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Handel: KV-Verhandlungen erneut abgebrochen

Wien. Die Kollektivvertragsverhandlungen für die über 400.000 mehrheitlich weiblichen Beschäftigten im Handel wurden in der Nacht ohne Ergebnis abgebrochen. Die sechste Verhandlungsrunde dauerte neun Stunden und es konnte keine Einigung zwischen den Verhandelnden erzielt werden.

Dies hat sich bereit im Vorfeld angedeutet, nachdem die jüngsten Warnstreiks nicht die Schlagkraft hatten wie erhofft und andere Bereiche wie SWÖ oder die Metaller mit mehr Streikerfahrung, die relativ parallel in Verhandlungen im Oktober gestartet waren, bereits abgeschlossen haben. So kamen geplante, gemeinsame, branchenübergreifende Initiativen und Kämpfe zum Erliegen, die die Beschäftigten in ihrer Verhandlungsposition gestärkt hätten. 

Darüber hinaus sind die Konzerne und Unternehmen im Bereich des Handels von Anfang an mit einer besonderen Dreistigkeit in die Verhandlungen gegangen. Das setzt sich auch fort und zeigt sich nun darin, dass sie bereits vor der sechsten Verhandlungsrunde öffentlich angekündigt hatten, einseitige Empfehlungen herauszugeben.

Einseitige Empfehlungen durch WKO

Die WKÖ-Bundessparte Handel schlägt ihren Mitgliedsunternehmen jetzt, wie im Vorfeld der sechsten Runde angekündigt, vor, die kollektivvertraglichen Mindestgehälter freiwillig um 8 Prozent zu erhöhen. Damit wird offenbar versucht, die Streikbereitschaft der Beschäftigten zu schwächen und Fakten zu schaffen.

Einen ähnlichen Versuch gab es im vergangenen Jahr bei den Streiks im Eisenbahnbereich, wo die Westbahn die Löhne um einen gewissen Prozentsatz erhöhte.

Erneute Warnstreiks

Die Gewerkschaft schlug gestern eine sozial gestaffelte Gehaltserhöhung von zwischen 8,58 und 9,38 Prozent vor. Im Durchschnitt würde dies einer Gehaltssteigerung von 8,96 Prozent entsprechen. Es scheint auch eine Öffnungsklausel für Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten besprochen worden zu sein. Die Arbeitgeber haben laut Gewerkschaft jedoch lediglich eine Erhöhung von 8 Prozent plus 10 Euro angeboten. Deswegen kam es zu keiner Einigung und es kommt zu erneuten Warnstreiks im Handel.

Um die geforderten Erhöhungen zu erreichen, die den Beschäftigten eine Abgeltung der Inflation ermöglicht, sollte von Notbetrieben und kurzen Streiks abgegangen werden. Ganztägige Streiks wie zuletzt im Metallbereich erscheinen als notwendig, und zwar konzentriert auf umsatzstarke Tage und weniger verteilt, als im Metaller Bereich, um den Konzernen abzupressen, was mehr als verdient ist.

Quelle: GPA/ORF

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