor jahrelang durch die Arbeit seiner Beschäftigten aufgebaut wurde, spielt dann keine Rolle mehr. Die Menschen werden zur austauschbaren Kostenposition.
Sozialplan ersetzt keine Arbeitsplatzgarantie
Hervis verweist darauf, dass gemeinsam mit Betriebsrat und Gewerkschaft ein Sozialplan ausgearbeitet worden sei. Solche Maßnahmen können einzelne Härten abfedern und sind oft Ergebnis gewerkschaftlicher Kämpfe. Sie ändern jedoch nichts am grundlegenden Problem. Denn ein Sozialplan ersetzt keinen Arbeitsplatz.
Die Beschäftigten verlieren nicht deshalb ihre Existenzgrundlage, weil sie schlecht gearbeitet hätten oder die Filialen gesellschaftlich unnötig wären. Sie verlieren sie, weil Investoren entschieden haben, dass an anderen Orten höhere Renditen erzielt werden können.
Klassenkampf statt Standortlogik
Der Fall Hervis ist kein Einzelfall. Immer wieder werden Unternehmen verkauft, umstrukturiert oder „optimiert“, während die Beschäftigten die Folgen tragen. Die Schließungen in Perg, Steyr, Wels und Linz reihen sich ein in eine lange Liste von Rationalisierungen, die quer durch den Handel und andere Branchen stattfinden.
Solche Vorgänge zeigen den Klassencharakter der Wirtschaft. Die Produktionsmittel befinden sich in privater Hand, die Entscheidungen werden von Eigentümern und Investoren getroffen, während die Arbeiterklasse die Konsequenzen tragen muss.
Deshalb darf die Antwort nicht in der Hoffnung auf „verantwortungsvolle Investoren“ liegen. Notwendig ist die Organisierung der Beschäftigten, die Verteidigung von Arbeitsplätzen und die Erkenntnis, dass die Interessen von Kapital und Arbeit letztlich unvereinbar sind.
Quelle: ORF



















































































