Innsbruck. Forschende der Medizinischen Universität Innsbruck haben in internationaler Zusammenarbeit einen neuen Ansatz zur Bekämpfung von Blutkrebs untersucht. Im Mittelpunkt steht das Multiple Myelom, die zweithäufigste Blutkrebserkrankung. Betroffen sind vor allem ältere Menschen; in Österreich werden jährlich rund 500 Neuerkrankungen diagnostiziert.
Ein wesentliches Problem bei der Behandlung des Multiplen Myeloms besteht darin, dass Krebszellen im Verlauf der Erkrankung gegen Therapien resistent werden können. Deshalb wird intensiv nach neuen Möglichkeiten gesucht, diese Zellen gezielt zu schwächen oder abzutöten.
Transportsystem der Krebszelle im Fokus
Der neue Ansatz setzt bei einem innerzellulären Transportsystem an, auf das die Krebszellen besonders stark angewiesen sind. Über dieses System werden Antikörper aus der Zelle hinausgeleitet. Myelomzellen produzieren und transportieren dabei deutlich größere Mengen an Antikörpern als gesunde Immunzellen – laut Angaben der Medizinischen Universität Innsbruck etwa zehn- bis hundertmal mehr.
Wird dieses Transportsystem gestört, kann es zu einem Stau von Antikörpern innerhalb der Krebszelle kommen. Dieser belastet die Zelle und kann dazu beitragen, sie zu schwächen.
Zellen geraten aus dem Gleichgewicht
Das Forschungsteam um Hesso Farhan und Utku Horzum am Institut für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Innsbruck unterbrach das Transportsystem durch genetische Manipulation. Dadurch entstand in den Krebszellen ein Ungleichgewicht: Der Energieverbrauch stieg, während die Fähigkeit der Zellen, ausreichend Energie zu produzieren, abnahm.
Dieses Missverhältnis kann die Krebszellen so stark belasten, dass sie absterben. Die Forschenden konnten diesen Effekt sowohl in Zellkulturversuchen als auch im Tiermodell bestätigen.
Vielversprechende Ergebnisse
Auch Tests an Zellen, die direkt von Krebspatientinnen und Krebspatienten entnommen wurden, zeigten laut den Angaben vielversprechende Resultate. Die Studie wurde im Fachjournal „Signal Transduction and Targeted Therapy“ veröffentlicht.
Bis aus solchen Erkenntnissen eine neue Therapie für Patientinnen und Patienten entstehen kann, sind jedoch weitere Untersuchungen notwendig. Die bisherigen Ergebnisse liefern aber einen wichtigen Hinweis darauf, dass die gezielte Störung des Transportsystems von Myelomzellen ein möglicher neuer Weg in der Behandlung dieser Blutkrebserkrankung sein könnte.
Quelle: ORF





















































































