Angesichts tausender gewaltsamer Todesfälle setzt Präsident Daniel Noboa auf eine neue Phase der Militarisierung im Kampf gegen die organisierte Kriminalität – Kritiker sehen diese Herangehensweise jedoch als gescheitert an.
Quito. Ecuadors Präsident Daniel Noboa hat für die zweite Märzhälfte eine nächtliche Ausgangssperre in vier Küstenprovinzen angeordnet. Die Maßnahme gilt vom 15. bis 30. März jeweils zwischen 23:00 Uhr und 5:00 Uhr Ortszeit und betrifft die Provinzen Guayas, Los Ríos, Santo Domingo de los Tsáchilas und El Oro. Nach Angaben des Präsidenten markiert sie „eine nächste Phase im Kampf gegen die organisierte Kriminalität“ und ermöglicht eine verstärkte Militarisierung in den betroffenen Regionen.
Hintergrund der Entscheidung ist die anhaltend hohe Gewalt im Land. Im Jahr 2025 wurden offiziellen Angaben zufolge 9.216 gewaltsame Todesfälle registriert. Noboa erklärte, man werde jenen ein Ende setzen, „die Anarchie und einen gescheiterten Staat einem souveränen Staat vorgezogen haben“.
Internationale Daten bestätigen die dramatische Lage. Der ACLED-Konfliktindex (Armed Conflict Location and Event Data) führte Ecuador im vergangenen Jahr als das Land mit dem sechsthöchsten Gewaltniveau weltweit. Zwischen dem 1. Jänner und dem 28. November 2025 kamen landesweit mehr als 3.600 Menschen infolge von Bandengewalt ums Leben. Laut ACLED stieg die Zahl bandenbezogener Todesfälle in den ersten elf Monaten 2025 um 42 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024.
Auch die Situation in den Gefängnissen bleibt angespannt. ACLED verzeichnete mindestens 115 gewaltsame Todesfälle in Haftanstalten – mehr als dreimal so viele wie im Vorjahr und der höchste Stand seit Beginn der Erfassung der Bandengewalt in Ecuador im Jahr 2023.
Die Gewalt konzentriert sich nicht nur auf ländliche Gebiete. Der mexikanische Bürgerrat für öffentliche Sicherheit und Strafjustiz, der Kriminalität in Städten mit mehr als 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern untersucht, meldete kürzlich, dass sechs ecuadorianische Städte zu den zehn gewalttätigsten weltweit gehören.
Analysten bewerten die bisherige Strategie der Militarisierung kritisch. Ihrer Einschätzung nach hat sie nicht zur Eindämmung der Gewalt beigetragen, sondern die Lage weiter verschärft. Die nun angekündigte Ausgangssperre steht damit im Zentrum einer sicherheitspolitischen Debatte, die das Land weiterhin prägt.
Quelle: teleSUR


















































































